Frau mit Schutzmaske beim Einkauf in einem Supermarkt
picturedesk.com/EXPA/Erwin Scheriau
„Solidaritätsakt“

Handelsketten beschränken Non-Food-Verkauf

Nach Unstimmigkeiten innerhalb des Handels haben die großen Lebensmittelhandelsketten REWE, Spar, Hofer, Lidl und Metro nun bekanntgegeben, dass sie ab Karsamstag den Verkauf ihres Non-Food-Sortimentes einschränken. Die Regierung hatte zuvor eine schrittweise Lockerung der wirtschaftlichen Maßnahmen angedeutet – beginnend mit dem Handel.

Weiterhin verkauft werden dürfen den Handelsketten zufolge Spielsachen. Auf der Streichliste stehen dafür Fernseher, Computer, große Haushaltsgeräte, Fahrräder, Möbel, Heimwerkergroßgeräte, Gartenmöbel, Sport- und Babybekleidung, Poolzubehör und Fitnessgroßgeräte, hieß es etwa.

Die beteiligten Händler sprechen von einem „Solidaritätsakt“. „Wir wollen mit diesem Akt der Solidarität zum Ausdruck bringen, dass wir keinesfalls die Notlage von vielen Non-Food-Geschäften, die derzeit nicht geöffnet sein dürfen, ausnutzen, und schränken daher von uns aus große Teile des Non-Food-Sortiments im Direktverkauf ein“, so REWE, Spar, Hofer, Lidl und Metro in einem gemeinsamen Statement, das über eine Wiener PR-Agentur verbreitet wurde.

Frau mit Schutzmaske beim Einkauf in einem Supermarkt
APA/Helmut Fohringer
Die beteiligten Händler sprechen von einem „Solidaritätsakt“

Lidl fuhr Angebot und Werbung zurück

Der Diskonter Lidl zeigte sich kurz darauf in einem Mail überrascht. In dem Schreiben von Lidl heißt es: „Lidl Österreich hat aus Solidarität mit den geschlossenen Geschäften die Sortimentsbreite im Non-Food, die Mengen der in den Verkauf gebrachten Non-Food-Artikel und die Bewerbung dafür bereits seit Wochen eingeschränkt! Anders lautende Informationen sind nicht richtig.“ Und: „Die nun getroffene Kompromisslösung, die für uns eine weitere Reduktion des Sortiments bedeutet, trägt Lidl Österreich mit.“

Spar legte sich zuletzt quer

Dem Vernehmen nach soll sich Spar anfänglich gegen die Einigung quergelegt haben. Noch am Vormittag hatte sich Spar in einer Presseaussendung gegen Einschränkungen beim Non-Food-Verkauf ausgesprochen.

In dieser Spar-Aussendung hieß es dazu: „Die aktuelle, von Non-Food-Händlern angestoßene Diskussion rund um das Thema Verkauf von Non-Food-Produkten im Lebensmittelhandel hält Spar für zu kurz gedacht, ja sogar für gefährlich. Dürfte der Lebensmittelhandel nun auch das bei ihm übliche Non Food-Sortiment nicht mehr verkaufen, hätte das massive negative Folgen. So würden beispielsweise noch viele weitere heimische Arbeitsplätze verloren gehen, vor allem auch bei den österreichischen Vorlieferanten.“

Die heimischen Fachhändler – von Spielwaren- bis Blumenhändler – kritisierten zuletzt, dass in Supermärkten auch Non-Food-Artikel angeboten werden, während ihre eigenen Geschäfte geschlossen bleiben. Zudem gab es erste Klagen von Händlern, die ihre Waren nicht verkaufen dürfen, während andere Produkte verkaufen, die nicht zur Grundversorgung zählen. Auch die Wirtschaftsbünde in mehreren Bundesländern übten Kritik.

Appell von Wirtschaftsministerium

Das Wirtschaftsministerium reagierte daraufhin mit einem Appell: „Wir appellieren an die Solidarität aller, in den kommenden Wochen nur jene Produkte zu kaufen, die für den täglichen Gebrauch unbedingt benötigt werden.“ Laut einer Schätzung von RegioPlan vom vergangenen Freitag sind 73 Prozent der Geschäftsflächen in Österreich derzeit ungenutzt: Die Summen, die dem Einzelhandel durch die Schließungen entgehen, seien enorm.

Erste Pläne für „langsames Hochfahren“

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) hatte zuvor in einer Pressekonferenz eine Lockerung der wirtschaftlichen Einschränkungen angekündigt. Man werde die Fahrpläne für das „langsame Hochfahren“ ab nächster Woche vorstellen, sagte Kogler. Seit 16. März sind die meisten Geschäfte und Lokale wegen der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie geschlossen.

Wichtig sei es Kogler zufolge, dass man schrittweise vorgehe – eine Öffnung sei dort früher möglich, wo auch das Ansteckungsrisiko minimiert sei. „Das wird mit Sicherheit die Handelsgeschäfte früher betreffen als Sporveranstaltungen“, so der Vizekanzler. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erklärte zudem im Nationalrat, dass man sich mit den Experten am Sonntag die Zahlen ansehen werde. Würden diese es hergeben, werde man am Montag bekanntgeben, wo eine Wiederaufnahme des Betriebs machbar ist.

Kurz nennt Begleitmaßnahmen

Einmal mehr klar gestellt wurde von Kurz, dass man mit dem Handel beginnen werde. Aber auch hier werde es Begleitmaßnahmen geben müssen, etwa über einen Kulturwandel mit Abstandhalten und dem Anlegen von Masken. Für später will der VP-Chef auch vermehrt auf Tests setzen, mit denen man „Glutnester“ löschen könne, damit nicht wieder ein Flächenbrand entstehe.

Der Kanzler versicherte, dass die Regierung alles Menschenmögliche tun werde, damit Österreich rasch wieder aus der Krise herauskommen – das aber nicht um den Preis von Krankheit, Leid und Tod. Kogler ergänzte: „Würden wir alles mir nix, dir nix aufmachen, würde alles wieder von vorne beginnen.“ Der Grünen-Chef erinnerte daran, dass es für solch einen Fall Szenarios mit mehr als 100.000 Toten in Österreich gebe.

Für Kogler wäre es jetzt auch nicht seriös zu sagen, wann bestimmte Lebensbereiche wieder in den alten Stand zurückversetzt werden können, etwa bezüglich der Abhaltung von Großveranstaltungen. Gleichzeitig versicherte der Vizekanzler, dass die Regierung schon an den nächsten Paketen arbeite. Profitieren sollten da alle möglichen von Kultur- bis Sportvereinen.

Betretungsverbot wird am Sonntag evaluiert

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) gab überdies bekannt, dass das Betretungsverbot für weite Teile des Handels zur Eindämmung des Coronavirus diesen Sonntag mit Experten evaluiert werden soll. Für Montag sei dann geplant, die Entscheidung zu verkünden, so die Ministerin in einer Videokonferenz.