Proteste in Äthiopien: Menschrechtler warnen vor Eskalation

Nach Protesten in Äthiopien warnen Menschenrechtler vor einer Eskalation ethnischer Spannungen. Nach dem Tod eines prominenten Sängers der Bevölkerungsgruppe der Oromo und darauffolgenden Unruhen würden Sicherheitskräfte weitere Spannungen schüren, anstatt sich um Deeskalation zu bemühen, kritisierte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) heute. Bei der Niederschlagung der Proteste gestern wurden mindestens sieben Angehörige der Oromo-Bevölkerungsgruppe getötet.

Blutige Proteste auch in Hauptstadt

Der Sänger Hachalu Hundessa, der für seine politischen Lieder bekannt ist und von vielen Oromo als Verfechter der Bevölkerungsgruppe angesehen wird, wurde am Montag getötet. Daraufhin kam es gestern in Addis Abeba sowie in der Oromia-Region zu teilweise blutigen Protesten. Die Polizei sprach zudem von Explosionen in drei Gegenden von Addis Abeba, bei denen etliche Menschen verletzt worden seien.

Im Zuge der Proteste wurde unter anderen auch der prominente Aktivist und Regierungskritiker Jawar Mohammed festgenommen, wie sein Sender Oromia Media Network (OMN) bestätigte. Die Beerdigung von Hachalu soll morgen in Ambo in der Oromia-Region stattfinden.

Die Oromo – die größte ethnische Gruppe in Äthiopien – fühlen sich seit Jahren marginalisiert. Regierungschef Abiy, der 2018 an die Macht kam, gilt zwar als Reformer, und viele hofften, dass er auch die ethnischen Konflikte in dem Vielvölkerstaat befrieden kann. Allerdings sind diese während seiner Amtszeit gestiegen.