Italiens Premierminister Giuseppe Conte
Reuters/Remo Casilli
Fast 5.000 Tote

Italien verschärft CoV-Maßnahmen erneut

Angesichts der immer weiter steigenden Totenzahlen im Zuge der Coronavirus-Pandemie hat Italien die Maßnahmen im Kampf gegen die Krise neuerlich verschärft. Die gesamte nicht lebensnotwendige Produktion werde geschlossen, verkündete Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstagabend. „Es ist die schwerste Krise für das Land seit dem Zweiten Weltkrieg“, so Conte.

Nun werde jede produktive Tätigkeit eingestellt, „die nicht entscheidend und unerlässlich dafür ist, uns essenzielle Güter und Dienstleistungen zu garantieren“. Davon seien Supermärkte, Banken, Post und Apotheken ausgenommen, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstagabend. Diese drastische Maßnahme in der drittgrößten Volkswirtschaft in der Euro-Zone soll zunächst bis 3. April gelten.

Die von Conte angekündigte Einstellung nicht lebenswichtiger Produktion sei „ein notwendiges Opfer“ im Kampf gegen die Epidemie und zur Rettung von Menschenleben, schrieb der italienische Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri auf Facebook. „Wir werden Arbeitnehmer und Unternehmer unterstützen, damit die Wirtschaft neu starten kann. Zusammen werden wir es schaffen“, versicherte Gualtieri.

Fast 800 Tote an nur einem Tag

Das Land hatte am Samstag an nur einem Tag fast 800 Tote vermeldet und damit so viele wie nie seit dem Ausbruch des Virus im Land. Bisher starben 4.825 Menschen, teilte der Zivilschutz in Rom mit. Das waren 793 mehr als am Vortag. Besonders stark betroffen ist die nördliche Region Lombardei, wo das Virus Ende Februar ausgebrochen war und die Krankenhäuser mittlerweile vor dem Kollaps stehen. Die wirtschaftlichen Schäden für das hoch verschuldete Land sind jetzt schon unermesslich.

Särge werden aus einem Militärtransporter geladen
AP/LaPresse/Massimo Paolone
Die Zahl der Todesopfer war in Italien binnen 24 Stunden um fast 800 in die Höhe geschnellt

Regionalpolitiker fordern weitere Maßnahmen

Italien ist das Land mit den meisten offiziell gemeldeten Toten wegen des Coronavirus auf der Welt. Die Regierung hatte daher erst am Freitag die Ausgangssperren verschärft, die seit dem 10. März landesweit gelten. Allerdings forderten Regionalpolitiker im Norden weitere Maßnahmen, auch weil sich einige Menschen immer noch nicht an die Auflagen halten.

In der Lombardei war der Ausbruch vor einem Monat bemerkt worden. Bisher waren zum Beispiel viele Fabriken und Büros noch geöffnet, in die die Menschen zur Arbeit gingen. Wenn es möglich ist, arbeiteten allerdings schon viele im Homeoffice. Auch waren bisher noch Trafiken geöffnet. Die Zahl der Toten ist in Italien im Vergleich zu den offiziell gemeldeten Infizierten auffällig hoch. Diese stieg auf 53.578 Menschen, das waren wieder Tausende mehr als am Vortag.

Ursache für hohe Sterberate unklar

Unklar ist die genaue Ursache für die hohe Sterberate. Es könnte mehrere Gründe geben: Italien hat eine der ältesten Bevölkerungen weltweit – und die meisten Toten waren ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Viele Großeltern wohnen in Italien mit ihren Kindern und Enkeln im Haus oder sind mehr in das tägliche Leben eingebunden. Daher sind Ansteckungen einfacher.

Auch gehen Fachleute davon aus, dass die Dunkelziffer bei den Infizierten wesentlich höher ist als angegeben, viele mild oder symptomlos verlaufende Fälle werden nicht erfasst. Daher ergibt sich eine höhere Sterberate.

ORF-Korrespondentin Wagner zur Lage in Italien

ORF-Korrespondentin Katharina Wagner berichtet aus Rom über die verschärften Maßnahmen gegen das Coronavirus und die steigende Zahl der Todesopfer.

Zivilschutzchef Angelo Borrelli betonte in Rom, dass bei den Verstorbenen die Todesursache nicht abschließend geklärt sei: ob die Menschen an Covid-19 starben oder ob der Grund eine andere Krankheit war. Die allermeisten Opfer sind über 70 Jahre alt, viele litten an einer oder mehreren Krankheiten, zum Beispiel an Diabetes, Krebs oder Atemwegsproblemen. Allerdings warnen Experten auch, dass die Krankheit bei jüngeren Menschen einen schweren Verlauf nehmen kann.

Roms Bürgermeisterin nach Parkvideo in Kritik

Roms Stadtoberhaupt Virginia Raggi fing sich indes mit einem Videoaufruf viel Kritik ein. In diesem appellierte sie vor dem Wochenende an die Römer, im Zuge der Coronavirus-Pandemie auf jeden Fall in den eigenen vier Wänden zu bleiben und nicht ins Grüne zu gehen. Jedoch steht sie auf dem Video selbst in einem grün blühenden Park. „Es gibt Leute, die noch rausgehen, als sei nichts gewesen. So geht es nicht“, sagte sie dabei mit ernster Miene.

Bei den Einwohnern kam das weniger gut an. „Genial. Man stellt sich in den Park und sagt den Menschen, dass sie zu Hause bleiben sollen“, hieß es in den Kommentaren auf Raggis Twitter-Account. Oder: „Können wir jetzt alle in den Park gehen und Videos machen, um den Leuten zu sagen, sie sollen daheim bleiben?“