Prebersee in Salzburg
ORF/Georg Hummer
Unklare Aussichten

Empfehlung für Urlaub in Österreich

Die Empfehlung für den Sommer lautet: Urlaub in Österreich. Niemand wisse, wann die Reisebeschränkungen wegen des Coronavirus aufgehoben würden, hieß es am Mittwoch von Außenminister Alexander Schallenberg und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Fest steht, im Mai soll es im heimischen Tourismus langsam wieder losgehen, allerdings ist noch unklar, mit welchen Sicherheitsauflagen in Hotel, Gasthaus und Schwimmbad. Ziemlich fix: Die Schutzmaske als ständige Begleiterin.

Nach einer gemeinsamen Pressekonferenz von Köstinger und Schallenberg am Mittwoch ist nun klar, dass ab etwa Mitte Mai nach dem Handel auch Tourismus und Freizeitwirtschaft schrittweise wieder „hochgefahren“ werden sollen. Klar ist auch, dass es noch dauern dürfte, bis Österreicherinnen und Österreicher wieder im Ausland Urlaub machen und umgekehrt ausländische Gäste einreisen können.

Die Empfehlung Köstingers lautete daher: im Land bleiben, und das aus zwei Gründen: Es stehe fest, dass sich Österreich, Europa und die Welt auf „massive Einschränkungen der Reisefreiheit einstellen“ müssten. „Niemand kann sagen, wie sich die Situation in Europa und der Welt weiterentwickeln wird.“ Außerdem brauche die Tourismuswirtschaft Unterstützung und Solidarität, nachdem Urlauber aus dem Ausland ausbleiben und die Branche von der aktuellen Krise schon jetzt enorm getroffen wird.

Schutzmaske als ständige Begleiterin

Wie allerdings der Urlaub und der Besuch im Strandbad, sofern tatsächlich offen, in diesem Sommer im Detail aussehen könnten, blieb auch nach Pressekonferenz unklar. Bis Ende April solle evaluiert und ausgearbeitet werden, so Köstinger. „Das betrifft vor allem Gastronomie und Restaurants – bis hin zu großen Ferienbetrieben. Es wird aber neue Verhaltensregeln in sich bergen müssen, bis wir einen Impfstoff zur Verfügung haben, mit dem wir das Virus bekämpfen können.“ Es sei klar, dass ein Selbstversorgerquartier nicht dasselbe sei wie ein Frühstücksraum in einem großen Hotel. Das dürfte heißen: Abstand und Mund-Nasen-Schutz (MNS), der, so Köstinger, ohnedies schon „im Alltag angekommen“ sei.

Pressekonferenz zum Thema Reisefreiheit

ÖVP-Außenminister Alexander Schallenberg und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) sprachen über das Thema Reisefreiheit. Ein rasches Zurück zum Stand vor der Coronavirus-Krise wird es nicht geben.

„Vollbremsung“ für die ganze Branche

Köstinger sprach einleitend von einer für die Tourismuswirtschaft noch nie da gewesenen Situation, einer „Vollbremsung“, erinnerte an die Wertschöpfung von 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und daran, dass es im Februar noch 20 Mio. Nächtigungen in Österreich gegeben habe – die gegenwärtige Situation sei vor ein paar Wochen schlicht undenkbar gewesen.

Menschen auf Aussichtsplattform
ORF.at/Christian Öser
Ein Großteil der Nächtigungen geht auf das Konto von Gästen aus dem Ausland – sie fallen derzeit komplett aus

Die Tourismusministerin verwies auch auf die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung für Hotellerie, Gastronomie und Freizeitwirtschaft, von Kreditgarantien bis zum Härtefallfonds. Die Ministerin betonte auch, dass der Tourismus vor allem in ländlichen Regionen strukturpolitisch wichtig sei. Steht er still, trifft das die ganze regionale Wirtschaft rundherum.

Nicht alle Länder „im Gleichschritt“

Schallenberg machte, was ein rasches Zurück zur gewohnten Reisefreiheit, wie er das schon am Wochenende getan hatte, eher wenig Hoffnung. Österreich sei bei der Eindämmung der Pandemie auf einem guten Weg, es seien aber nicht alle Länder „im Gleichschritt“ unterwegs, andere gingen erst in Richtung „Lock-down“ und würden noch länger brauchen, um mit der Krise fertigzuwerden. Schallenberg erinnerte daran, dass gerade erst am Wochenende eine Reisewarnung für New York ausgesprochen wurde, am Mittwoch gleich für mehrere Länder, darunter Belgien und Portugal. Für 24 Länder gelte die höchste Reisewarnung.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger und Außenminister Alexander Schallenberg
APA/Helmut Fohringer
Köstinger und Schallenberg einig: Ein schnelles Zurück zum Gewohnten wird es nicht geben

Global befinde man sich derzeit noch „voll“ in der Krise, sagte Schallenberg. Man könne die volle Reisefreiheit nicht herstellen, solange das Coronavirus nicht „global besiegt“ sei. Er sei sich bewusst, dass das sehr hart sei, es gehe schließlich nicht nur um Urlaube, sondern etwa auch darum, dass Menschen ihre Angehörigen nicht sehen könnten.

