Mord in Dänemark wirft Rassismusdiskussion auf

Der Mord an einem dunkelhäutigen Mann auf der Ostsee-Insel Bornholm hat in Dänemark eine Diskussion über den Umgang mit möglichen rassistisch motivierten Taten ausgelöst. Auf der Facebook-Seite der dänischen „Black Lives Matter“-Bewegung wird der Polizei vorgeworfen, den Fall vorschnell als nicht politisch abzutun.

Tatort in Bornholm
APA/AFP/Ritzau Scanpix/Pelle Rink

Ein 28-jähriger Mann, Sohn einer tansanischen Mutter und eines dänischen Vaters, war letzte Woche in einem Wald auf Bornholm tot aufgefunden worden. Unter Mordverdacht stehen zwei dänische Brüder im Alter von 23 und 25 Jahren, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzen.

Polizei sieht persönlichen Hintergrund

Sie sollen ihr Opfer getreten, mit einem Messer auf ihn eingestochen und ihn mit einer Flasche geschlagen haben. Außerdem sollen sie ein Knie an seinen Hals gedrückt haben, schrieb die dänische Zeitung „Extra Bladet“ unter Berufung auf die Anklageschrift. Auf diese Weise starb auch der schwarze US-Amerikaner George Floyd, dessen Tod in vielen Ländern zu Demonstrationen geführt hat.

Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass sich die drei Männer gekannt hatten. „Aus unserer Sicht ist die Tat nicht rassistisch motiviert“, sagte Generalstaatsanwältin Bente Pedersen Lund heute. „Es handelt sich um eine persönliche Beziehung zwischen den beiden Beschuldigten und dem Toten, die völlig schiefgelaufen ist.“

Bericht: Kontakt zur Neonazi-Szene

Nach Informationen von „Extra Bladet“ hatten die Brüder Kontakt zum rechtsextremen Milieu. Die Zeitung zitierte mehrere Personen, die bezeugen, dass der Ältere ein Hakenkreuz am Bein tätowiert hat.

Seitdem hagelt es Kritik an der Polizei, der Staatsanwaltschaft und der Presse, die nach Auffassung einiger nicht ausreichend über den Fall berichtete. Die „Black Lives Matter“-Bewegung kritisiert, dass Fremdenfeindlichkeit in der dänischen Gesellschaft nicht offen diskutiert werde. Rosa Lund von der Partei Einheitsliste twitterte: „Sieht nach einem rassistischen Motiv aus. Wir brauchen einen massiven Einsatz gegen Rassismus.“