US-Soldaten gerieten in Syrien unter türkischen Beschuss

Im Streit über den Einmarsch der Türkei in Syrien haben die USA ihrem NATO-Partner den Beschuss amerikanischer Truppen vorgeworfen. Die Einheiten seien gestern Abend im syrischen Grenzgebiet zur Türkei unter Artilleriebeschuss geraten, teilte das US-Verteidigungsministerium mit.

Zwar sei der Vorfall nahe des Grenzorts Kobane glimpflich ausgegangen. Gleichwohl schickte das Pentagon eine neuerliche Warnung an die Adresse Ankaras. Die Türkei habe jegliche Handlungen zu vermeiden, „die eine sofortige Verteidigungsreaktion nach sich ziehen könnten“, warnte das Pentagon.

Stunden zuvor hatte bereits US-Armeechef Mark Milley gesagt, dem türkischen Militär seien die Positionen der amerikanischen Truppen in der Region mitgeteilt worden. „Und jeder ist sich voll bewusst, dass wir uns als US-Militär das Recht auf Selbstverteidigung vorbehalten.“

Türkei weist Anschuldigungen von sich

Das türkische Verteidigungsministerium wies den Vorwurf zurück, dass auf Truppen der Amerikaner oder des Militärbündnisses gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geschossen worden sei. Vielmehr seien türkische Grenzposten von Hügeln aus unter Beschuss genommen worden, die etwa einen Kilometer von einem US-Beobachtungsposten entfernt lägen.

„Als Akt der Selbstverteidigung“ sei das Gegenfeuer eröffnet worden auf die Stellungen der „Terroristen“ – womit die türkische Regierung in der Regel kurdische Milizen meint. Dabei seien aber „alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen“ und keine US-Kräfte beschossen worden. Nach Rückmeldungen seitens der USA sei das Feuer schließlich „vorsichtshalber“ eingestellt worden.

Bereits zuvor hatten die Türkei angekündigt, die Militäroffensive gegen die Kurdenmilizen in Nordsyrien trotz Sanktionsdrohungen der USA unbeirrt fortzusetzen. Die Türkei erhalte derzeit „von rechts und links Drohungen“, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gestern ABend bei einer Ansprache in Istanbul. „Aber wir werden nicht stoppen. Wir werden keinen Schritt mehr zurückgehen.“

USA drohen mit Sanktionen

Die USA dringen auf einen Abbruch der Offensive und drohen der Regierung in Ankara harte Strafmaßnahmen an. „Wenn wir müssen, können wir die türkische Wirtschaft stilllegen“, warnte US-Finanzminister Steven Mnuchin.

Die USA bereiteten „sehr harte Sanktionen“ vor, die „jede Person mit Verbindungen zur türkischen Regierung“ und auch Finanzinstitute treffen könnten. „Ich hoffe, dass wir sie nicht anwenden müssen.“ Die Türkei dürfe zudem keinesfalls erlauben, dass auch nur ein einziger IS-Gefangener im türkischen Einmarschgebiet entkomme.

UNO: 100.000 Menschen auf der Flucht

Die Offensive kostete bereits in den ersten Tagen zahlreiche Menschen in Nordsyrien das Leben und trieb Zehntausende Menschen in die Flucht. In einer Stellungnahme des UNO-Nothilfebüros Ocha und des Humanitären Koordinators der UNO für Syrien in Damaskus war von 100.000 Vertriebenen die Rede. Das UNO-Welternährungsprogramm (WFP) in Genf hatte zuvor berichtet, die meisten Menschen seien aus den Regionen Ras al-Ain und Tall Abjad geflüchtet.