Österreichs erster EU-Botschafter Manfred Scheich ist tot

Der erste Botschafter Österreichs bei der Europäischen Union, Manfred Scheich, ist tot. Wie gestern bekanntwurde, ist er bereits am 6. März 86-jährig in Wien verstorben. Scheich habe als Chefverhandler „wesentlich“ zu Österreichs EU-Beitritt beigetragen, sagte ÖVP-Außenminister Alexander Schallenberg gegenüber der APA. Ex-EU-Kommissar Franz Fischler bezeichnete ihn gar als „Hebamme“ des EU-Beitritts.

Scheich sei allseits hochgeachtet und geschätzt gewesen und habe „den Beruf des Diplomaten mit außerordentlicher Passion ausgeübt“, so Schallenberg. „Dabei hat er sich als Europäer verstanden und sich stets für die Stärkung des europäischen Gedankens eingesetzt.“ In Erinnerung bleiben werde „insbesondere sein Engagement im Rahmen der Beitrittsverhandlungen Österreichs mit der Europäischen Union“.

Von 1978 bis 1983 leitete Scheich die Sektion für europäische Integration im Außenministerium und war danach bis 1986 der österreichische Botschafter bei den Europäischen Gemeinschaften in Brüssel. Bis 1992 war er dann Sektionschef für Integrations- und Wirtschaftspolitik im Außenministerium. Dabei hatte er als Chef einer interministeriellen Kommission auch die heikle Aufgabe, die Vereinbarkeit der EU-Mitgliedschaft mit der Neutralität zu prüfen. Das positive Votum der „Scheich-Kommission“ führte laut Fischler dazu, dass Österreich im Jahr 1989 den Beitrittsantrag in Brüssel stellte.

Scheich war danach Chefverhandler in den Beitrittsgesprächen der Jahre 1993 und 1994 und zählte im Juni 1994 auch zu den vier Unterzeichnern des österreichischen Beitrittsvertrags auf der griechischen Insel Korfu – neben Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ), Außenminister Alois Mock (ÖVP) und dem Spitzenbeamten Ulrich Stacher. Von 1995 bis 1999 war Scheich erster Leiter der Ständigen Vertretung Österreichs in Brüssel.