Bewährungsstrafe für Starregisseur Serebrennikow

Ein russisches Gericht hat den Starregisseur Kirill Serebrennikow in einem umstrittenen Verfahren zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der 50-Jährige wurde wegen Veruntreuung von Fördergeldern schuldig gesprochen, wie das Bezirksgericht gestern der Agentur Interfax zufolge in Moskau entschied. Die dreijährige Haftstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Starregisseur Kirill Serebrennikow
AP/Pavel Golovkin

Das Gericht verhängte aber ein Verbot gegen ihn, weiter als Theaterdirektor zu arbeiten. Zudem sollten er und sein Team die veruntreute Summe von 129 Millionen Rubel (rund 1,6 Millionen Euro) in die Staatskasse zurückzahlen. Vor dem Gerichtsgebäude brach Jubel unter den Demonstrierenden aus.

Staatsanwaltschaft wollte sechs Jahre Haft

Zuvor wurde Serebrennikow wegen Veruntreuung staatlicher Fördergelder schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft beantragt. Das Verfahren gegen den international bekannten Künstler gilt als Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland. Hunderte Menschen, darunter viele Schauspielerinnen und Schauspieler, hatten trotz eines Demonstrationsverbots wegen der Coronavirus-Pandemie in Moskau gegen das Urteil protestiert.

Serebrennikow überlegt Einspruch

Serebrennikow will gegen seine Verurteilung wegen Betrugs kämpfen. Er sei nicht zufrieden mit dem Urteil, sagte er laut Interfax, als er den Gerichtssaal verließ. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig, sagte Serebrennikows Verteidiger Dmitri Charitonow. Er wolle dagegen Einspruch einlegen.

Drei Jahre hatte das Verfahren gedauert – mit Serebrennikow standen auch seine drei Kollegen Sofja Apfelbaum und Alexej Malobrodski sowie Juri Itin vor Gericht. Malobrodski und Itin wurden ebenfalls verurteilt, Apfelbaum verließ ohne Strafe den Gerichtssaal. Die Richterin warf dem Künstlerteam vor, eine Gruppe für einen kriminellen Plan zur eigenen Bereicherung gegründet zu haben.