Tönnies-Beschäftigte offenbar vor Quarantäne heimgereist

Der deutsche Kreis Gütersloh hat Hinweise, dass Beschäftigte vor Verhängung der Quarantäne für sämtliche Tönnies-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen am Standort Rheda-Wiedenbrück abgereist sind. „Wir haben vermehrte Mobilität wahrgenommen“, sagte eine Sprecherin. Das sei dem Kreis von Bürgern und Bürgerinnen zugetragen worden. „Eine Handhabe, das zu unterbinden, hatten wir zu der Zeit nicht.“

Der Kreis hatte die Quarantäne am Freitag angeordnet. Sie gilt auch für alle Haushaltsangehörigen der Beschäftigten. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hält zudem die Verhängung von allgemeinen Ausgangsbeschränkungen im Kreis Gütersloh für denkbar. Es gelte nach wie vor, „dass wir einen flächendeckenden ‚Lock-down‘ im Moment nicht ausschließen können“, sagte er heute in Gütersloh. Vorerst könnten aber „zielgerichtetere Maßnahmen“ ergriffen werden. So sollen sich etwa alle Menschen im Kreis Gütersloh in den nächsten Tagen kostenlos testen lassen können.

Am Standort Rheda-Wiedenbrück, dem größten Schlachtereibetrieb Deutschlands, sind nach Unternehmensangaben rund 6.500 Menschen tätig. Rund die Hälfte aller Beschäftigten in der gesamten Tönnies-Unternehmensgruppe arbeiten nach Angaben eines Sprechers über Subunternehmen für Tönnies.

„Bild“-Zeitung: Arbeiter abgereist

Insgesamt seien Menschen aus 87 Nationen für Tönnies tätig. Die mit Abstand größten Gruppen kämen aus Rumänien und Polen. Rund ein Drittel der Beschäftigten mit ausländischer Nationalität lebe mit ihren Familien in Deutschland.

Nach Angaben der Kreissprecherin hat der Leiter des Krisenstabs, Thomas Kuhlbusch, im Zusammenhang mit den Abreisen bereits Kontakt zu den Botschaften der Herkunftsländer aufgenommen und sie darüber informiert. Einige Botschaften hätten sich auch selbst gemeldet. Botschaftsvertreter nahmen auch an der Sitzung des Krisenstabs in Gütersloh teil. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung berichtet, dass Arbeiter nach Rumänien und Bulgarien abgereist seien.