„Es gibt keine offizielle Hilfe“, kritisierte Ernst-Dziedzic. Polizisten würden auch Hilfsorganisationen den Zugang zu einem Großteil der Menschen versperren. Seit drei Tagen leben diese auf der Straße zwischen Moria und der Inselhauptstadt Mytilini, auf Plastiksackerln und in selbst gebauten Behausungen, schilderte die Politikerin am Freitag im Gespräch mit der APA. „Die Menschen haben kein Essen und kein Trinken, sie verdursten hier.“ Sie sei „empört und entsetzt“.
Selbst wenn die Migranten mit ihrem eigenen Geld Wasser oder Lebensmittel bei einer naheg elegenen Tankstelle kaufen wollen würde, „sie werden nicht reingelassen. Die Tankstelle wird von der Polizei bewacht, und Flüchtlinge dürfen nicht rein“, erzählte Ernst-Dziedzic. Der örtliche Supermarkt sei sowieso bereits geschlossen.

„Verzögerungstaktik“ der griechischen Regierung
Von der „vielzitierten Hilfe vor Ort“ komme auf Lesbos jedenfalls „nichts an“, kritisierte Ernst-Dziedzic. Auch die Container, die Österreich Athen bereits vor Monaten zugesichert hatte, würden noch auf dem griechischen Festland „hängen“, weil deren Transport auf die Insel von der griechischen Regierung noch nicht geklärt worden sei. Die grüne Abgeordnete ortete hier eine „Verzögerungstaktik“. Sie habe den Eindruck, „und dieser hat sich seit meiner Ankunft hier weiter verfestigt“, dass die Situation auf der Ostägäis-Insel „bewusst provoziert“ worden sei.

Immer wieder komme es zudem zu Übergriffen auf Geflüchtete durch rechtsradikale Gruppen. „Die Menschen sind wirklich verzweifelt, es ist vollkommen aussichtslos“, so die Nationalratsabgeordnete, die bereits Anfang März, als die Situation an der griechisch-türkischen Grenze zu eskalieren drohte, die Insel Lesbos und das Flüchtlingslager Moria besucht hatte. Jetzt sei es „noch viel schlimmer“, sagte sie. Angesichts der derzeitigen Umstände wachse die Verzweiflung unter den Geflüchteten. „Es würde mich nicht wundern, wenn das noch eskaliert.“
Treffen mit NGOs
Dass der Brand, der das seit Jahren heillos überfüllte Camp zerstörte, von Flüchtlingen gelegt wurde, glaubt Ernst-Dziedzic nicht. Es sehe nicht danach aus, zudem habe es schon in der Vergangenheit Brände gegeben, die klar von Rechtsextremen gelegt worden waren. Die Grünen-Politikerin will noch bis Sonntag auf Lesbos bleiben, Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen (MSF) und Vertreter des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) treffen, um „herauszufinden, wie akut geholfen werden kann und warum seit drei Tagen nichts passiert“.