Cov-Massentests in Klagenfurt
APA/Gert Eggenberger
Coronavirus

Wie viele zu den Massentests gingen

In fast allen Bundesländern sind am Sonntagabend die CoV-Massentests zu Ende gegangen. Nur in Oberösterreich und im Burgenland wird noch getestet. Der Andrang zu den Tests blieb unter den Erwartungen, es wurden aber laut Angaben bisher mehr als 4.000 positive Ergebnisse gemeldet. Das Gesundheitsministerium prüft indes „Anreizsysteme“.

Mehr als zwei Millionen Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden bei der ersten Massentestreihe verzeichnet. Dabei wurden – mit PCR-Nachtestungen – mehr als 4.200 Infizierte gefunden. Gesundheitsminister Rudolf Anschober wertete das als „guten Start“ und einen „gelungenen Schritt zur Eingrenzung der Pandemie in Österreich“, wie er am Montag in einer Aussendung mitteilte.

4.200 Menschen, die sonst, ohne es zu wissen, andere Menschen angesteckt hätten, seien aus dem Infektionsgeschehen geholt worden. „Das ist der eigentliche Sinn der Massentests, möglichst viele asymptomatische Personen aus dem Infektionsgeschehen zu lösen und damit das Infektionsgeschehen zu verringern“, betonte Anschober.

Anschober: Darauf aufbauen

Auf diese ersten Massentestungen könne man nun gut aufbauen und sie weiterentwickeln – für eine zweite Runde nach den Feiertagen, für Tests von Berufsgruppen, die in einem intensiven Kontakt zu anderen stehen, und für Testungen in Regionen mit einem besonders hohen Infektionsgrad.

Auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) sah das Ergebnis als „erfolgreiches Großprojekt“. Mit der Lokalisierung der Infizierten sei eine weitere Verbreitung des Coronavirus verhindert worden, so Tanner. Im Jänner wird es ein zweite Testreihe geben.

13,5 Prozent der Berechtigten in Wien bei Tests

In Wien nutzten in den vergangenen zehn Tagen 234.889 Personen die Möglichkeit, einen Antigen-Schnelltest durchführen zu lassen. Das entspricht 13,5 Prozent der exakt 1.735.034 testberechtigten Wienerinnen und Wiener (Bevölkerung ab sechs Jahren), wie ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) mitteilte – mehr dazu in wien.ORF.at.

Ungeachtet der geringen Beteiligung – ausgelegt waren die Kapazitäten für bis zu 1,2 Millionen – konnten 591 Infizierte ohne Symptome entdeckt werden. Denn so viele positive PCR-Gurgeltests wurden im Zuge des zehntägigen Testmarathons gemeldet. Insgesamt 1.515 Gurgeltests wurden durchgeführt, 725 fielen negativ aus. In 199 Fällen war die Auswertung noch ausständig.

Tests in Wien auch ohne Anmeldung

Die Gurgeltests wurden entweder vorgenommen, um positive Antigen-Testresultate zu verifizieren bzw. zu falsifizieren oder weil der Schnelltest-Nasenabstrich zuvor nicht funktioniert hatte. Genaue Zahlen, wie viele der Antigentests falsch positiv waren, waren noch nicht verfügbar.

Cov-Massentests in Wien
APA/Georg Hochmuth
In Wien beteiligten sich 13,5 Prozent der Berechtigten

Von den drei Wiener Standorten wurde laut Sprecher die Messe am stärksten frequentiert. Knapp 117.000 Menschen machten dort den Coronavirus-Check – was im Stadtratsbüro auch auf den Umstand zurückgeführt wurde, dass in der Messe seit Montag eine Testung auch ohne Anmeldung möglich war. In der Stadthalle wurden gut 80.000 Personen überprüft, in der Marxhalle etwas weniger als 38.000. Der Sprecher sagte gegenüber der APA, dass im zehntägigen Testzeitraum abseits der vom Bund initiierten Massenchecks in Wien parallel rund 75.000 behördliche PCR-Tests abgewickelt wurden.

