Zehntausende Menschen während eines Generalstreiks in Barcelona
Reuters/Albert Gea
Unabhängigkeitskonflikt

Katalonien-Demos legen Barcelona lahm

In Barcelona sind am Freitag mehr als eine halbe Million Anhänger der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung auf die Straße gegangen. Etwa 525.000 Menschen protestierten laut der Polizei gegen die langjährigen Haftstrafen für prominente Separatisten, wie die Polizei der Stadt mitteilte. Die Großkundgebung war der vorläufige Höhepunkt der seit Montag anhaltenden Proteste in der Region.

Zehntausende Menschen während eines Generalstreiks in Barcelona
APA/AFP/Pau Barrena
Aus mehreren Städten waren Tausende Demonstranten und Demonstrantinnen nach Barcelona gezogen. Mit Unabhängigkeitsfahnen und Transparenten ausgestattete Demozüge bewegten sich bereits am Nachmittag durch die Stadt. Diese wirkte zwischenzeitlich wie ausgestorben.
Menschen während eines Generalstreiks in Barcelona vor der Sagrada Familia
Reuters/Albert Gea
Sie erreichten auch die Sagrada Familia, eines der Wahrzeichen Barcelonas. Hunderte Menschen blockierten im Rahmen eines Generalstreiks zeitweise die Zugänge zu dem weltberühmten Gotteshaus. Später wurden die Pforten komplett geschlossen.
Mit Gepäckwagen versperrte Rolltreppe auf dem Flughafen El Prat in Barcelona
APA/AFP/Lluis Gene
In der katalanischen Hauptstadt waren die Auswirkungen der Proteste fast überall spürbar, Dutzende Flüge mussten nach offiziellen Angaben gestrichen werden. Straßenblockaden gab es bereits in der Früh, zahlreiche Geschäfte blieben geschlossen.
Zehntausende Menschen während eines Generalstreiks in Barcelona
AP/Emilio Morenatti
Auslöser für die Proteste ist ein Gerichtsurteil gegen sieben Separatistenführer. Das oberste Gericht hat diese am Montag in Madrid wegen ihrer Rolle bei dem illegalen Abspaltungsreferendum vom 1. Oktober 2017 zu langen Haftstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt, seither wird protestiert.
Zehntausende Menschen während eines Generalstreiks in Barcelona
AP/Emilio Morenatti
Hafenarbeiter und Angestellte der VW-Tochter Seat legten die Arbeit ebenso nieder wie die Belegschaft der katalanischen Supermarktkette Bonpreu. Auch zahlreiche Hörsäle an den Unis und viele Klassenzimmer blieben leer.
Polizisten während eines Generalstreiks in Barcelona
APA/AFP/Pau Barrena
Bei den Protesten kam es in den vergangenen Tagen auch zu teils gewaltsamen Ausschreitungen. Die Polizei wurde laut Medienberichten mit Steinen und Böllern angegriffen und hätte ihrerseits Schaumgeschosse eingesetzt. Es gab Dutzende Festnahmen und Verletzte.
Vermummte Demonstranten versperren eine Straße und legen Feuer während eines Generalstreiks in Barcelona
APA/AFP/Pau Barrena
Auch am Freitag kam es zu Zusammenstößen. Während die Hauptkundgebung auf dem Prachtboulevard Passeig de Gracia im Zentrum Barcelonas ohne größere Zwischenfälle verlief, lieferten sich unweit der Demo mehrere hundert, zumeist junge Menschen Kämpfe mit der Polizei.
Demonstranten während eines Generalstreiks in Barcelona
APA/AFP/Josep Lago
Indes wurde am Freitag auch bekannt, dass der von Spanien zur Festnahme ausgeschriebene katalanische Politiker Carles Puigdemont in Belgien vorerst auf freiem Fuß bleibt. Puigdemont muss am 29. Oktober wieder vor dem Richter erscheinen. Der frühere Separatistenführer war 2017 nach Belgien geflohen.
Demonstranten während eines Generalstreiks in Barcelona
Reuters/Albert Gea
Ein Ende der Protestwelle ist jedenfalls nicht in Sicht. Weil auch in den kommenden Tagen mit Kundgebungen gerechnet wird, wurde am Freitag sogar der für 26. Oktober angesetzte „Clasico“ zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid verschoben.