Anschober-Appell: Kontakte sofort stark verringern

Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) hat sich gestern neuerlich mit einem Appell an die Bevölkerung gewandt: „Verringern Sie bitte ab sofort Ihre Kontakte! Ein Drittel weniger Kontakte halbiert das Infektionsrisiko.“ Und genau das brauche es jetzt dringend angesichts rasch steigender Infektionszahlen.

Das seit Sonntag gültige aktuelle Maßnahmenpaket, das den Mindestabstand rechtsverbindlich vorgibt, die verpflichtende Verwendung des MNS stark erweitert und ungeregelte Veranstaltungen drastisch verringert, würde seine dämpfende Wirkung in gut einer Woche erreichen.

„Wir müssen und werden aber dennoch umfassende und hochwirksame Zusatzmaßnahmen in kürzester Zeit beschließen und verankern müssen“, kündigte der Ressortchef an.

Der sprunghafte Anstieg der Infektionszahlen lasse auch die Reserven in den Intensivstationen schmelzen. Setzt sich dieser Trend fort, dann würde die Kapazitätsgrenze Mitte bis Ende November erreicht sein. Daher benötige es in den nächsten Tagen breit getragene große Zusatzmaßnahmen, um die aktuellen drastischen Steigerungen wieder abflachen zu können.

Experte Popper: Freizeitkontakte reduzieren

Die Reduktion der Freizeitkontakte und Mobilität sind jetzt Knackpunkte für eine Eindämmung der rasant steigenden Infektionszahlen. Das sagt der Wiener Simulationsforscher Niki Popper: „Ohne das wird man in der aktuellen Situation nicht auskommen“ – mehr dazu in wien.ORF.at.

Ärztekammer kritisiert Anschober scharf

Ungewöhnlich scharfe Kritik übte die Ärztekammer (ÖÄK) an Anschober und dessen Umgang mit der CoV-Krise. Es sei völlig unverständlich, warum es für Maßnahmen im Gesundheitsbereich immer noch keine klar nachvollziehbaren bundesweiten Vorgaben gebe, so Vizepräsident Harald Mayer in einer Aussendung. All das hätte das Ministerium im Sommer ebenso ausarbeiten müssen wie ein funktionierendes und einheitliches Contact-Tracing.

„Die Menschen, von deren Vertrauen der Erfolg aller Pandemiemaßnahmen zum großen Teil abhängt, haben sich klare und transparente Entscheidungen verdient“, befand Mayer. „Mit weiteren Verwirrspielen und Ankündigungsankündigungen wird man das sicher nicht erreichen.“ Bei den neuen Maßnahmen, die morgen verkündet werden sollen, sieht er daher den Gesundheitsminister gefordert.

„Wertvolle Zeit vergeudet“

Konkret kritisierte Mayer, dass Tests vor Operationen innerhalb einzelner Krankenhausträger teils unterschiedlich gehandhabt würden, sowie die unterschiedlichen Zählweisen bei den Infizierten. „Stattdessen wurde wertvolle Zeit vergeudet und eine Ampel gebastelt, bei der bis heute nicht klar ist, welche Folgen die Ampelfarben haben und nach welchen Kriterien sie funktioniert.“ Die Pandemiesituation habe einen entscheidenden Punkt erreicht, „der Minister darf sich jetzt keine weiteren Fehler erlauben“.

ÖVP fordert „sofortiges Ende parteipolitischer Spielchen“

Ein „sofortiges Ende parteipolitischer Spielchen“ forderte indes ÖVP-Generalsekretär Axel Melchior in einer Aussendung. Die aktuelle gesundheitliche und wirtschaftliche Ausnahmesituation erfordere umgehend einen überparteilichen Schulterschluss, „denn klar ist, das Virus kennt keine Farbe“.