72 Verdächtige in deutschem Pädophilennetzwerk identifiziert

Gut sieben Monate nach ersten Hinweisen auf ein weitverzweigtes Pädokriminellennetzwerk haben Staatsanwaltschaft und Polizei in Deutschland 72 Tatverdächtige in allen 16 Bundesländern identifiziert. Allein in Nordrhein-Westfalen nahmen die Behörden im „Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach“ 32 Verdächtige ins Visier, wie der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob heute mitteilte.

Es wurden bisher 44 Opfer im Alter zwischen drei Monaten und 14 Jahren identifiziert. Die Zahlen spiegelten lediglich eine Zwischenbilanz wider, sagte Jacob. „Wir sind mit den Ermittlungen beileibe nicht am Ende.“ Bei ihren Nachforschungen unter anderem in Internetforen und Chatrooms hätten die Beamte Einblicke in Straftaten gewonnen, „die das Vorstellungsvermögen der meisten Menschen sprengen“. Jacob fügte hinzu: „Wir sagen den Pädokriminellen den Kampf an.“

Die großangelegten Missbrauchsermittlungen hatten im vergangenen Oktober mit der Festnahme eines mutmaßlichen Täters in Bergisch Gladbach bei Köln ihren Ausgang genommen. Der Mann soll sich demnächst vor dem Landgericht Köln verantworten, wo auch noch ein weiteres Verfahren ansteht.

Soldat zu zehn Jahren Haft verurteilt

Das erste Urteil in dem Missbrauchskomplex wurde bereits gefällt: Das Landgericht Kleve verurteilte einen Soldaten zu zehn Jahren Haft und wies den 27-jährigen Familienvater auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie ein.

Gegen zwei andere Angeklagte wird seit April vor dem Landgericht Mönchengladbach verhandelt. Weitere Anklagen der Kölner Staatsanwaltschaft liegen den Landgerichten in Aachen und Duisburg vor. Auch in Kleve ist noch ein weiteres Verfahren in dem Missbrauchskomplex anhängig.