Spielende Kinder
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Neue Regeln

Sommerlager ohne Mindestabstand möglich

Die Vorgaben für die Durchführung von Sommerlagern haben in den vergangenen Tagen bei Jugendorganisationen für viel Unmut gesorgt. Vor allem die Abstandsregeln stießen auf Unverständnis. Am Sonntag teilten die zuständigen Ministerien nun mit, dass der Mindestabstand unter bestimmten Voraussetzungen fallen wird. Die Erleichterungen sind Teil der neuen Lockerungsverordnung, die mit Montag in Kraft tritt.

Gruppenspiele, Sporttuniere, Rätselralleys, Lagerfeuer: Das sind fixe Bestandteile vieler Sommerlager, die jedes Jahr zu Hunderten in Österreich für Kinder und Jugendliche angeboten werden. Wie und ob das auch im heurigen Sommer möglich sein würde, war in den vergangenen Wochen und Tagen allerdings unklar. Drei Wochen vor Beginn der Sommerferien treten mit der Novelle zur Lockerungsverordnung des Gesundheitsministeriums auch neue Regeln für Ferienlager und die außerschulische Jugendarbeit in Kraft.

Die entscheidende Neuerung: „Ähnlich wie in den Schulen muss in Kleingruppen – weil bei Kindern realistisch nicht anders umsetzbar – kein Mindestabstand eingehalten werden und es muss kein Mund-Nasen-Schutz getragen werden“, heißt es in einer Aussendung der Familienministerin gemeinsam mit dem Gesundheitsminister und der Frauenministerin.

Neue Regeln nach lauter Kritik

Für Jugendorganisationen und Veranstalter bedeutet das, dass ihr Protest der vergangenen Tage offenbar gehört wurde. Sie hatten davor gewarnt, dass unter den bisherigen Vorgaben eine große Zahl der Lager abgesagt werden müsste. Die Verhaltensregeln, wie sie das Jugendministerium noch zu Wochenbeginn in einem Leitfaden herausgegeben hatte, bezeichneten viele als realitätsfremd.

Beim Essen müsse kein Abstand gehalten werden, bei Freizeitaktivitäten zumindest ein Meter, beim Schlafen 1,5 Meter und „bei sportlichen Aktivitäten könnte ein Mindestabstand von zwei Metern erforderlich sein“, schrieb etwa die Bundesjugendvertretung (BJV) am Dienstag in einer Aussendung. „Die Kinder- und Jugendorganisationen haben bereits vor Wochen einen detaillierten Fragenkatalog übermittelt, der zeigt, wo die Probleme liegen. Im aktuellen Leitfaden ist davon nichts zu lesen“, hieß es damals von BJV-Vorsitzender Isabella Steger.

In einer ersten Reaktion gegenüber ORF.at begrüßte die BJV am Sonntag die neuen Regeln. Sie würden „die Durchführung von Sommerlagern erheblich erleichtern“, so Steger. Zugleich bedauerte die Vorsitzende der gesetzlichen Kinder- und Jugendvertretung aber, dass die neuen Vorgaben „für viele Sommerlager zu spät“ kämen. „Auch hätten wir uns größere Gruppen gewünscht“, so Steger.

Präventionskonzept und kleine Gruppen

Anstelle des Mindestabstands müssen die Organisationen nun ein „Covid-19-Präventionskonzept“ erstellen. Dieses muss unter anderem eine Schulung der Betreuer, spezifische Hygienemaßnahmen und organisatorische Maßnahmen enthalten. Auch müssen Regelungen, wie man sich bei einer SARS-CoV-2-Infektion verhält, enthalten sein.

Und noch eine entscheidende Einschränkung kommt hinzu: Der Mindestabstand gilt nur dann nicht, solange die Gruppe maximal 20 Kinder oder Jugendliche umfasst. Die einzelnen Gruppen sollten so wenig wie möglich miteinander zu tun haben. Und der Abstand von einem Meter zwischen den Gruppen dürfe nicht unterschritten werden, so die Verordnung.

„Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf ein Spiel und Freizeit“, so Familien- und Jugendministerin Christine Aschbacher (ÖVP) am Sonntag in einer Aussendung. Nach der Zeit des „Lock-downs“ sei es umso wichtiger, „dass die Ferienbetreuung im Sommer unter der Einhaltung bestimmter Regeln, wie kleine Gruppengrößen und die Erstellung und Umsetzung eines Covid-19-Präventionskonzeptes, sichergestellt ist“, hieß es von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in derselben Aussendung. Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) verwies auf die Bedeutung der Betreuung in den Sommerferien „für berufstätige Eltern und insbesondere für alle Alleinerzieherinnen“.

Neue Regeln auch für Messen und Kongresse

Die neue Regelung für die Kinder- und Jugendlager ist nicht die einzige, die am Sonntag nur einen Tag vor ihrem Inkrafttreten publik wurde. Das Gleiche gilt für die Auflagen, unter denen Messen und Kongresse in Österreich wieder erlaubt werden. In Zukunft müsse eine behördliche Genehmigung eingeholt und ein Covid-19-Präventionskonzept vorgelegt werden, teilte das Tourismusministerium Sonntagfrüh mit. Damit seien Messen und Kongresse ab Montag wieder möglich.

„Für den Tourismusstandort Österreich sind Kongresse und Veranstaltungen ein unverzichtbarer Faktor, vor allem in den Ballungsräumen, in denen die meisten Kongresse und Messen stattfinden“, hieß es dazu von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). „Dieser Fahrplan sowie klare und einfache Regeln geben der Branche die notwendige Perspektive und Planungssicherheit.“ Das sei auch für viele weitere Branchen wichtig, von der Stadthotellerie, über Catering-Unternehmen, der Gastronomie bis hin zu Technik- oder Security-Anbietern.