Mann bei einer Sprühnebeldusche am Schwarzenbergplatz in Wien
APA/Robert Jäger
37,2 Grad

Heißester Tag in bisher gedämpftem Sommer

Die Temperaturen von Dienstag – dem bisher heißesten Tag des Jahres mit 37,2 Grad in der Wiener Innenstadt – machen es kurzfristig vergessen, aber der Sommer ist im Vergleich zu den Vorjahren bisher gedämpft verlaufen. Im 30-jährigen Klimamittel liegen die Messwerte dennoch im Schnitt. Dass der Sommer teils als „schlecht“ empfunden wird, hat einen simplen Grund: Wir haben uns an die Extreme der letzten Jahre gewöhnt.

Am Dienstag fiel der heurige Hitzerekord von 35,5 Grad, der am 10. Juli in der Wiener Innenstadt verzeichnet wurde: Gegen 17.00 Uhr hielten die Messstationen hier 37,2 Grad fest. In Innsbruck waren es ebenso wie in Hohenau an der March (NÖ) 36,3 Grad, Bad Deutsch-Altenburg kam auf 36,1 Grad. Im Vorjahr wurde der Hitzerekord bereits vier Wochen früher verzeichnet: In Krems (NÖ) wurden am 1. Juli 2019 38,8 Grad erreicht.

Schwere Gewitter an Alpennordseite und im Osten

Am Abend gingen in Wien bzw. an der Alpennordseite und im Osten des Landes schließlich schwere Gewitter mit Hagel nieder. In Wien rückte die Feuerwehr zu zahlreichen Einsätzen aus. Zwischen 20.30 Uhr und 23.00 Uhr wurde die Wiener Berufsfeuerwehr rund 150-mal aufgrund der Gewitter und Regenfälle alarmiert, hieß es seitens der Feuerwehr am späten Abend. Der überwiegende Teil davon betraf Wassereinbrüche.

In Niederösterreich stand der Bezirk St. Pölten im Mittelpunkt des Geschehens. Mehrere Feuerwehreinsätze gab es auch in Salzburg, Oberösterreich und Tirol – in Oberösterreich entstanden laut ersten Erhebungen rund 2,5 Millionen Euro Gesamtschaden für die Landwirtschaft.

„Bäderampel“ zeigte rot

In den trockenen Stunden des Tages hatte die Hitze für eine Zugangssperre bei Freibädern gesorgt – Dienstagnachmittag stand die im Zuge der Coronavirus-Pandemie installierte „Bäderampel“ der Stadt bei so gut wie allen Beckenanlagen auf Rot. Das bedeutet, dass keine Personen mehr ins Bad eingelassen werden – mehr dazu in wien.ORF.at.

Paar in einer Hängematte
APA/dpa/Christoph Soeder
Die erste Hitzewelle des Jahres steht in Österreich ins Haus

Seit 2000 17 zu warme Sommer

In Relation zum Bezugszeitraum 1981–2010 lagen die Temperaturen laut ORF-Wetterredaktion bisher (Stand 23. Juli) österreichweit durchschnittlich, verglichen mit dem Mittel von 1961–1990 1,2 Grad darüber. Seit den 1990er Jahren sind die Sommer also deutlich wärmer geworden: Die Temperatur der extremsten Sommer vor dem Jahr 1990 wurde in den letzten 30 Jahren zum Sommerdurchschnitt. In Österreich war beispielsweise der Sommer 2014 ein für das aktuelle Klima durchschnittlicher Sommer. Vor 1990 wäre er laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) einer der 15 wärmsten der Messgeschichte gewesen.

Seit 2000 gab es 17 zu warme, einen durchschnittlichen und nur zwei zu kühle Sommer. Darunter waren die drei heißesten seit Messbeginn, nämlich 2003 (plus 2,8 Grad), 2019 (plus 2,7 Grad) und 2015 (plus 2,4 Grad). Wobei 2019 lokal sogar heißer war als 2003, beispielsweise in Wien, Eisenstadt, Linz und Klagenfurt. Gesamt betrachtet lagen vier der fünf wärmsten Sommer zwischen 2015 und 2019.

Grafik zeigt die heißesten Sommer in Österreich
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: ZAMG

Hitzetage und -perioden mehren sich

Ein Indikator für die Zunahme von Hitze ist die Zahl der Tage mit mindestens 30 Grad Celsius („heiße Tage“ bzw. „Hitzetage“): In Wien etwa hat sie sich in den vergangenen Jahrzehnten in etwa verdoppelt. Selbst in Lagen oberhalb von 1.000 Meter Seehöhe wurden Temperaturen über 30 Grad Celsius häufiger.

Auch Hitzewellen wurden häufiger und länger. Sie lassen sich unterschiedlich definieren – gemeinhin wird darunter eine Serie von mindestens 14 Tagen verstanden, an denen der Durchschnitt der täglichen Höchsttemperatur mindestens 30 Grad Celsius beträgt.

Grafik zeigt die Entwicklung der heißen Tage
Grafik: ORF.at/Quelle: ZAMG

Erste stabile Phase steht bevor

Der letzte wirklich zu kühle Sommer war laut ORF-Wetterredaktion jener im Jahr 2005 (minus 0,4 Grad), doch auch da wurden zwei stabile Perioden und eine echte Hitzewelle verzeichnet – etwas, was heuer noch fehlt. Laut Prognosen des Europäischen Wetterzentrums (ECMWF) dürfte der August in Österreich um ein halbes bis ein ganzes Grad wärmer sein als im Schnitt. Zum Vergleich: Extrem warme Monate können um mehr als fünf Grad vom langjährigen Durchschnitt abweichen.

Aus Langfristprognosen lassen sich allerdings keine Rückschlüsse auf eine bestimmte Woche oder gar einzelne Tage ziehen, sie geben den Mittelwert über einen gesamten Monat an. Ob und wann es diesen Sommer also noch extrem heiße Tage oder Hitzewellen gibt, lässt sich aus diesen Prognosen nicht herauslesen – von Mittwoch abgesehen, könnte es aber in dieser Woche so weit seien. Sonnenschein und Temperaturen an oder über die 30 Grad sind vorhergesagt.