Der spanische Ex-König Juan Carlos
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Juan Carlos

Gerüchteküche brodelt nach Abgang

Die Ankündigung des ehemaligen spanischen Königs, Juan Carlos, ins Exil zu gehen, ist überraschend gekommen. Er soll bereits das Land heimlich verlassen haben und sich in der Dominikanischen Republik aufhalten. Juan Carlos’ Entscheidung war zudem nicht freiwillig, heißt es nun in Spanien.

Der von einem Korruptionsskandal und von Justizermittlungen bedrängte spanische Ex-König Juan Carlos hat sein Land nach Medienberichten schon vor der amtlichen Ankündigung seiner Auswanderung heimlich verlassen. Der 82 Jahre alte Vater von König Felipe VI. sei bereits am Wochenende ausgereist, berichteten der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTVE und andere spanische Medien am Dienstag unter Berufung auf das Königshaus.

Wo sich Juan Carlos am Dienstag aufhielt, war offiziell nicht bekannt. Die Zeitung „La Vanguardia“ berichtete, er sei derzeit in der Dominikanischen Republik. Dort wolle er einige Wochen bei einer Familie bleiben, die ihr Vermögen mit Zuckerrohr-Plantagen gemacht habe. Danach wolle er sich nach einem neuen Ziel umschauen.

Am Montagabend hatte das Königshaus in Madrid einen Brief von Juan Carlos veröffentlicht, in dem der Bourbone seinem Sohn und Nachfolger Felipe seine Absicht mitteilt, wegen der Affäre ins Ausland zu ziehen. Damit gibt der „rey emerito“, der emeritierte König, erstmals nach 58 Jahren seine Residenz im königlichen Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid auf.

Sofia geht nicht mit

„Angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse derzeit verursachen“, wolle er mit seiner Entscheidung die Arbeit seines Sohnes als Staatschef erleichtern, schrieb Juan Carlos in deutlicher Anspielung auf die vom Obersten Gericht Anfang Juni gegen ihn eingeleiteten Ermittlungen. Felipe akzeptierte dem Palast zufolge die Entscheidung seines Vaters und verwies vor allem auf die „historische Bedeutung“ der Regentschaft seines Vaters für Spaniens Demokratie.

Die spanische Königsfamilie.
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2018 traten Felipe und Juan Carlos noch gemeinsam auf, ganz rechts: Königsmutter Sofia

Gattin Sofia wird laut Medien nicht mit ins Ausland gehen. Die 81-Jährige hatte bereits vor einigen Tagen ihren Sommerurlaub auf Mallorca begonnen. Auf der Mittelmeer-Insel werden ihr Sohn Felipe, Königin Letizia (47), Kronprinzessin Leonor (14) und Infantin Sofia (13) am Freitag erwartet. Die „Familia real“ wird wieder in ihrer Sommerresidenz unterkommen, dem Marivent-Palast bei Palma.

Zerrüttete Verhältnisse

Im jüngsten Skandal rund um Juan Carlos geht es um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium. Juan Carlos soll 2008 von den Saudis 100 Millionen US-Dollar kassiert haben. Damals genoss er als Monarch noch Immunität. Im Zusammenhang mit dieser Zahlung wird Juan Carlos aber der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung nach seiner Abdankung im Juni 2014 verdächtigt.

Korruptionsskandal: Ex-König Juan Carlos verlässt Spanien

Ermittlungen gegen Spaniens Ex-König Juan Carlos wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen hatten nicht nur ihn in Verruf gebracht, sondern auch dem Königshaus geschadet. Mit 82 Jahren zieht er nun ins Ausland – nicht ganz freiwillig, versichern gut informierte Medien.

Es wird auch gemutmaßt, dass die Entscheidung, ins Exil zu gehen, nicht von Juan Carlos selbst stammt. Die gewöhnlich sehr gut informierte Tageszeitung „El Mundo“ versicherte, sie sei in erster Linie von Felipe getroffen worden. Das Königshaus habe Juan Carlos zum Verlassen Spaniens „gezwungen“, so das Blatt. Felipe hatte den Kontakt zu seinem Vater längst abgebrochen, nachdem der Skandal bekanntwurde. Der König verzichtete zudem auf das Erbe, das Juan Carlos ihm einst vermachen wird. Zudem wurde Juan Carlos das Gehalt – 194.000 Euro jährlich – gestrichen.

Auch die Ehe zu Sofia ist zerrüttet, spätestens seit Juan Carlos’ langjährige Affäre mit einer deutschen Geschäftsfrau publik wurde. Diese sagte später gegen Juan Carlos in der Schmiergeldaffäre aus und belastete ihn schwer.

Dauergäste in den Schlagzeilen

Die Casa Real stand in der Vergangenheit wiederholt im Rampenlicht der Skandalblätter. Felipes Schwager, Inaki Urdangarin, sitzt derzeit eine Haftstrafe ab. Der Ehemann von Infantin Cristina war 2018 wegen Veruntreuung von sechs Millionen Euro Steuergeldern sowie wegen Urkundenfälschung, Geldwäsche und Betrugs zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Cristina wurde der Beihilfe zum Steuerbetrug beschuldigt, aber freigesprochen. Sie ist die jüngere der beiden Schwestern Felipes und die Nummer sechs in der Thronfolge.

Grafik zum spanischen Königshaus
Grafik: APA/ORF.at; Fotos: AFP

Auch das Bild von Juan Carlos in der Öffentlichkeit trug tiefe Kratzer davon. Der im römischen Exil geborene Bourbone wurde früher sehr geschätzt für seine Rolle beim Übergang Spaniens zur Demokratie. Diktator Francisco Franco hatte ihn im Alter von zehn nach Spanien zurückgeholt, um zu einem faschistischen König erzogen zu werden. Nach Francos Tod beendete Juan Carlos jedoch die Diktatur und stieß demokratische Reformen an.

Elefantenjagd als Anfang vom Ende

Im Jahr 2012 aber brachte ein Skandal den Anfang vom Ende seiner Regentschaft. Mitten in der Wirtschaftskrise fuhr der damalige König nach Botsuana, um Elefanten zu jagen. Die Spanier waren empört, zumal die Reise nur deshalb publik wurde, weil er sich bei einem Sturz die Hüfte gebrochen hatte.

Die Presse übte ungewöhnlich scharfe Kritik am Monarchen und berichtete erstmals ausführlich über angebliche Eheprobleme des Königspaars. In einer Geste, die in der Geschichte der spanischen Monarchie beispiellos war, entschuldigte sich der König öffentlich und gelobte Besserung. 2014 übergab er den Thron schließlich an Felipe.

Ob Juan Carlos’ Abschied aus Spanien nun die Gegner der Monarchie besänftigt, bleibt fraglich. „El Mundo“ schrieb dazu am Dienstag: „Nicht einmal eine so dramatische Geste wie die von Juan Carlos wird den Kreuzzug jener stoppen, die die Abschaffung der Monarchie als Ziel haben.“