Geflüchtete in Libyen erschossen – UNO fordert Ermittlung

Nach dem Tod dreier Geflüchteter, die an der libyschen Küste beim Versuch erschossen wurden, nach ihrer Rückkehr vom Meer ans Festland die Flucht zu ergreifen, hat das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) eine Untersuchung des Vorfalls gefordert. Mitarbeiter „örtlicher Behörden“ hätten an einem Landungszentrum das Feuer eröffnet, teilte die Internationale Organisation ‎für Migration (IOM) mit.

„Libyen kein sicherer Hafen zur Landung“

Das UNHCR sprach von einem „tragischen Verlust dreier Leben“ und forderte eine „dringende Untersuchung“. „Dieser Vorfall unterstreicht in aller Deutlichkeit, dass Libyen kein sicherer Hafen zur Landung ist“, sagte der Sonderbeauftragte des UNHCR für das zentrale Mittelmeer, Vincent Cochetel. Auf dem Mittelmeer seien mehr Kapazitäten für Such- und Rettungseinsätze und auch mehr Solidarität der Mittelmeer-Anrainer notwendig.

„Das Elend von Migranten in Libyen ist unerträglich“, teilte der IOM-Leiter für Libyen, Federico Soda, gestern mit. „Der Einsatz von exzessiver Gewalt hat erneut den sinnlosen Verlust von Menschenleben zur Folge.“ Wegen „Untätigkeit“ biete das System im Umgang mit Geflüchteten oft „keinerlei Maß an Schutz“, sagte Soda.

Überlebende in Internierungslager gebracht

Die libysche Küstenwache hatte die drei Sudanesen gemeinsam mit rund 70 weiteren Personen auf dem Mittelmeer abgefangen und zurück nach Libyen gebracht. Der Vorfall ereignete sich im Küstenort al-Chums östlich von Tripolis. Zwei der Opfer waren laut IOM auf der Stelle tot. Das dritte Opfer erlag seinen Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus. Die weiteren Überlebenden der Überfahrt in Richtung Europa seien in Internierungslager gebracht worden.

Libyen dient vielen Migranten und Geflüchteten als Transitland, bevor sie die lebensgefährliche Überfahrt nach Europa wagen. In dem Bürgerkriegsland werden Ausländer ohne gültige Papiere in Lagern mit katastrophalen Zuständen festgehalten. Dort mangelt es an Toiletten, Duschen, Essen und Trinken. Die Menschen werden nach Berichten von UNO und Hilfsorganisationen teilweise misshandelt.

Nach Angaben von IOM starben in diesem Jahr mehr als 400 Menschen beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. Insgesamt seien seit 2014 mehr als 20.000 Menschen bei der versuchten Überfahrt umgekommen.