NÖ: Mehr als ein Drittel nahm teil

Bei den flächendeckenden Coronavirus-Untersuchungen in Niederösterreich wurden am Wochenende 834 positive Antigen-Tests gezählt. Das entsprach einer Rate von 0,15 Prozent. Insgesamt 573.704 Personen ließen sich nach vorläufigem Stand der Auswertung einen Abstrich entnehmen, was bei rund 1,5 Millionen Berechtigten eine Teilnahmequote von rund 37,8 Prozent bedeutete. Die grundsätzlich abgeschlossenen Flächentests dauern in Wiener Neustadt noch bis Dienstag – mehr dazu in noe.ORF.at.

Nur wenige CoV-Tests bei Sanitätern

Mitarbeiter der Rettungsorganisationen werden überraschend wenig getestet: Beim Arbeiter-Samariter-Bund wird nur in Vorarlberg und der Steiermark das gesamte Team regelmäßig getestet. In Wien können sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jederzeit freiwillig testen lassen.

Landeshauptmann-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) sah in der Beteiligung von mehr als einem Drittel der Zugelassenen am Sonntagabend ein kräftiges Zeichen im Kampf gegen die Pandemie. Die rund 20.000 im Einsatz stehenden Helferinnen und Helfer hätten für eine „äußerst professionelle Abwicklung“ gesorgt. Gegenüber dem Ö1-Morgenjournal sagte Pernkopf, er setze bei der kommenden Impfung auf Freiwilligkeit, er sei aber überzeugt, dass die Bereitschaft zu einer Impung zunehmen werde. Man habe auch bei den Tests auf Freiwilligkeit und Motivation gesetzt.

Man müsse die Zeit, bis der Impfstoff breit zur Verfügung stehe, nutzen, um die Menschen entsprechend zu überzeugen, so Pernkopf weiter. Auch bei den Massentests habe man gewusst, dass es schwierig werde. Bei der nächsten Testrunde müsse man schauen, dass man mehr Menschen erreiche – vor allem auch jene, die dem Thema skeptisch gegenüberstehen und vielleicht Ängste habe. Er sei hier für Anreize und auch Konsequenzen. Für Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) haben die flächendeckenden Untersuchungen einen Beitrag geleistet, um mehr Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen.

Finale auch in Steiermark, Salzburg und Kärnten

Auch in der Steiermark wurden am Sonntagabend die zweitägigen Massentests beendet. Nach vorläufigem Stand waren 987 von 248.232 Antigen-Tests positiv, sagte der für die Organisation der Tests verantwortliche Harald Eitner von der Fachabteilung für Katastrophenschutz und Landesverteidigung am Abend auf APA-Anfrage. Das bedeutet eine Positivrate von 0,4 Prozent. Gerechnet auf die Bevölkerung in der Steiermark über sechs Jahre, das sind 1,2 Millionen Menschen, kommt man auf eine Beteiligung von 20,7 Prozent – mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Cov-Massentests in Graz
APA/Erwin Scheriau
Rund ein Fünftel des Steirerinnen und Steirer nahm an den Tests teil

An den Massentests in Salzburg nahmen laut Behörden in den vergangenen Tagen landesweit rund 124.000 Personen teil. Rund 500 waren beim Schnelltest positiv – das entspricht rund 0,4 Prozent. Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) sagte, man habe das Dreifache erwartet. Am Montag können sich nun noch die 5.330 Menschen in den Seniorenwohnhäusern und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen testen lassen. Dann sind die ersten Massentests in Salzburg vorbei – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Rund 105.000 Kärntnerinnen und Kärntner beteiligten sich laut vorläufigem Stand an insgesamt drei Tagen an den Massentests. 558 fielen positiv aus, also 0,53 Prozent, hieß es aus dem Büro des zuständigen Landesrats Daniel Fellner (SPÖ) am Abend auf APA-Anfrage. Gerechnet auf die Gesamtbevölkerung entsprach die Teilnahme 18,9 Prozent. In acht Gemeinden waren die Massentests allerdings witterungsbedingt abgesagt worden – mehr dazu in kaernten.ORF.at.

