Filiale der UniCredit in Wien
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UniCredit/Bank Austria

Radikale Kürzungen für mehr Gewinn

„Team 23“ heißt die Strategie, mit der die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit ihren Gewinn bis 2023 auf fünf Milliarden Euro steigern will. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verheißt das nichts Gutes: 8.000 Stellen fallen weg, 500 Filialen in Westeuropa schließen. Davon wird auch Österreich betroffen sein, wie aus den am Dienstag präsentierten Plänen hervorgeht.

Die UniCredit begann 2016 wegen Verlusten in Milliardenhöhe mit einem umfassenden Umbau. Der damals neu eingesetzte Konzernchef Jean-Pierre Mustier erwies sich seitdem als harter Sanierer: 14.000 Stellen wurden im Zuge des Plans „Transform19“ gestrichen, an die 1.000 Filialen geschlossen.

Die Umsetzung von „Transform19“ beweise, dass man die eigenen Ziele erreichen könne, zitierte das deutsche „Handelsblatt“ am Dienstag Mustier. Wenn „Team23“ umgesetzt sei, werde man die Mitarbeiterzahl in acht Jahren um 32 Prozent und die Zahl der Filialen um 42 Prozent reduziert haben. „Nicht viele andere Banken in Europa haben das geschafft“, sagte Mustier. „Ich habe nicht viele Banken gesehen, die ihre Strategie umgesetzt haben. Wir haben es getan.“

Frohbotschaft für Anleger

50 Milliarden Euro faule Kredite wurden in den letzten drei Jahren aus den Büchern entfernt, die Kosten um rund zwei Milliarden Euro pro Jahr gesenkt. Nun strebt die Bank einen höheren Aktienkurs an und will Anleger und Anlegerinnen mit einer höheren Ausschüttungsquote locken. So sollen für 2019 40 Prozent des Nettogewinns ausgeschüttet werden statt wie zuvor 30 Prozent. Im dritten Quartal erwirtschaftete das Unternehmen einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. In einigen Bereichen liefen die Geschäfte im laufenden Jahr besonders gut.

Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier
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Der Franzose Mustier zieht die UniCredit-Sanierung rigide durch

Der nunmehrige Personalabbau bei UniCredit wird sich vor allem auf Italien, Deutschland und Österreich konzentrieren, wo die Mitarbeiterzahl um insgesamt zwölf Prozent reduziert und 17 Prozent der Filialen geschlossen werden sollen. UniCredit wollte sich nicht zur regionalen Verteilung des Stellenabbaus äußern. Er solle aber sozialverträglich und in Absprache mit den Arbeitnehmervertretungen erfolgen, hieß es.

Auch die Bank Austria sowie die deutsche Tochter HypoVereinsbank (HVB) machten keine näheren Angaben. Besonders betroffen könnte laut „Handelsblatt“ die UniCredit Services sein, über die Technik und IT intern laufen. Das sind im Moment rund 9.000 Mitarbeiter in elf Ländern. In Zukunft will man vermehrt mit externen Dienstleistern zusammenarbeiten.

Jobabbau bei der UniCredit

Die italienische Großbank UniCredit will bis zum Jahr 2023 rund 8.000 Stellen streichen. Ziel sei es, die Kosten in der Zeitspanne um eine Milliarde Euro zu senken, teilte die Bank-Austria-Mutter mit.

Gewerkschaft warnt vor geschwächter Kundenbeziehung

Die italienischen Bankengewerkschaften reagierten empört auf die Kürzungspläne: Die Bank könne eine weitere Reduzierung der Jobs nicht mehr verkraften, da seit 2007 bereits 26.650 Stellen gekürzt worden seien, protestierte der Chef des Gewerkschaftsverbands FABI, Lando Maria Sileoni. Die weiteren Filialschließungen würden „die Beziehungen zur Kundschaft beeinträchtigen. Die Bank wird durch die Jobkürzungen geschwächt – mit der Gefahr, dass sie geschluckt werden kann“, warnte Sileoni. Die Gewerkschaften befürchten, dass die Jobkürzungen der erste Schritt vor einer europäischen Fusion sei, die UniCredit von der Heimat Italien entfernen könnte.

Tatsächlich sollen die 13 Auslandstöchter, darunter auch die Bank Austria, in einer nicht börsennotierten Holding zusammengefasst werden. Spekulationen, dass die Dachgesellschaft ein erster Schritt zu einer Fusion mit einer ausländischen Bank sei, dementierte Mustier aber. Die Holding sei einzig dazu da, die Bank weniger komplex zu machen und so die Mindestkapitalanforderungen zu drücken.

Bank-Austria-Filiale
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Noch ist unklar, in welchem Umfang die Bank Austria von dem neuen Sparprogramm betroffen ist

Zuletzt hatte man bei der Bank Austria gehofft, von den Sparvorgaben aus Italien möglichst verschont zu bleiben – schließlich wurden zuletzt mittels Golden-Handshake-Programm tausend Jobs gestrichen. Mitte des Jahres hatte die Bank Austria rund 5.300 Vollzeitstellen, Ende 2016 waren es 6.300.