Die Bucht in Rovin, Kroatien
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Österreich und Meer

Suche nach dem Sommer im Winter

Nach den Feiertagen hilft im oft trüben Winteralltag der Blick nach vorn: Der kommende Sommer ist zwar noch weit, doch die Zeit für die Urlaubsplanung beginnt schon jetzt. Die Reisebranche blickt trotz Pleiten und Klimakrise optimistisch in die Zukunft – denn die Reiselust der Österreicherinnen und Österreicher ist ungebrochen.

Im Winter lagen „vor allem die Malediven, Spanien, Thailand, Ägypten und Mauritius“ im Trend, sagte am Donnerstag die Touristikerin Helga Freund, Vorständin der Verkehrsbüro Group. TUI-Österreich-Chef Gottfried Math sieht ebenfalls „Hochkonjunktur“ bei Ferndestinationen, wie er vergangene Woche sagte. Ein zweistelliges Plus verzeichnete man bei den Malediven, Thailand, Mauritius und Tansania.

Für den kommenden Sommer sind die Topdestinationen unterdessen relativ unverändert: Mit 71 Prozent liegt Österreich an der Spitze, so das Verkehrsbüro, das das Marktforschungsinstitut Marketagent mit einer Umfrage beauftragte. Die überwiegende Mehrheit will auch in Europa bleiben – Italien rangiert laut Umfrage vor Kroatien und Deutschland, wie schon in den Jahren davor.

Der Hafen in Capri, Italien
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In weniger als 200 Tagen beginnen die Sommerferien. Italien, hier Capri, ist Österreichs Lieblingsreiseziel – nach Österreich selbst.

Bei den Fernreisen sieht TUI eine Verschiebung vom westlichen zum östlichen Mittelmeer – also in Richtung Türkei und Ägypten. Auch Ruefa sieht einen Zuwachs etwa bei Reisen nach Ägypten. Am meisten Umsatz bringe bei den Reisebüros im Sommer unterdessen Griechenland, auch hier gibt es laut der Verkehrsbüro-Chefin einen Anstieg.

18 Urlaubstage im Schnitt

Die Reisefreudigkeit sei auf Rekordniveau: „90 Prozent planen, eine Reise zu buchen“, sagte Freund. „Wir hatten auch schon Jahre, da waren das nur 74 oder 77 Prozent“, so Freund im Hinblick auf die Jahre 2011 bis 2013. Laut der Umfrage werden im Schnitt 18 Urlaubstage anvisiert. Wie lange der Urlaub ausfällt, hängt auch vom Alter ab: Vor allem über 60-Jährige fahren laut Umfrage mehr als vier Wochen weg. Insgesamt planen 58 Prozent ein bis drei Wochen zu verreisen, 36 Prozent wollen bis zu einer Woche urlauben.

Wanderer auf dem Gipfel
ORF.at/Christian Öser
Der Untersberg liegt an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland – beide Länder zählen zu den beliebtesten Zielen

Entsprechend ist auch das Budget für die Reise dimensioniert – das offenbar unabhängig von der Wirtschaftslage ausfällt: 1.620 Euro stehen Österreicherinnen und Österreichern im Schnitt für Reisen zur Verfügung. „Die Konjunkturprognosen sind kein Anlass, beim Urlaub zu sparen, weil er einfach ein Höhepunkt des Jahres ist“, so Stefan Gensasz von Marketagent.

Thomas-Cook-Pleite wirkt sich auf Branche aus

Für die Branche selbst spielt die Wirtschaftslage naturgemäß eine ganz andere Rolle: Das Vorjahr war vor allem von der Pleite des Reiseanbieters Thomas Cook gezeichnet. „Die Insolvenz von Thomas Cook hat natürlich die Touristikbranche erschüttert und weitreichende Auswirkungen auf die Reisebranche, das Reiseverhalten der Österreicher hat sich aber nicht verändert“, so Freund.

Die Bucht von Phang nga in Thailand
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Thailand erfreute sich im vergangenen Winter als Reiseziel großer Beliebtheit

TUI Österreich gab erst vergangene Woche bekannt, dass der Thomas-Cook-Konkurs das eigene Geschäft ankurbeln würde: „Die Pleite hat die Reisebranche durchgerüttelt und war sehr, sehr bitter für die Kunden, Mitarbeiter und Partner. Für TUI ist es aber eine Chance“, so TUI-Österreich-Chef Gottfried Math. So habe der Reiseveranstalter die Bettenkapazität deutlich aufgestockt und fast 200 neue Hotels ins Programm genommen – die zuvor bei Thomas Cook waren.

Nachhaltigkeit wichtig, aber keine Flugscham

Flugscham, also das Vermeiden des Flugzeugs zugunsten anderer Verkehrsmittel sehen die zwei Reisebüros unterdessen nicht: „Flugscham wird in den Medien stark debattiert, aber wir sehen keinen Rückgang bei den Buchungen. Das kommt bei den Kunden noch nicht an. Im Urlaub gelten andere Regeln“, so TUI-Chef Math.

Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit seien für die heimischen Urlauber ein Thema, heißt es von Ruefa – aber nicht so stark wie im Alltag. Während im Alltag 60 Prozent der Befragten angab, auf Nachhaltigkeit zu setzen, sei das beim Buchen einer Reise nur für 45 Prozent von Bedeutung.

Für die Auswahl des Reiseziels sind aber die Kosten wichtiger. Rund jeder Zweite richtete seine Pläne bei seinem letzten Urlaub danach aus. Im näheren Ausland erfreut sich die Bahnreise dennoch größerer Beliebtheit: Zwei Drittel würden dabei eine Anreise mit dem Zug gegenüber dem Flugzeug bevorzugen.