Gelangweilter Mann liegt mit einer Tasse auf der Couch
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Coronavirus

Heimquarantäne als Herausforderung

Das Coronavirus stört vielerorts die normalen Abläufe des öffentlichen Lebens. Auch in Österreich wurden Vorsichtmaßnahmen eingeleitet. Großflächige Absagen von Events oder Sperren öffentlicher Einrichtungen gibt es nicht. Mehrere hundert Österreicherinnen und Österreicher sind aber derzeit in Zwangspause: Sie stehen zu Hause unter Quarantäne – und unterliegen strengen Auflagen.

Berichte über Reisende, die auf Kreuzfahrtschiffen in Asien unter Quarantäne gestellt wurden, gibt es zahlreiche. Aber auch in Österreich und anderen europäischen Ländern befinden sich derzeit Hunderte in Quarantäne.

Die Quarantäne werde „großartig umgesetzt“ von den Betroffenen, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Das sei ein „wesentlicher Beitrag“ der Bevölkerung bei der Vermeidung neuer Ansteckungen. Ein weiterer Beitrag sei, den Gang in die Arztpraxis und ins Spital zu vermeiden, sondern bei Verdacht die Hotline 1450 zu wählen.

Zwei Befunde müssen negativ sein

Ob eine Quarantäne angeordnet werden muss, wird individuell aufgrund des jeweiligen Gesundheitszustands entschieden. Das kann Menschen betreffen, bei denen das neuartige Virus im Labor nachgewiesen wurde oder Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Üblicherweise ist die jeweilige Bezirksverwaltungsbehörde zuständig.

Pressekonferenz zu Coronavirus und Influenza-Saison

Im Rahmen einer Pressekonferenz informierte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) gemeinsam mit der Forscherin Monika Redlberger-Fritz über die aktuelle Lage.

Eine häusliche Quarantäne dauert in der Regel mindestens so lange an, bis zwei negative Befunde im Abstand von 24 Stunden vorliegen. Zudem muss ein ausreichend langer gesunder Zustand vorliegen, wie es auf Anfrage von ORF.at aus dem Gesundheitsministerium heißt.

„Zeitliche und räumliche Trennung“

Die Vorschriften der Quarantäne legt die Bezirksverwaltungsbehörde fest. Vorrangig ist, die sozialen Kontakte maximal zu reduzieren. „Sie dürfen die Wohnung nicht verlassen und keine Besuche (außer zur medizinischen Betreuung) empfangen“, heißt es etwa seitens der Landessanitätsdirektion für Tirol. Ein Zuwiderhandeln kann auch mit einer empfindlichen Geldstrafe geahndet werden.

CoV-Patientinnen und -Patienten sollen sich „möglichst in getrennten gut lüftbaren Räumen“ aufhalten, wenn Sie mit anderen Personen zusammenleben. Bei direktem Kontakt solle eine Mund-Nasen-Schutzmaske getragen werden. Generell soll „im Haushalt nach Möglichkeit eine weitgehende zeitliche und räumliche Trennung der Kontaktperson von anderen Haushaltsmitgliedern“ eingehalten werden.

Das soll etwa möglich sein, wenn man Mahlzeiten nicht gemeinsam, sondern nach einander zu sich nimmt und auf der Couch im Wohnzimmer schläft. Ohne Mundschutz sei ein Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten, Körperkontakte wie Händeschütteln seien zu vermeiden.

Viel Putzen nötig

Häufiges und ausführliches Händewaschen nach Niesen und Husten, vor dem Essen und nach jedem Toilettengang, Desinfektionsmittel, Nies- und Hustenhygiene seien wichtig. Zudem ist Putzen nötig, denn nach derzeitigem Stand wird davon ausgegangen, dass das Virus auf Oberflächen wie Metall, Glas und Plastik bis zu neun Tage überleben kann. „Toilette und sämtliche Handgriffe der Wohnung, Armaturen und benützte Flächen täglich mit handelsüblichen chloridhältigen Reinigern behandeln. Waschen Sie die Wäsche mit 60 Grad im Langwaschgang“, so die Anordnung. Betroffene sollen auch eine Liste anfertigen über Personen, mit denen länger Kontakt bestand.

