Proteste im Irak: Regierungschef räumt Fehler ein

Der irakische Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi ist auf die regierungskritischen Demonstrierenden zugegangen. Er räumte heute Fehler ein und versprach eine Wahlreform. „Politische Kräfte und Parteien sind wichtige Institutionen in jedem demokratischen System. Sie haben viele Opfer gebracht, aber sie haben auch viele Fehler gemacht“, teilte Abdul Mahdi mit.

Er rief die Demonstrierenden auf, für einen ungestörten Tagesablauf zu sorgen. Zu der Wahlreform äußerte er sich nicht näher. Sie solle in den kommenden Tagen angekündigt werden.

Mehrere Brücken blockiert

Die Massenproteste in Bagdad hielten indes an. Sicherheitskräfte versuchten die Mengen, die seit Tagen mehrere wichtige Brücken in der Hauptstadt blockieren, auseinanderzutreiben. Sie setzten Tränengas und Blendgranaten ein. 34 Menschen wurden dabei verletzt.

Zehntausende Iraker machen seit dem 1. Oktober ihrem Unmut über Arbeitslosigkeit und die schlechte Versorgungslage Luft. Sie werfen der Regierung Korruption vor und fordern 16 Jahre nach dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein durch die US-geführte Invasion eine Überarbeitung des politischen Systems.

„Die Proteste haben geholfen und werden dabei helfen, Druck auf politische Parteien und die Regierung auszuüben, um sich zu reformieren und Veränderungen zu akzeptieren“, sagte Abdul Mahdi. Dennoch müsse man trotz der Proteste zu einem normalen Leben zurückkehren. Das würde dazu führen, dass berechtigte Forderungen auch erfüllt würden. Der führende schiitische Geistliche des Landes, Ajatollah Ali al-Sistani, hatte die politische Führung des Landes am Freitag dazu aufgerufen, eine friedliche Lösung des Konflikts zu suchen, bei dem bisher 280 Menschen getötet wurden.