Menschen vor dem Dom in Florenz
AP/Luca Bruno
Coronavirus

Mehrere Tote in Italien

Das öffentliche Leben steht in vielen Gegenden Norditaliens wegen des Coronavirus-Ausbruchs praktisch still. Insgesamt wurden bereits sechs Todesopfer gemeldet, die Zahl der Infektionsfälle stieg laut italienischem Zivilschutz auf 219.

Am Montagnachmittag wurde gemeldet, dass ein 80-Jähriger aus der lombardischen Ortschaft Castiglione d’Adda starb. Der Ort zählt zu den zehn Gemeinden der lombardischen Provinz Lodi, in denen das Coronavirus am Freitag ausgebrochen war. Zuvor wurde auch über den Tod einer weiteren Patientin in der Lombarbei berichtet – die Gesundheitsbehörden gaben aber später bekannt, dass die Frau nicht an den Folgen des Coronavirus verstorben sei.

Am Montagvormittag war bereits der Tod von zwei Männern in der Lombardei gemeldet worden. Dabei handelte es sich um einen 88 Jahren alten Mann, der in Caselle Landi verstorben war, und um einen 84-Jährigen. Dieser kam im Krankenhaus von Bergamo ums Leben.

Leben in Italien steht still

ORF-Korrespondentin Mathilde Schwabeneder berichtet aus Rom über die Auwirkungen der Coronavirus-Verbreitung in Italien.

Zivilschutzchef Angelo Borrelli versicherte, dass Italien trotz der Infektionsfälle ein sicheres Land sei. „Man kann unbesorgt nach Italien reisen“, meinte der Zivilschutzchef. Die meisten Infizierten kamen aus der Lombardei, wo zehn Gemeinden in der Provinz Lodi zu Sperrzonen erklärt wurden. Sie liegen in der Nähe von Mailand, der zweitgrößten Stadt Italiens und dem Finanzzentrum des Landes.

Sicherheitsmaßnahmen auch in Triest

Medien zeigten Fotos von Supermärkten in Mailand mit leer geräumten Regalen und langen Schlangen an den Kassen. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten bleiben zu. Der Mailänder Dom sollte zum Beispiel als Vorsichtsmaßnahme für Touristen bis mindestens Dienstag geschlossen bleiben. In Kirchen in der Lombardei und in Venetien fielen Gottesdienste aus. Auch das Patriarchat von Venedig setzte sämtliche Gottesdienste aus – mehr dazu in religion.ORF.at .

Die Hafenstadt Triest beschloss am Sonntagabend eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen. Öffentliche Verkehrsmittel wurden eigens desinfiziert. Der Ausbruch traf auch die Mailänder Modewelt. Das Modehaus Giorgio Armani habe entschieden, die Büros und die Produktionsstätten an mehreren Standorten sieben Tage zu schließen, berichtete die Nachrichtenagentur ANSA. Die Armani-Show auf der Mailänder Modewoche war ausschließlich online zu sehen. Die Modekammer gab bekannt, dass auch die beiden letzten, für den Montag angesetzten Shows der Fashion Week ausschließlich im Stream zu sehen sein sollen.

Schließungen in Venedig

In Venetien wurde die Gemeinde Vo abgeriegelt. Schulen, Universitäten und Museen bleiben geschlossen. Auch der Karneval von Venedig, der bis Dienstag gehen sollte, wurde vorzeitig beendet. Das Fenice-Theater und die Museen in Venedig sind am Montag geschlossen. Die Markusbasilika wird geschlossen. Trauerzeremonien und geplante Hochzeiten werden nur im engsten Kreise der Familienangehörigen zelebriert.

Die Vaporetti, die Wasserbusse Venedigs, werden einer großen Desinfizierungsaktion unterzogen. Für die Hoteliers in Venedig, die bereits die gravierenden Auswirkungen des Hochwassers im Herbst zu spüren bekommen haben, sind das vorzeitige Ende des Karnevals und die Museumsschließungen eine weitere Hiobsbotschaft.

Neben dem Patriarchat von Venedig setzten auch die Metropolitan-Diözese Mailand und die Diözese Padua ab sofort sämtliche öffentlichen Gottesdienste aus – mehr dazu in religion.ORF.at.

Fußballspiele vor leeren Rängen

Die italienische Fußballliga will Fußballspiele vor leeren Rängen stattfinden lassen. Der Präsident der Serie A, Paolo Dal Pino, bat in einem Brief an die Regierung, die Ligapartien in den vom Coronavirus betroffenen Gebieten nicht auszusetzen, wie die Nachrichtenagentur ANSA am Montag berichtete. Die Partien sollten stattdessen hinter verschlossenen Türen ausgetragen werden dürfen. So könnte der Schlager zwischen Inter Mailand und Juventus Turin am Sonntag als „Geisterspiel“ über die Bühne gehen. Das sei nötig, um den Spielplan bis zum Beginn der Europameisterschaft im Juni einzuhalten, argumentierte die Liga.

Am Wochenende hatte die italienische Fußballliga vier Begegnungen der Serie A abgesagt. Damit folgte sie Vorgaben der italienischen Regierung, die Richtlinien zur Eindämmung des Coronavirus herausgegeben hatte.

Wintersportverband sagte Veranstaltungen ab

Aus demselben Grund entschied der italienische Wintersportverband, alle für diese Woche geplanten Vranstaltungen im ganzen Land zu stoppen. Zuerst galt diese Maßnahme nur für die Regionen Lombardei und Venetien, wurde aber auf alle Gebiete ausgedehnt. Über eine mögliche Absage der Weltcup-Rennen der Ski-Damen in La Thuile muss der Internationale Skiverband (FIS) entscheiden.

La Thuile liegt im Aostatal, das nicht zu den betroffenen Gebieten zählt. Italiens Skiverband steht dazu in Kontakt mit der FIS, wie italienische Medien am Montag berichteten. Auf dem Programm stehen ein Super-G und eine Kombination. Wegen des Coronavirus wurden heuer bereits die im Februar geplanten Herren-Speed-Rennen in Yanqing in China abgesagt und nach Saalbach-Hinterglemm verlegt.

Italien ist heuer nochmals Schauplatz von Skirennen. Das Weltcup-Finale ist von 18. bis 22. März in Cortina d’Ampezzo, dem WM-Schauplatz von 2021, angesetzt. „Bis Mitte März werden wir sehen, wie sich die Situation entwickelt. Ich hoffe, dass sich die Lage bis dahin beruhigt hat“, sagte Giovanni Malago, der Präsident des Italienischen Olympischen Komitees (CONI), zu RAI Sport.

Frankreich gegen Grenzschließung zu Italien

Der französische Verkehrsminister Jean-Baptiste Djebbari sagte BFM Business, eine Schließung der Grenzen zu Italien sei nicht nötig. Ein solcher Schritt wäre nicht sinnvoll, da die Ausbreitung des Virus vor Grenzen nicht haltmache, ergänzte er.

Griechenland traf indes erste Maßnahmen. Unter anderem werden seit Montagfrüh die Besatzungen von Fähren, die zwischen Italien und Griechenland pendeln, informiert, welche vorbeugenden Maßnahmen getroffen werden müssen, damit mögliche Verdachtsfälle rasch isoliert werden. Das berichtete am Montag der griechische Rundfunk. Bereits am Vorabend hatte Athen alle künftigen Schulausflüge nach Italien verboten.