Löschflugzeug im Einsatz
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Große Verschwörung

Absurde Theorien zu Bränden in Australien

In Australien brennt es seit Monaten, betroffen ist eine Gesamtfläche größer als Österreich, 27 Menschen sind bisher gestorben, Millionen Tiere verendet. Als Hauptursachen gelten Hitze und lange Trockenheit. Für die Katastrophe gibt es aber auch noch andere „Erklärungen“, die einen schlicht absurd, die anderen offenbar mit Hintergedanken.

Lügen hätten sich schneller ausgebreitet als die Brände, schrieb am Wochenende der britische „Guardian“ über die „beispiellose nationale Katastrophe“ Australiens, mit dabei alles von bloßen Übertreibungen bis hin zu himmelschreiendem Unsinn. Eine Verschwörungstheorie laute etwa, dass die Brände absichtlich gelegt worden seien, um Platz für eine Hochgeschwindigkeitszugstrecke entlang der australischen Ostküste zu schaffen.

Eine andere, auf die der „Guardian“ verwies, besagt, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe ihre Anhänger in Australien dazu aufgerufen, mit Feuer „Krieg“ gegen das Land zu führen. Nicht minder bizarr: „Ökoterroristen“ hätten die Brände gelegt und eine Katastrophe heraufbeschworen, um den Kampf gegen den Klimawandel zu beschleunigen.

Wie ein Lauffeuer

Neben diesen „lächerlichen Unwahrheiten“, schrieb die britische Zeitung, gebe es aber noch eine Reihe weiterer „Verzerrungen“, die „gefährlicher“ seien. Das deshalb, weil sie dazu dienten, die globale Erderwärmung bzw. den menschengemachten Teil des Klimawandels zu leugnen. Es sei etwa immer wieder von Brandstiftungen als Ursache die Rede.

Rauchwolken bei Braemar Bay in New South Wales
APA/AFP/Saeed Khan
Flammen und Rauch färben den Himmel rot

Der Klimaexperte Will Steffen, Mitglied des australischen Climate Council, zeigte sich besorgt darüber, wie rasch und einfach sich absurde Erklärungen und Desinformation verbreiteten, auch in den „klassischen“ Medien, wie der „Guardian“ schrieb. Es sei eine ernste Angelegenheit und „potenziell sehr gefährlich“, zitierte die britische Zeitung Steffen. Menschen, die falsche Informationen verbreiteten und den Klimawandel leugneten, erwiesen nicht nur künftigen Generationen einen schlechten Dienst, sondern auch der Natur und der Wirtschaft.

Grobe Übertreibungen

Brandstiftung, die immer wieder als Ursache der Buschfeuer genannt werde, sei tatsächlich immer schon „ein ernsthaftes Problem“ in Australien gewesen. Im Bundesstaat New South Wales habe die Polizei 24 Personen wegen des Entzündens von Feuern im Freiland angezeigt, hieß es. Die Rolle von Brandstiftung sei allerdings „grob übertrieben“ dargestellt worden.

Verbranntes Buschland in Adaminaby, Australien
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Riesige Flächen sind seit Anfang Oktober verbrannt

Vor allem unter dem Hashtag „#ArsonEmergency“, dem Notfall ausgelöst durch Brandstiftung, finden sich im Kurznachrichtendienst Twitter alle möglichen Versionen dazu, meist wird der Klimawandel negiert. In einem Tweet hieß es am Sonntag etwa: Hitze und Dürre allein könnten keine Brände auslösen, in anderen war von Hunderten Festnahmen von Brandstiftern die Rede, von den Medien natürlich gezielt verschwiegen.

„Überschwemmt“ von falschen Fakten

Ein Social-Media-Experte der Queensland University of Technology analysierte die Beiträge für den „Guardian“ und sei zu dem Schluss gekommen, dass eindeutig eine „Desinformationskampagne“ im Laufen sei – die Frage ist nur wozu und von wem ins Rollen gebracht. Jedenfalls scheine Australien plötzlich von Mis- bzw. Desinformation „überschwemmt“ zu werden.

Die hätten längst auch die klassischen Medien erreicht. Australische TV-Sender bzw. Zeitungen hätten kritiklos Meldungen über fast 200 Festnahmen wegen Brandstiftung übernommen, das Onlineportal des rechten US-Verschwörungstheoretikers Alex Jones, InfoWars, verbreitete die „Nachricht“ via Twitter weiter und hielt fest: Immer noch machten „Medien und Prominente“ den Klimawandel (unter Anführungszeichen) für die Katastrophe verantwortlich.

Erstmals leichte Entspannung

Die Zahl der Todesopfer durch die Brände beläuft sich inzwischen auf 27. Am Samstag starb ein 60-jähriger Feuerwehrmann im Einsatz nahe der Kleinstadt Omeo im südöstlich gelegenen Bundesstaat Victoria, wie Feuerwehrchef Chris Hardman am Sonntag sagte. Die Zahl der zerstörten Gebäude summiert sich auf mehrere tausend, die betroffene Fläche umfasst rund 100.000 Quadratkilometer.

Am Wochenende zeichnete sich erstmals seit langer Zeit Entspannung, wenn auch noch keine Entwarnung, ab. In dem von den Bränden am stärksten betroffenen Bundesstaat New South Wales gingen die Temperaturen am Wochenende zurück, außerdem regnete es. Ein riesiger Brand, der seit zweieinhalb Monaten nahe Sydney auf einer Fläche von knapp 5.000 Quadratkilometern, einer Fläche etwa halb so groß wie Kärnten, getobt hatte, sei unter Kontrolle, hieß es am Sonntag.