Personen in Heimquarantäne dürfen den Ort der Quarantäne nicht verlassen, also auch nicht einkaufen gehen. Falls sich darum niemand im Haushalt kümmern könne, sei eine Anfrage an die sozialen Dienste zu richten, so das Gesundheitsministerium.

Zu Hause bleiben bei Kindergartensperre

Wer tatsächlich durch das neuartige Coronavirus erkrankt, bekommt – zumindest in Wien – seine Krankmeldung wie auch Rezepte vom Ärztefunkdienst. Dieser ist rund um die Uhr im Einsatz und nimmt mehr als 100 Proben am Tag. In anderen Bundesländern ist aufgrund des Quarantänebescheids kein Krankenstand erforderlich. Für die Dauer einer Quarantäne haben Unternehmen einen Anspruch auf Verdienstentgang durch den Bund. In der Praxis bedeutet das: Die Arbeitgeber zahlen das Entgelt des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin weiter und können dieses vom Bund zurückfordern.

Grafik zu Coronavirus-Schutzmaßnahmen
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Arbeitnehmer können der Arbeit fernbleiben, wenn beispielsweise Kindergarten oder Schule aufgrund behördlicher Maßnahmen gesperrt sind und solange die Betreuung des Kindes vor allem aufgrund seines Alters notwendig ist. Sie haben laut den Angaben des Ministeriums Anspruch auf eine Entgeltfortzahlung von bis zu einer Woche.

Auch Gassigehen ist zu unterlassen

Von zu Hause aus zu arbeiten ist hingegen nicht ohne Weiteres möglich. Die Anordnung von Telearbeit sei nur dann zulässig, wenn sich im Arbeitsvertrag bereits eine entsprechende Vereinbarung findet. Ebenso könne der Arbeitgeber das anordnen, wenn der Arbeitsvertrag eine entsprechende Klausel enthält. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, muss die Telearbeit mit dem Arbeitnehmer vereinbart werden.

Auch mit dem Hund Gassi zu gehen, wird unter Quarantäne zum Problem, denn man darf eben das Haus nicht verlassen. Einzige Ausnahme: Hat die in Heimquarantäne befindliche Person ein eigenes Haus, dann darf sie sich auf ihrem Grundstück bewegen. Soziale Kontakte dürfen aber auch in diesem Fall nicht wahrgenommen werden. Das Ministerium empfiehlt in solchen Fällen auf die externe Betreuung von Hunden (Hundepension, Hundesitter) zurückzugreifen.

Isolation „im eigenen Interesse“

Die allfällige Kontrolle, ob die Quarantäne mit allen Auflagen auch eingehalten wird, fällt in die Verantwortung der anordnenden Behörde, wie es aus dem Gesundheitsministerium heißt. Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant beim Roten Kreuz, sagte am Mittwoch im Ö1-Radio, dass das Zuwiderhandeln eine Verwaltungsübertretung wäre.

Die Patientinnen und Patienten hielten sich aber „auch aus eigenem Interesse“ an die Quarantäne, so Foitik, der auch Berater in der Taskforce des Gesundheitsministeriums ist. „Darüber hinaus müssen diese Menschen sich auch täglich mit den Amtsärztinnen und Amtsärzten der Gesundheitsbehörden in Kontakt setzen, um auch den eigenen Gesundheitszustand zu berichten, müssen Tagebuch führen. Also derzeit vertraut man darauf, dass die Menschen sozusagen das auch machen, was ihnen angeschafft wird, und ich gehe davon aus, dass das auch geschieht“ – Audio dazu in oe1.ORF.at.

Foitik sprach sich auch für die Isolation von Erkrankten zu Hause aus: „Derzeit ist es so, dass dieses Virus sich nicht sozusagen in der allgemeinen Bevölkerung verbreitet, sondern dass das Virus weitergegeben wird von jenen, die infiziert sind, an Kontaktpersonen.“ Diese Kontakte könne man durch Heimquarantäne reduzieren. „Das ist ein österreichischer Weg“, sagte Anschober zu Ö1. So spare er Ressourcen in den Spitälern, „und die Ressourcen werden wir noch brauchen“.