Vucic: Serbien will nicht „Marionette“ der EU sein

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hat seinem Unmut über die Europäische Union Luft gemacht. „Wir wollen nicht wie Marionetten im Puppentheater behandelt werden“, sagte Vucic laut der Nachrichtenagentur Tanjug bei einem Treffen mit seinem nordmazedonischen Amtskollegen Stevo Pendarovski heute in Belgrad.

Alle Staaten des Westbalkan würden zweifellos die EU-Mitgliedschaft anstreben, doch wisse man in Brüssel nicht, was mit dem Westbalkan zu tun sei, sagte Vucic. Die EU-Staaten haben sich jüngst trotz einer eindeutigen Empfehlung der EU-Kommission nicht auf den Beginn von Beitrittsgesprächen mit Nordmazedonien und Albanien verständigt, weil der französische Präsident Emmanuel Macron ein Veto dagegen einlegte.

Staaten wollen „kleines Schengen“

Nordmazedonien, Albanien und Serbien arbeiten indes auf eigene Faust an einer engeren Kooperation. Die drei Staaten kündigten kürzlich in Ohrid eine Reihe von Maßnahmen an, um den Waren- und Personenverkehr in der Region zu erleichtern und sie auch für ausländische Investoren anziehender zu machen.

Das wäre der Weg zur Bildung eines „kleinen Schengen“ auf dem Westbalkan, zu dem auch Montenegro, Bosnien-Herzegowina und der Kosovo eingeladen wurden.

„Skandinavien für Arme“

Im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ bezeichnete Vucic sein Kooperationsprojekt als „eine Art Skandinavien für Arme“. Zugleich warf er der Europäischen Union Doppelmoral vor.

Er wolle sich „keine Lektionen mehr über unsere China-Kontakte anhören von EU-Politikern“, die sich selbst gegenüber der chinesischen Regierung unterwürfig zeigten, sagte er laut einer Vorabmeldung mit Blick unter anderem auf das Brückenprojekt in Kroatien, das von der EU mit 400 Millionen Euro finanziert – aber von chinesischen Arbeitern gebaut – werde.

Für Serbien wäre ein ähnliches Vorgehen undenkbar, sagte er dem Bericht zufolge. „Ich würde wahrscheinlich in Brüssel gehängt“, sagte Vucic.