Schauspieler Terry Jones
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1942–2020

Monty-Python-Legende Terry Jones ist tot

Monty-Python-Legende Terry Jones ist tot. Der britische Komiker verstarb am Dienstagabend im Alter von 77 Jahren „mit seiner Frau Anna Söderström an seiner Seite nach einem langen, extrem tapferen, aber immer humorvoll geführten Kampf gegen eine seltene Form der Demenz“, teilte seine Familie am Mittwoch mit.

„Seine Arbeit mit Monty Python, seine Bücher, Filme, Fernsehsendungen, Gedichte und anderen Arbeiten werden für immer weiterleben – das passende Vermächtnis eines echten Universalgelehrten“, sagte seine Familie zudem. Ruhm bekam Jones vor allem durch sein Schaffen als Teil der Comedy-Truppe. Oft verkörperte er dabei die weiblichen Quälgeister der legendären Gruppe.

In den 70er Jahren stellten die Pythons mit ihrem anarchischen Humor die britische Comedy-Szene auf den Kopf, danach gingen sie meist eigene Wege. 2014 standen die Komiker zum letzten Mal zusammen auf der Bühne, allerdings ohne den inzwischen ebenfalls verstorbenen Graham Chapman. 2016 gab der am 1. Februar 1942 in Wales geborene Jones dann bekannt, an einer Form von Demenz zu leiden, die zu fortschreitenden Sprachstörungen führe.

Szene aus dem Film „Das Leben des Brian“
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„Das Leben des Brian“ wurde zum Kassenschlager

Mit „Flying Circus“ zum Durchbruch

Bereits vor rund 60 Jahren fand die Truppe zusammen: An der Universität Oxford lernte Jones den anderen „netten“ Python – Michael Palin – kennen, während das konkurrierende und provokativere Autorenteam Eric Idle, Graham Chapman und John Cleese in Cambridge zueinanderfand; der Amerikaner Terry Gilliam stieß 1969 dazu. Im selben Jahr schaffte die Truppe den Durchbruch mit ihrer Nonsense-BBC-Serie „Monty Python’s Flying Circus“.

Der Sender fand die Serie „fürchterlich geschmacklos“. Dem Internetportal Wales Online sagte Jones später: „Nach jeder Folge von Monty Python’s Flying Circus kauten wir an unseren Nägeln in der Hoffnung, dass es jemand witzig finden würde.“ Noch während der zweiten Serie habe Cleeses Mutter ihm Anzeigen für Jobs als Supermarktmanager geschickt, die sie aus der Lokalzeitung ausgeschnitten hatte.

Schauspieler Michael Palin, John Cleese, Terry Jones, Terry Gilliam und Eric Idle
AP/Peter Kramer
Die Pythons stellten mit ihrem anarchischen Humor die britische Comedy-Szene auf den Kopf

Regisseur, Autor und Darsteller

Jones führte auch Regie bei dem Kassenhit „Das Leben des Brian“ und bei „Der Sinn des Lebens“, für den er 1983 den Großen Preis der Jury von Cannes erhielt, sowie zusammen mit Gilliam bei „Die Ritter der Kokosnuss“. Später schrieb der Mittelalterexperte rund 25 Werke, von Kinderbüchern bis zu historischen Abhandlungen, führte durch mehrere BBC-Serien, schrieb Drehbücher und führte Regie in Filmen wie „Erik der Wikinger“.

Szene aus dem Film „Ritter der Kokusnuss“ mit Terry Jones und Graham Chapman aus dem Jahr 1975
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In „Die Ritter der Kokosnuss“ führte Jones Regie

Krebsdiagnose mit 64

Mit 64 diagnostizierten die Ärzte Darmkrebs, und Jones kommentierte mit charakteristisch trockenem Humor: „Leider ist meine Krankheit nicht annähernd schlecht genug, um viele Zeitungen zu verkaufen, und die Prognose ist noch enttäuschender.“ Chemotherapie und Operation waren erfolgreich. Bei einer Signierstunde verliebte sich Jones dann in die 41 Jahre jüngere schwedische Studentin Söderström. Sie heirateten heimlich 2012, nachdem sich Jones von seiner ersten Frau, einer ehemals erfolgreichen Biochemikerin, nach 42 Jahren Ehe getrennt hatte.

Als Jones Ende 2016 von der britischen Filmakademie in Wales mit dem BAFTA-Cymru-Preis auszeichnet wurde, konnte er nicht mehr sprechen; sein Sohn dankte in kurzen, bewegten Worten, den Tränen nah. Sein langjähriger Freund Palin überreichte die Trophäe und schrieb auf Facebook: „Es war sehr schmerzhaft, den Fortschritt seiner Demenz zu beobachten.“ Dass er gerade an dieser Form leide, die Jones langsam der Sprache beraube, sei „die grausamste Sache, die jemand treffen kann, für den einst Worte, Ideen, Argumente, Witze und Geschichten der Stoff des Lebens waren“.

Cleese und Palin bestürzt

Palin würdigte Jones am Mittwoch als „freundlich, großzügig, hilfsbereit und leidenschaftlich darin, das Leben voll auszukosten“. Er sei nicht nur einer der lustigsten schreibenden Darsteller seiner Generation gewesen, sondern auch Komiker, Schriftsteller, Regisseur, Moderator, Kinderbuchautor – und die beste Gesellschaft, die man sich vorstellen könne.

„Es fühlt sich seltsam an, dass ein Mann so vieler Talente und von solch endlosem Enthusiasmus einfach so leise verschwindet“, schrieb John Cleese, ein weiterer Monty-Python-Veteran, auf Twitter. Das größte Geschenk, das Jones gemacht habe, sei die Regie für „Das Leben des Brian“ gewesen, so Cleese und fügte hinzu: „Perfektion“.

Der britische Schauspieler und Komiker Stephen Fry schrieb auf Twitter: „Lebewohl Terry Jones. (…) Mein Gott, was für Vergnügen du bereitet hast, welch ungezügelte Freude und Heiterkeit. Was für ein wundervolles Talent, Herz und Gemüt.“