EU-Staaten beklagen Situation in Idlib

Mehrere EU-Mitgliedsstaaten haben die Situation in der nordwestsyrischen Region Idlib nach einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrats scharf kritisiert. Man sei wegen des eskalierenden Konflikts „zutiefst alarmiert“, teilten Deutschland, Frankreich, Polen, Estland und Belgien in einer gemeinsamen Erklärung gestern in New York mit.

Zerstörtes Dorf in Idlib
APA/AFP/Omar Haj Kadour

„Dies ist weltweit eine der seit Jahren schlimmsten von Menschen ausgelösten Vertreibungen“, hieß es darin nach einer nicht öffentlichen Sitzung des Rats weiter. Die skandalösen Angriffe auf zivile Ziele in dicht besiedelten Gebieten, darunter medizinische Einrichtungen und Siedlungen für Flüchtlinge, müssten sofort ein Ende haben.

800.000 Menschen zuletzt vertrieben

In der letzten großen syrischen Rebellenhochburg Idlib seien seit Anfang Dezember mehr als 800.000 Menschen aus ihrem Zuhause vertrieben worden, erklärte ein Sprecher des UNO-Nothilfebüros Ocha für Syrien. Kaltes Winterwetter von bis zu minus sieben Grad vergrößere die Not weiter. Lokalen Quellen und Organisationen zufolge seien bereits mehrere Kinder gestorben, sagte Ocha.

Menschen fliehen mit Fahrzeugen aus Idlib
AP

In der Region um Idlib leben nach UNO-Schätzungen rund drei Millionen Zivilisten. Viele sind schon mindestens einmal vor den Regierungstruppen geflohen, weil sie Verfolgung und andere Repressionen befürchten. Dominiert wird das letzte große Gebiet der Rebellen von der Al-Kaida-nahen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS). Die Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad hatten im vergangenen Jahr eine Offensive auf Idlib begonnen. Trotz einer Waffenruhe setzten sie die Angriffe zusammen mit der verbündeten russischen Luftwaffe auch in den vergangenen Wochen fort.