Viele venezolanische Flüchtlinge kehren zurück

Etliche Venezolanerinnen und Venezolaner, die vor der Wirtschaftskrise ihres Landes ins Ausland geflüchtet waren, kehren angesichts der Coronavirus-Krise in ihre Heimat zurück. „Viele haben in den vergangenen Tagen und Wochen entschieden zurückzugehen und ich denke, mehr werden folgen“, sagt Dominika Arseniuk, Länder-Direktorin des Norwegian Refugee Council in Kolumbien, der dpa.

Die Rückkehrerinnen und Rückkehrer kommen aus Ecuador, Peru oder Panama, vor allem aber aus Kolumbien, das offiziell 1,8 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen hat. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung des Coronavirus haben das Leben der venezolanischen Flüchtlinge in Kolumbien und anderen Ländern Südamerikas noch schwieriger gemacht. Viele besitzen keine Papiere und haben als erste ihre Jobs als Tagelöhner verloren. Aus Geldmangel werden sie schnell obdachlos. „Sie erzählen uns, in Venezuela hätten sie jedenfalls keine Miete zu zahlen“, sagt Arseniuk.

Tiefe Wirtschaftskrise

Das einst reiche Venezuela steckt in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Das Land mit den größten bekannten Erdölreserven der Welt gilt zugleich als einer der korruptesten Staaten weltweit. Viele Militärs sowie Politiker und Politikerinnen sollen in kriminelle Geschäfte wie illegalen Bergbau und Drogenhandel verwickelt sein.

Das Gesundheitssystem liegt komplett am Boden: Es gibt kaum Medikamente und Material, zahlreiche Ärztinnen und Ärzte haben das Land bereits verlassen, immer wieder fällt der Strom aus. Selbst Wasser und Seife sind bisweilen knapp. Auch andere Dinge des täglichen Bedarfs sind kaum noch zu bekommen.

Zudem tobt seit mehr als einem Jahr ein Machtkampf zwischen dem selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaido und dem autoritär regierenden sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro. Letzterer sitzt jedoch fest im Sattel, auch weil er das Militär auf seiner Seite und die Polizei im Griff hat.