Weißrussland: Polen und Litauen rufen Diplomaten zurück

Auf Druck der Führung in Weißrussland haben Polen und Litauen nach ihren Botschaftern nun auch weitere Diplomaten aus dem Nachbarland zurückgerufen. Diesen Schritt gaben die Außenministerien beider Länder gestern bekannt.

Mehr als 30 polnische Diplomaten würden das Gebiet von Weißrussland verlassen, sagte Polens Vizeaußenminister Marcin Przydacz. „Die Einschränkung des polnischen Personals ist eine unfreundliche Geste, auf die Polen zu gegebener Zeit in angebrachter Form antworten wird.“

Litauen zog fünf Diplomaten aus Minsk ab. „Wir hoffen, dass diese Maßnahme ausreicht, um die Möglichkeit des Dialogs aufrechtzuerhalten“, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Vilnius der Agentur BNS. Auch sie warnte Minsk, dass Litauen Gegenmaßnahmen ergreifen werde, sollte Weißrussland die Situation weiter eskalieren lassen.

Österreich behält sich Botschafterabzug für später vor

Bereits am Dienstag hatten Polen und Litauen ihre Botschafter aus Minsk für Konsultationen zurückgerufen. Aus Solidarität hatten mehrere EU-Staaten das ebenfalls getan. Aus dem Außenministerium in Österreich hieß es gestern Abend, man behalte sich die Möglichkeit, seine Botschafterin zurückzurufen, „für einen späteren Zeitpunkt vor“.

Österreich verurteile das Vorgehen der weißrussischen Behörden, teilte eine Sprecherin mit. Es gebe aber eine Vereinbarung unter den EU-Staaten, nicht alle Botschafter gleichzeitig abzuziehen. Sie seien nicht nur Augen und Ohren vor Ort, „sondern auch ein wichtiges Bindeglied zur belarussischen Zivilgesellschaft, der wir weiterhin den Rücken stärken müssen“, so die Sprecherin.

Die EU-Mitglieder Polen und Litauen sind Nachbarn von Weißrussland und haben zuletzt viele Oppositionelle von dort aufgenommen. So floh die Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja nach Litauen. Der autoritär regierende Präsident Weißrusslands, Alexander Lukaschenko, hat Vilnius und Warschau mehrfach beschuldigt, die Proteste anzufachen.