Forscher beklagen weiter fehlenden Zugang zu CoV-Daten

Forscherinnen und Forscher haben schon Anfang April vor den fehlenden Zugängen zu Daten rund um die Coronavirus-Krise in einem offenen Brief an Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) gewarnt. Seither habe sich leider kaum etwas verändert, bemängeln die Expertinnen und Experten nun. „Diese ‚Message-Control‘ nervt“, sagte der Grazer Public-Health-Experte Martin Sprenger.

In Österreich sind viele Daten, die nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehr Licht in den bisherigen Verlauf und Prognosen über weitere Entwicklungen zuließen, der Forschung nicht zugänglich. Zur Beantwortung wesentlicher Fragen fehle das Datenmaterial. Anschober ließ daraufhin durchblicken, dass man an einem besseren Datenzugang arbeite.

Seither habe sich jedoch „fast nichts“ getan, sagte Sprenger, der bis vor wenigen Wochen Mitglied der Coronavirus-Taskforce im Gesundheitsministerium war. Es gehe jetzt vor allem darum, wissenschaftliche Erkenntnisse zu sammeln, die dabei helfen, angesichts einer etwaigen zweiten Welle im Herbst oder Winter „professionell zu reagieren und die Kollateralschäden in der Wirtschaft und der gesundheitlichen Regelversorgung“ möglichst gering zu halten.

„Viele Datensätze existieren gar nicht“

In Österreich würden leider „viele Datensätze und Kanäle“ nicht nur zur Krise „gar nicht existieren“, sagte Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS). So habe der Forscher beispielsweise für eine Zusammenarbeit mit spanischen und italienischen Kollegen Krankenhausdaten benötigt. „Die jeweiligen Kollegen konnten auf eine Website gehen und sich die Daten einfach runterladen. Wir benötigen dazu eine Datenanfrage an das Bundesministerium“, so Czypionka.

Während man vielerorts durchaus froh sei, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten auswerten und Erkenntnisse mitteilen, würden in Österreich oft Bedenken im Hinblick auf die Wirkung von Ergebnissen vorherrschen, so der Gesundheitsökonom, der einer der Mitinitiatoren des offenen Briefes ist.