Sri Lankas Präsident ernennt Bruder zum Premier

Sri Lankas neuer Präsident Gotabaya Rajapaksa verhilft seinem umstrittenen Bruder Mahinda zum politischen Comeback: Der 70-Jährige ernannte den früheren Staatschef heute zum neuen Ministerpräsidenten. Unmittelbar zuvor hatte der bisherige Regierungschef Ranil Wickremesinghe seinen Rücktritt angekündigt.

Gotabaya Rajapaksa war am Samstag zum neuen Präsidenten des südasiatischen Inselstaats gewählt worden. Er setzte sich gegen den Konkurrenten der Regierungspartei UNP durch.

Gefürchtet bei Minderheiten

Mahinda Rajapaksa hatte Sri Lanka von 2005 bis 2015 als Präsident mit harter Hand regiert. Sein Bruder diente ihm in dieser Zeit als Verteidigungsminister und leitete de facto die Sicherheitskräfte, die vor zehn Jahren mit äußerster Gewalt den Aufstand tamilischer Rebellen in Sri Lanka niederschlugen. Unter seinem Kommando soll es auch „Todesschwadronen“ gegeben haben, die politische Gegner und Journalisten töteten.

Die buddhistische Mehrheit der Singhalesen hält den Rajapaksa-Brüdern zugute, den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Sri Lanka beendet zu haben. Bei den tamilischen und muslimischen Minderheiten sind die Rajapaksas hingegen verhasst und gefürchtet. Bei der letzten Militäroffensive gegen die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) töteten Regierungstruppen im Norden des Landes mutmaßlich 40.000 tamilische Zivilisten.