Steg am Traunsee
ORF.at/Kaja Stepien

Aber: „Wir müssen hier Hausverstand walten lassen“, so der Minister. Zu früh zum gewohnten Status quo zurückzukehren würde bedeuten, dass man, was man schon erreicht habe, aufs Spiel setze und eine zweite Infektionswelle riskiere. „Bitte, halten Sie durch, auch in puncto Reisefreiheit.“

Mehr als 7.000 Personen aus dem Ausland zurückgeholt

Eingangs hatte Schallenberg eine Zwischenbilanz der Rückholungen aus dem Ausland gezogen und aktuelle Zahlen auch zu Österreicherinnen und Österreichern im Ausland geliefert. Laut seinen Worten wurden mit 37 Flügen bisher 7.100 Personen aus 27 Ländern nach Österreich zurückgebracht. Derzeit befänden sich noch an die 3.500 aus beruflichen oder privaten Gründen im Ausland, von denen rund 1.000 zurückwollten, „über den ganzen Globus verstreut“.

Dabei handle es sich aber vorwiegend um Kleingruppen und Einzelpersonen, sagte Schallenberg, die großen Rückholaktionen seien beendet. Auch Einzelpersonen würden, speziell auch, wenn sie nicht mehr ausreisen konnten oder können, von den diplomatischen Vertretungen in allen möglichen Belangen an Ort und Stelle unterstützt.

Grafik zeigt Covid-19-Entwicklung in Österreich
Grafik: ORF.at; Quelle: Sozialministerium
Noch ist nicht klar, wie die Rahmenbedingungen für den Neustart im Mai aussehen werden

Die „Reisefreiheit, wie wir sie gekannt haben“

Schallenberg hatte sich schon zuletzt ähnlich wie vor ihm Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gegen eine „verfrühte“ Rückkehr zum Gewohnten ausgesprochen. „Selbst wenn wir des Coronavirus in Österreich Herr geworden sind, werden wir nicht unmittelbar zu uneingeschränkter Reisefreiheit zurückkehren können.“ Es sei davon auszugehen, „dass einige Länder noch länger brauchen werden, um das Virus unter Kontrolle zu bekommen, und daher weiterhin als Risikogebiete gelten werden“, hatte der Außenminister am Sonntag gesagt.

Kurz hatte zuvor gleich gar keine verfrühte Hoffnung aufkommen lassen. „Solange es keine Impfung oder keine wirksamen Medikamente gibt, wird uns diese Krankheit begleiten. So lange wird es auch die uneingeschränkte Reisefreiheit, wie wir sie gekannt haben, nicht geben", hatte der Bundeskanzler etwa der „Kleinen Zeitung“ und den „Salzburger Nachrichten“ („SN“) gesagt und damit für ziemliche Wellen gesorgt.

Tourismus wird noch lange mit Krisenfolgen kämpfen

Berechtigte Sorgen macht das Thema natürlich der Tourismuswirtschaft, die stark unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie leidet. Auch wenn die Gastronomie wie zu Wochenbeginn im „Fahrplan“ der Bundesregierung angekündigt in ein paar Wochen wieder schrittweise öffnen darf, ist der wirtschaftliche Schaden enorm.

Dieser werde die Branche auf Jahre beschäftigten, sagte zuletzt Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer (WKÖ). „Selbst wenn der Tourismus wieder anzieht, wird es vier bis fünf Jahre dauern, bis wir wirtschaftlich wieder dort anschließen können, wo wir vor Corona waren. Uns bleibt nur zu hoffen, dass nach Ausgangssperren und der Einschränkung der Reisefreiheit das Bedürfnis nach Urlaub wieder groß sein wird.“

Ausschlaggebend sei, wann und unter welchen Voraussetzungen der Tourismus wieder hochgefahren werden könne, betonte Nocker-Schwarzenbacher am Mittwoch. „Trotz erster positiver Trends und Prognosen kann das heute niemand sagen.“

„Man sieht schon, das geht sich nicht aus“

„Das hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben“, kommentierte der Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Martin Stanits, am Mittwoch gegenüber der APA die aktuelle Krise der Tourismusbranche.

In den Sommermonaten 2019 wurden 70 Prozent der insgesamt 79 Mio. Nächtigungen in heimischen Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen von Touristen aus dem Ausland gebucht. Dass heuer Urlaub in Österreich vieles retten kann, gilt als unwahrscheinlich. „Man sieht schon, das geht sich nicht aus“, sagte die Chefin Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba.