Vulkan auf White Island in Neuseeland
AP/New Zealand Herald/George Novak
Neuseeland

Mehrere Tote nach Vulkanausbruch

In Neuseeland hat ein Vulkanausbruch Dutzende Touristen und Touristinnen auf einer Insel überrascht – fünf Personen sind ums Leben gekommen, mehrere Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Etwa 50 Menschen hätten sich zu dem Zeitpunkt in der Nähe aufgehalten, teilte die Polizei am Montag mit. Mehrere Menschen würden noch vermisst.

Die Eruption ereignete sich nach jüngsten Angaben der Polizei gegen 14.11 Uhr Ortszeit (2.11 Uhr MEZ). Die Polizei befürchtet nach Angaben eines Sprechers, dass es weitere Todesopfer geben könnte. Regierungschefin Jacinda Ardern hatte zuvor von rund hundert Menschen auf der Vulkaninsel gesprochen, die Polizei revidierte die Zahl nach unten. Laut Medienberichten wurden bis zu 20 Menschen verletzt. Ardern sprach von einer Situation, die sich noch „entwickelt“.

Mindestens sieben Hubschrauber waren im Einsatz, um Menschen von der Insel in Sicherheit zu bringen. Aus Sorge vor weiteren Eruptionen war es Polizei und Rettungskräften nicht möglich, die Insel genauer abzusuchen. Der britische „Guardian“ berichtete, dass 23 Menschen von der Insel abtransportiert worden seien. Die Zahl der Vermissten sei noch nicht bestätigt worden, sagte Ardern weiter. In Medien kursieren derzeit unterschiedliche Angaben. Hinweise, dass Österreicher von der Naturkatastrophe betroffen sein könnten, gebe es bisher nicht, sagte Peter Guschelbauer, Sprecher des Außenministeriums, auf APA-Anfrage.

Whakaari: Aktivster Vulkan Neuseelands

Das Nachrichtenportal Stuff zeigte Fotos, die kurz vor dem Ausbruch entstanden sein sollen. Darauf sind mehrere Touristen und Touristinnen in der Nähe des Kraters zu sehen. Mehr als ein halbes Dutzend Menschen hielten sich innerhalb des Kraterrandes auf, als der White-Island-Vulkan überraschend ausbrach. Dann wurde das Bild dunkel.

Vulkankrater
AP/GeoNet
In dieser Luftaufnahme ist der Vulkankrater auf White Island zu sehen

Auch die örtliche Bürgermeisterin Judy Turner sagte der Nachrichtenagentur AFP, Rettungskräfte seien an Ort und Stelle, es habe Verletzte gegeben. „Ich weiß nicht, wie viele oder mit welchen Verletzungen, aber Rettungskräfte versuchen derzeit verzweifelt, diese Menschen von der Insel weg zu einem Krankenhaus zu bringen.“ Mehrere Personen kamen vom Kreuzfahrtschiff „Ovation Of The Seas“ auf die Insel. Die Reederei übermittelte eine Liste von Passagieren.

Aschewolke über Insel

White Island liegt etwa 50 Kilometer nördlich der Küste von Neuseelands Nordinsel. Selbst von dort war die riesige Aschewolke über der Insel zu sehen. Der Vulkan auf White Island wird von den Maori-Ureinwohnern und -Ureinwohnerinnen Whakaari genannt, was sich mit „Der dramatische Vulkan“ übersetzen lässt. Er ist der aktivste Vulkan Neuseelands.

Die Insel wurde 1769 von dem britischen Seefahrer James Cook angelaufen, der ihr auch den englischen Namen gab. Grund dafür war, dass White Island ständig in einer Wolke von weißem Dampf und Rauch erschien. Mehrere Unternehmen bieten heute Tagestouren für Touristen an. Die Insel wird pro Jahr von etwa 10.000 Touristen und Touristinnen besucht.

Neuseeland liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Auch Erdbeben sind dort keine Seltenheit. In der Stadt Christchurch kamen bei einem Beben im Februar 2011 mehr als 180 Menschen ums Leben.

Ausbruch laut Vulkanologen nicht unerwartet

Vulkanologe Brad Scott sagte zu Stuff, dass der Vulkan auf White Island nicht unerwartet ausgebrochen sei. Es sei zwar immer eine Art Überraschung, aber „wir wissen, dass es auf White Island seit einigen Wochen vulkanische Unruhen gibt“, sagte Scott. Man habe schon auf einen möglichen Ausbruch hingewiesen. Weitere Eruptionen könnten folgen.

„Wir können nicht sicher sein, dass es keine Bewegungen in den nächsten 24 Stunden geben wird“, sagte Ken Gledhill, Direktor von GeoNet, das Informationen zu geologischen Bewegungen in Neuseeland liefert. Es sei keine „große Eruption“ gewesen, so Gledhill, der den Ausbruch als „Räuspern“ beschrieb.

Sarah Stewart-Black, Direktorin für Katastrophenschutz, sagte, dass man sich keine „erheblichen Auswirkungen auf die Menschen“ auf der Nordinsel Neuseelands erwarte. „Sollte sich die Situation ändern, werden wir das mitteilen. Aber derzeit scheint es so, dass nur eine geringe Menge Asche in den kommenden Stunden die Nordinsel erreichen wird“, sagte Stewart-Black in einer Pressekonferenz.