Luftaufnahme von Madre, auf der kroatoschen Insel Pag
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Offene Grenze für alle

Kroatien fährt Sonderweg im Tourismus

Rund 700.000 Urlaubende halten sich Angaben des kroatischen Tourismusamts von Wochenbeginn zufolge derzeit im Land auf. Überraschend ist, dass sich darunter auch Tausende US-Amerikaner und –Amerikanerinnen finden: Kroatien ist das einzige Land in der EU, das Touristen aus aller Welt empfängt – einen negativen CoV-Test und einen Unterkunftsnachweis vorausgesetzt.

Zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie hatten sich Mitte März alle EU-Staaten außer Irland sowie die Nicht-EU-Staaten Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island darauf geeinigt, nicht zwingend notwendige Reisen aus Drittländern in die EU zu verbieten. Seit Anfang Juli wird dieser Einreisestopp langsam gelockert. Zunächst war die Einreise aus 14 Ländern wieder erlaubt. Derzeit ist die Liste, die alle zwei Wochen überarbeitet wird, auf elf Länder geschrumpft, die USA finden sich aufgrund laufend steigender Infiziertenzahlen nicht darunter.

Mehrere EU-Staaten legen die Empfehlungen zwar strenger oder konzilianter aus, Kroatien aber geht einen ganz eigenen Weg. Schon seit 1. Juli gibt es für die Einreise keinerlei Einschränkungen für Bürger und Bürgerinnen aus EU-Staaten und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mehr. Kroatien öffnete die Grenze auch für alle Drittstaaten, die sich auf der von den EU-Staaten akkordierten Liste befanden, sowie für das Nachbarland Bosnien.

Überraschend kam, was auf der Website der US-Botschaft in Zagreb nachzulesen ist: „Alle anderen ausländischen Staatsangehörigen, einschließlich US-Bürger, können aus geschäftlichen, touristischen, bildungsbezogenen oder anderen dringenden persönlichen Gründen nach Kroatien einreisen, wenn sie den entsprechenden Nachweis erbringen und die von der kroatischen Regierung festgelegten Voraussetzungen erfüllen.“

Passagiere auf dem Flughafen Zagreb
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In Kroatien sind im Juli rund zwei Millionen Touristen eingereist – etwa die Hälfte weniger als im Vergleichsmonat vor einem Jahr

Negativer PCR-Test erforderlich

Am 10. Juli schärften die kroatischen Behörden allerdings nach: Den Einreisebedingungen auf der Website des Innenministeriums zufolge müssen Einreisende aus Drittstaaten einen negativen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist (ab dem Zeitpunkt der Abstrichentnahme bis zur Ankunft am Grenzübergang). Das gilt auch für Passagiere und Besatzungen, die mit einer Jacht reisen. Ohne negativen Test kommen zwar alle ins Land, müssen sich aber 14 Tage lang selbst isolieren. Darüber hinaus müssen Einreisende aus Drittstaaten einen Nachweis über eine bereits bezahlte Unterkunft vorlegen. Die genauen, laufend aktualisierten Bestimmungen sind auch auf der Webplattform Reopen EU ersichtlich, die die Europäische Kommission Mitte Juni ins Leben gerufen hatte.

Mark Thomas, Herausgeber der „Dubrovnik Times“, sagte Mitte Juli gegenüber „Forbes“: „US-Touristen sind in Kroatien wieder wahrnehmbar, in Dubrovnik selbst allerdings weniger, nachdem American Airlines alle Sommerflüge hierher gestrichen hat.“ Nach Zagreb beispielsweise sei der Flugverkehr aber weiter aufrecht.

Zweifel an großer Nachfrage

Ivan Vukovic, lizenzierter Reiseleiter in der Gegend von Dubrovnik, macht sich dennoch keine großen Hoffnungen für die Sommersaison: „Ich glaube nicht, dass viele Urlauber aus den USA kommen werden. Sie haben in ihrer Heimat zu viele pandemiebedingte Probleme. Mir wurden 200 Führungen für US-Gruppen abgesagt, in letzter Zeit bin ich nur noch mit Einzelpersonen aus den USA unterwegs.“

Seilbahn über der Altstadt von Dubrovnik
APA/AFP/Ivan Vukovic
Dubrovnik galt vor der Krise als hoffnungslos überlaufen – jetzt gibt es wieder Luft nach oben

„Je mehr Dokumente, desto besser“

Bereits im Juni wurde laut „Forbes“ unter Reisenden bekannt, dass Kroatien aufgrund seiner konzilianten Grenzpolitik ein möglicher Treffpunkt etwa für Paare sein könnte, die eine Fernbeziehung zwischen den USA und Europa führen. Vielen Reisewilligen in den USA wurde aber das Boarding verweigert, sagte Paul Bradbury, Eigentümer und Herausgeber der Website Total Croatia News gegenüber „Forbes“. Da die USA nicht auf der „sicheren Liste“ der EU-Reiseländer stehen, „wurde ihnen gesagt, dass sie nicht nach Kroatien reisen dürften“.

Nachdem die Regelungen nun deutlich formuliert sind, sei das Risiko, abgewiesen zu werden, gering geworden – vorausgesetzt, die notwendigen Papiere können vorgewiesen werden. „Je mehr Dokumente, desto besser“, sagte Bradbury. Er sei viel Kritik ausgesetzt, weil er US-Amerikanern mit Reisehinweisen, „wie man während Coronavirus-Zeiten nach Kroatien kommt“, weitergeholfen hätte. „Kroatien hat eindeutig eine andere Politik als seine Nachbarn und touristischen Mitbewerber“, sagte er. Darüber zu urteilen stünde ihm aber genauso wenig zu wie über die Menschen, die trotz aller Reisewarnungen auch in diesem Sommer ins Ausland verreisen.