Russland hält Militärmanöver in Armenien ab

Parallel zum Manöver türkischer und aserbaidschanischer Truppen in Aserbaidschan hat auch Russland eine Militärübung im Südkaukasus abgehalten. Mehr als 1.500 Soldaten seien an dem Manöver in Armenien beteiligt gewesen, teilte das russische Militär der Agentur Interfax zufolge in der Nacht auf heute mit. Kampfjets, Hubschrauber und Drohnen seien zum Einsatz gekommen. Die armenische Armee wurde an den Grenzen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Hauptstadt Eriwan in Alarmbereitschaft versetzt.

Die Türkei begann ihr zweiwöchiges Manöver mit Aserbaidschan am Mittwoch. Das türkische Verteidigungsministerium veröffentlichte Fotos von der Übung, an der unter anderem Scharfschützen und Kampfhubschrauber beteiligt waren. Die Übung der Landstreitkräfte wird nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu bis zum 5. August, die der Luftstreitkräfte bis zum 10. August fortgeführt. Wie viele Soldaten von türkischer Seite beteiligt sind, ist unklar. Armenien hatte das Manöver als „Provokation“ kritisiert.

An der Grenze zwischen Aserbaidschan und Armenien kam es jüngst zu neuen Spannungen. Seit Mitte Juli kamen auf beiden Seiten mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben. Die verfeindeten Länder gaben sich gegenseitig die Schuld an der Eskalation. Russland steht in dem Konflikt an der Seite Armeniens, die Türkei an der Seite Aserbaidschans. Eriwan sprach am Wochenende „von relativer Ruhe“ an der Grenze.

Gefechte weit nördlich von Konfliktgebiet

Die jüngsten Gefechte liegen weit nördlich vom Konfliktgebiet Berg-Karabach, um das beide Ex-Sowjetrepubliken seit Jahrzehnten streiten. Aserbaidschan hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre die Kontrolle dort verloren. Völkerrechtlich gehört die von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Region zu dem islamisch geprägten Aserbaidschan.

Experten befürchten, dass durch die neuen Kämpfe auch dieser Konflikt neu aufflammen könnte. Russland und die Türkei hatten zuletzt betont, in der Region dürfe es nicht zu einer Eskalation kommen. Der Konflikte sollte mit friedlichen Mitteln gelöst werden.