Walter Rothensteiner vor dem „Ibiza“-U-Ausschuss
ORF.at/Peter Pfeiffer
Rothensteiner zu Sidlo

„Da bin ich ausgeflippt“

Nach Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) ist dem „Ibiza“-Ausschuss Casinos-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner Rede und Antwort gestanden. Ein Deal zwischen FPÖ und dem Glücksspielkonzern Novomatic sei ihm nicht bekannt, doch erzählte er freimütig, dass er anfangs die Bestellung von FPÖ-Mann Peter Sidlo zum Finanzvorstand der Casinos Austria AG (CASAG) nicht gut fand. Vor seinem Sinneswandel habe er überlegt, sich von seiner Funktion – nach 25 Jahren – zurückzuziehen.

Im Vorfeld der Bestellung hätte es mit Sidlo „Begegnungen“ gegeben, bei denen ihm „die Art und Weise, wie Herr Sidlo mit mir sprach“, als unpassend erschienen war. Sidlo habe ihn etwa gefragt, ob es für die FPÖ auch einen Job in der CASAG gebe. „Da bin ich ausgeflippt“, so Rothensteiner. Später sei dann Novomatic-Chef Harald Neumann zu ihm gekommen, um ihn über die Bestellung in Kenntnis setzen. Seine Reaktion damals: „Ich glaub, ich spinn“, so Rothensteiner.

Rothensteiner schilderte, dass er Sidlo „auf persönlicher Ebene“ sehr skeptisch gegenübergestanden sei, nicht in Bezug auf Sidlos Qualifikation. Er sei nicht begeistert gewesen und habe sich eine Zusammenarbeit sehr schwierig vorgestellt. Die Personalberater hatten Sidlo für einen „kompetenten dynamischen jungen Mann“ gehalten, allerdings einen, der über keinerlei Erfahrungen in einem Unternehmen der Größe der CASAG verfüge.

Seine Einstellung gegenüber Sidlo habe sich im Laufe der Zusammenarbeit aber geändert. Diese sei professionell gewesen und ohne persönliche Probleme. Es sei auch kein Problem gewesen, dass Sidlo wenig Erfahrung mit der Führung eines derart großen Unternehmens mit Tausenden Mitarbeitern habe, wenn der Gesamtvorstand genug Erfahrung mitbringe, so Rothensteiner.

„Kein Deal zwischen FPÖ und Novomatic bekannt“

Generell habe man ein neues, modernes Team aufstellen wollen, die Trennung von Dietmar Hoscher sei unvermeidlich gewesen, da dieser nicht für einen „dynamischen, zukunftsorientierten Leitungsstil“ gestanden sei. „Überhaupt war Herrn Magister Hoschers Präsenz für dieses Unternehmen überschaubar“, sagte Rothensteiner. Im Aufsichtsratspräsidium sei daher beschlossen worden, dass jeder Großaktionär ein Vorstandsmitglied vorschlagen solle.

Walter Rothensteiner vor dem „Ibiza“-U-Ausschuss
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Rothensteiner: Keine Abmachung zwischen FPÖ und Novomatic bekannt

Sidlo sei dezidiert ein Wunsch der Novomatic gewesen, man stelle sich auch nicht so einfach gegen den Wunsch eines Aktionärs. Eine Abmachung zwischen FPÖ und Novomatic sei ihm persönlich aber nicht bekannt. Es habe auch keine politische Intervention bei ihm gegeben, so Rothensteiner. „Ich würde keine Vorstandsbestellung vornehmen, wenn ich einen diesbezüglichen Verdacht hätte“, sagte er zu Vorwürfen, es habe sich dabei um Postenschacher der ÖVP-FPÖ- Regierung gehandelt.

Rothensteiner sprach von sich aus auch Notizen an, laut denen der damalige Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) mit Novomatic-Alleinaktionär Johann Graf konferiert haben soll, dass es „irgendeinen Deal“ gebe. „Mir war keine Abmachung mit der FPÖ und Novomatic bekannt“, meinte die Auskunftsperson dazu. Rothensteiner konnte aber nicht mehr sagen, „welche Formulierungen Löger verwendet hatte“. Ob Löger ihn unter Druck gesetzt habe, wollte er nicht beantworten.

Beeinflussung bei Pilnacek-Besuch: „Lebensfremd“

Rothensteiner wird in der Causa Casinos als Beschuldigter geführt. Bereits in den ersten Minuten vor dem Ausschuss hatte er angekündigt, dass er sich in Punkten, die das Verfahren gegen ihn betreffen, entschlagen werde. Bis heute habe er keinen Einblick in den Ermittlungsakt, auch sei er von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) noch nicht vernommen worden. Nicht einmal das beschlagnahmte Handy oder sein Tablet habe er zurückbekommen.

Gefragt wurde Rothensteiner auch nach einem Besuch beim Sektionschef des Justizministeriums, Christian Pilnacek, im Jänner 2020. Er sei schon lange mit ihm bekannt, so Rothensteiner, und habe bei ihm seine Betroffenheit zum Ausdruck gebracht, dass er sein Handy so lange nicht wiederbekomme. Er habe schließlich „noch nie so etwas (ein Verfahren, Anm.) gehabt“, Rothensteiner. Dass es, wie manche unterstellen, um den Versuch einer Beeinflussung gegangen sein könnte, hält er für „lebensfremd“.

Vieles bleibt unbeantwortet

Es gab eine Reihe von Fragen, bei denen Rothensteiner nicht antworten wollte – auch wenn er mitunter gerne geantwortet hätte. Nichts sagte Rothensteiner etwa zu den Verträgen von CASAG-Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner. Sie bekam 1,7 Mio. Euro beim Wechsel vom Vorstandsmitglied zur Vorstandsvorsitzenden. Wegen der fortgeschrittenen Stunde aufgrund vieler Unterbrechungen wurde Glatz-Kremsner am Donnerstag nicht mehr im Ausschuss befragt.

Wie schon Blümel bei seiner Befragung am Donnerstag erzählte auch Rothensteiner, dass das Verhältnis der drei Eigentümer nicht immer ganz friktionsfrei war. Es sei schwer zu beschreiben, „da gab es einmal gute Zeiten und einmal schlechte Zeiten“. Casinos-Miteigentümer Sazka hätte auch viel gewollt, „was sie nie bekommen haben“.