U.S. Präsident Donald Trump
Reuters/Leah Millis
Von wegen „episch“

Wahlkampfcomeback Trumps unter Erwartungen

Aus dem angekündigten „epischen“ Wiedereinstieg in den Wahlkampf ist nichts geworden. Bei der ersten Großveranstaltung seit Monaten stand US-Präsident Donald Trump am Samstag in Tulsa (Oklahoma) vor teils leeren Reihen. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, wie gewohnt auszuteilen: gegen die aktuelle Protestbewegung im Land, seinen demokratischen Rivalen Joe Biden, die Medien, sogar gegen Deutschland. Die US-Presse war sich allerdings ziemlich einig: „Neustart“ danebengegangen.

Der erste Wahlkampfauftritt des Präsidenten sei kräftig schiefgelaufen, hieß es am Sonntag in einem Fazit des US-TV-Senders CNN. Der Tag habe mit der Nachricht, dass mehrere Mitarbeiter im Team mit dem Coronavirus infiziert seien, schon schlecht begonnen und sei dann noch schlechter gelaufen.

Eine geplante Zusatzveranstaltung, für die laut CNN bis zu 40.000 Personen erwartet worden seien, wurde abgesagt. Anstatt der großen Massen hätte außerhalb des Bank of Oklahoma (BOK) Center, in dem der Wahlkampfauftritt stattfand, nur eine Handvoll Anhängerinnen und Anhänger vor einer Videowall gewartet.

Viel weniger Publikum als erwartet

Auch in der Multifunktionsarena in Tulsa, wo Trump nach mehr als drei Monaten wieder in seine Kampagne für die Wiederwahl als US-Präsident einstieg, seien viele Plätze leer geblieben, berichteten US-Medien. Auch sein Wahlkampfteam musste einräumen, dass weniger Fans erschienen als erwartet. Wahlkampfsprecher Tim Murtaugh machte „radikale Demonstranten“ und die Medien dafür verantwortlich: Diese hätten versucht, den Anhängern des Präsidenten „Angst zu machen“.

U.S. Präsident Donald Trump
Reuters/Leah Millis
Trump lächelt bei seiner Ankunft am Podium – trotz leerer Reihen

Trump hatte einen „epischen“ Wiedereinstieg in seinen Wahlkampf versprochen. Kurz vor Beginn der Veranstaltung seien Ticketkäufer noch via SMS informiert worden, dass es noch freie Plätze gebe.

Kein Wort über George Floyd

Trump begrüßte seine Anhänger zu Beginn seiner Rede als „Krieger“. Gegendemonstranten, die sich nahe der Veranstaltungshalle versammelt hatten, bezeichnete er als „Schlägertypen“. Mit Blick auf Demonstrationen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz sprach Trump erneut von „Anarchisten“ und „Plünderern“.

Polizisten verhaften einen Demonstranten vor der Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump
Reuters/Lawrence Bryant
Festnahme eines Demonstranten in der Nähe der Wahlkampfveranstaltung

Floyds Namen erwähnte er bei seiner mehr als eineinhalbstündigen Rede nicht. Wenn bei der Wahl im November die Demokraten an die Macht kämen, „dann werden die Randalierer das Sagen haben, und niemand wird mehr sicher sein", warnte der Republikaner stattdessen.

„Sie wollen unser Erbe zerstören“

In Richtung der Protestbewegung, die sich nach Floyds Tod Ende Mai formiert hatte, sagte Trump: „Sie wollen unser Erbe zerstören, damit sie ihr neues Unterdrückungsregime an seiner Stelle durchsetzen können.“ Die Demokraten wollten Polizeibehörden im ganzen Land die Finanzierung entziehen und diese auflösen. Der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Biden, habe sich „der radikalen Linken ergeben“. Sollte Biden im November gewählt werden, „wird niemand mehr sicher sein“.

Trump attackierte Biden scharf. Er nannte den früheren US-Vizepräsidenten (unter seinem Amtsvorgänger, dem Demokraten Barack Obama) in der Rede eine „hilflose Puppe der radikalen Linken“, der „Plünderern und Ausländern ohne gültige Papiere“ mehr Rechte geben werde als gesetzestreuen Amerikanern. Während es vor der Halle zu Protesten und vereinzelten Rangeleien zwischen Anhängern der „Black Lives Matter“-Bewegung und Trump-Anhängern kam, legte der Präsident in seiner Rede nach.

„Der verwirrte linke Mob versucht, unsere Geschichte zu zerstören, unsere Denkmäler – unsere schönen Denkmäler – zu entweihen, unsere Statuen niederzureißen“, so Trump. „Wir fügen uns nicht“, rief er seinem Publikum zu. Keine fünf Monate vor der Präsidentenwahl liegt der Republikaner in Umfragen deutlich hinter seinem demokratischen Herausforderer Biden.

Deutschland schuldet NATO „eine Billion“

Selbst Deutschland blieb in der Rede nicht verschont – Anlass: die geplante Reduktion der US-Streitkräfte dort. Berlin sei bei den Verteidigungsausgaben „säumig“, sagte Trump, und kaufe Erdgas aus Russland, obwohl die USA Deutschland vor Russland schützen sollten. Deutschland schulde der NATO wegen unzureichender Zahlungen in den vergangenen 25 Jahren in Wahrheit „eine Billion Dollar“. Er übte in dem Zusammenhang erneut Kritik an der geplanten Ostsee-Pipeline „Nord Stream 2“, die Erdgas von Russland nach Deutschland bringen soll. „Wir sollen Deutschland vor Russland beschützen“, so Trump unter Applaus. „Aber Deutschland zahlt Russland Milliarden Dollar für Energie, die aus einer Pipeline kommt, einer brandneuen Pipeline.“

Erneut attackierte der US-Präsident – wie gewohnt – auch Medien als „Fake News“ und „unehrlich“. Diese nannten das Wahlkampfcomeback sinngemäß kräftig danebengegangen und blinden Rundumschlag. Trumps Wahlkampagne sei kräftig ins Stottern geraten, bilanzierte die „New York Times“, vor weit weniger Publikum als erhofft habe er eine „unzusammenhängende“ Rede geliefert und wichtige aktuelle Themen mit keinem Wort erwähnt.