Polnischer Komponist Krzysztof Penderecki
Reuters/Finbarr O’Reilly
1933–2020

Penderecki ist tot

Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki ist tot. Der 86-Jährige war einer der wenigen Avantgardekomponisten, denen auch in der breiten Öffentlichkeit Erfolge gelangen.

Penderecki starb am Sonntag im Alter von 86 Jahren in Krakow (Krakau), wie die Agentur PAP unter Berufung auf seine Ehefrau berichtete. Anders als viele andere Komponistinnen und Komponisten wurde Pendereckis Musik breit rezipiert und feierte Erfolge auch beim konservativeren Publikum.

Nicht zuletzt verbreitete sich seine Musik aber über Filme. Seine ausdrucksstarke Musik wurde in zahlreichen Filmen eingesetzt, darunter in den Horrorfilmen „Der Exorzist“ (1973), „Shining“ (1980), „Fearless – Jenseits der Angst“ (1993), aber etwa auch in „Das Massaker von Katyn“ (2007) und „Shutter Island“ (2010). Er verfasste auch selbst Filmmusik, etwa für „Die Handschrift von Saragossa“ (1965).

Traditionelle Wende

Penderecki ging als Musikschaffender dabei immer wieder eigene Wege. Nicht zuletzt deshalb gehörte der Pole zu den erfolgreichsten Komponisten der Gegenwart. Zu seinem 85. Geburtstag im November des Vorjahres wurde Penderecki in seiner Heimat groß gefeiert. Von Weggefährten der Avantgarde war Penderecki deshalb aber auch kritisch gesehen worden. Der Komponist Helmut Lachenmann nannte Penderecki wegen seiner Hinwendung zur Tradition einmal „Penderadetzky“.

Komponist Krzysztof Penderecki gestorben

Krzysztof Penderecki war einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten und einer der größten polnischen Musiker. Sein breites Oeuvre war von den großen geschichtlichen und politischen Fragen der Zeit geprägt.

Geboren wurde Penderecki am 23. November 1933 im polnischen Debica in eine Familie, die auch deutsche und armenische Wurzeln besaß. Nach Geigen- und Klavierunterricht ab der frühen Kindheit wechselte Penderecki mit 18 Jahren ans Konservatorium Krakau. In der alten Königsstadt folgten ab 1954 weitere Studien, bevor er 1958 als Professor an die Krakauer Staatsakademie für Musik berufen wurde.

Hinweis

Ö1 sendet am Montag um 23.03 Uhr: „Neue Klänge – gesucht und gefunden. In memoriam Krzysztof Penderecki“ – mehr dazu in oe1.ORF.at.

Durchbruch bei Wettbewerb 1959

Der nationale Durchbruch als Komponist gelang ihm 1959, als er beim II. Warschauer Wettbewerb Junger Polnischer Komponisten unter drei verschiedenen Namen einreichte und alle drei zu vergebenden Preise gewann. Auch die internationale Aufmerksamkeit der Fachwelt war Penderecki bald sicher, als er etwa 1960 bei den Donaueschinger Musiktagen mit seiner „Anaklasis für 42 Streichinstrumente“ für Aufsehen sorgte.

Einem breiteren Auditorium wurde der junge Komponist 1966 bekannt, als er im Münsteraner Dom seine Lukas-Passion aufführte, die zugleich den ersten Schritt in Richtung einer Abkehr von den Dogmen der damaligen Avantgarde darstellte. Es folgte die Berufung an die Essener Folkwang-Schule von 1966 bis 1968, bevor Penderecki 1972 Rektor der Musikhochschule in Krakau wurde, um bereits im Jahr darauf an die US-Eliteuniversität Yale zu wechseln, wo er bis 1978 verblieb, bevor er nach Polen zurückkehrte.

Zeitgeschichtliche Themen verarbeitet

Pendereckis Oeuvre war dabei stets von den großen geschichtlichen und politischen Fragen der Zeit geprägt. So ist etwa sein „Threnos für 52 Streichinstrumente“ aus 1960 den Hiroshima-Opfern gewidmet, während sich das Klavierkonzert „Resurrection“ auf die Anschläge vom 11. September 2001 bezieht.

Höhepunkt dieser historischen Zueignungen stellte fraglos sein „Polnisches Requiem“ dar, dessen Sätze etwa Lech Walesa, den polnischen Auschwitz-Opfern, dem Warschauer Aufstand von 1944 und Papst Johannes Paul II. gewidmet sind.

Von Sinfonien bis Opern

Dabei hat sich der Komponist in allen gängigen Gattungen versucht. Acht Sinfonien finden sich im Werkkorpus, darunter als siebente „Seven Gates of Jerusalem“ anlässlich der 3.000-Jahr-Feier Jerusalems. Für Mstislaw Rostropowitsch schrieb Penderecki sein „Concerto per Violoncello ed orchestra no. 2“.

Auch Opern komponierte er. Sein erstes Bühnenwerk „Die Teufel von Loudon“ nach Aldous Huxley kam 1969 an der Hamburgischen Staatsoper zur Uraufführung. Es folgten „Paradise Lost“ (1978), „Die schwarze Maske“ (1986) und „Ubu Rex“ (1991) nach Alfred Jarry. Die eigentlich für kommendes Jahr an der Wiener Staatsoper geplante Uraufführung seiner „Phädra“ nach Jean Baptiste Racine zerschlug sich allerdings.

Zahlreiche Ehrungen

Beinahe so mannigfaltig wie sein Werk sind denn auch die Ehrungen des Komponisten im Laufe seines Lebens. Diese reichen vom Prix Italia (1967) über den Prix Arthur Honegger (1977), vom Preis des Internationalen Musikrates der UNESCO (1993) über den Praemium Imperiale (2004) bis zum Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2003).

Auf diesen Lorbeeren ruhte sich Penderecki allerdings nicht aus, der sich in den letzten Jahren vor allem auf seinem Sommersitz im südpolnischen Luslawice aufhielt. Letzterem gegenüber wurde 2013 das Krzysztof Penderecki European Center of Music mit zwei Konzertsälen, Bibliothek, Archiv, Proberäumen und 63 Zimmern eröffnet. Die Anlage steht renommierten Künstlern für Konzerte ebenso offen wie der jungen Generation für Workshops und Wettbewerbe.