Oberösterreich verlängert kostenlose Tests

Seit Beginn der Massentests in Oberösterreich ließen sich laut vorläufigem Stand rund 271.000 von 1,2 Millionen infrage kommenden Personen testen. Bisher wurden etwa 1.020 positive Ergebnisse bei dem Screening entdeckt. Das entspricht einer Rate von 0,38 Prozent. Die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher haben noch am Montag die Möglichkeit, sich im Zuge der Massentest auf CoV testen zu lassen. Danach soll es weiter ein freiwilliges und kostenloses Testangebot für die Weihnachtsfeiertage geben, wie das Land am Sonntagnachmittag ankündigte.

Cov-Massentests in Linz
Fotokerschi.at/Kerschbaummayr
Der Linzer Bürgermeister Luger plädiert für eine neue Teststrategie

Landeshauptmann Thomas Stelzer und Gesundheitsreferentin Christine Haberlander (beide ÖVP) hätten den Krisenstab mit der Erarbeitung eines Konzepts beauftragt. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) sprach sich für permanente freiwillige Teststraßen aus. Es sei eine neue Teststrategie erforderlich, nachdem die Zahl der Testwilligen bei den Massentests weit hinter den Erwartungen zurückbleibe. „Jetzt schon Stichtage für die nächsten Testungen festzulegen grenzt an Realitätsverweigerung“, so Luger – mehr dazu in ooe.ORF.at.

Tiroler und Tirolerinnen können sich ab dem 19. Dezember bis ins Jahr 2021 hinein „dauerhaft und kostenlos“ testen lassen. Auch Salzburgs Politik überlegt, die freiwilligen Tests zu verlängern. Von den gekauften Kits seien noch viele übrig, heißt es – mehr dazu in salzburg.ORF.at. Im Burgenland wird noch bis Dienstag bei 25 fixen Stationen und zwei Testbussen, die neun Gemeinden anfahren, getestet.

Gesundheitsministerium prüft „Anreizsysteme“

Angesichts der mäßigen Beteiligung an den Massentests denkt der Bund Medienberichten zufolge über „Goodies“ bei zukünftigen Massentests nach, um mehr Leute in die Teststraßen zu locken. Aus dem Gesundheitsministerium hieß es dazu am Sonntag, „Anreizsysteme“ würden geprüft. Haslauer sagte in der ZIB2, die Bundesregierung werde sich überlegen, „ein Anreizsystem zu schaffen, eine bessere Motivationslage, damit noch mehr Menschen hinkommen“.

Foitik für einfache Tests

Der Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes, Gerry Foitik, sagt, je einfacher die Tests sind, desto eher funktionieren sie. „Wenn wir ein coronafreies Österreich haben wollen, werden wir 70 Prozent der Bevölkerung impfen müssen“, so Foitik.

Der Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes, Gerry Foitik, sagte in der ZIB2, es gebe zwei Strategien gegen die Pandemie: einerseits, sich komplett zu isolieren, andererseits eine Kombination aus „testen, testen, testen“ im Jahr 2020 und „impfen, impfen, impfen“ 2021. Diese Maßnahmen müssten „möglichst großflächig, möglichst unmittelbar“ und möglichst breit angewandt werden. Für eine intensive Teststrageie gebe es mittlerweile ausreichen Kapazitäten. Die Frage der Freiwilligkeit müsse von der Politik beantwortet werden, so Foitik.

50 Euro als Belohnung?

Konkreteres war dem „Kurier“ (Sonntag-Ausgabe) zu entnehmen, wo eine Belohnung von 50 Euro kolportiert wurde. „Österreich“ zitierte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit der Aussage, bei den nächsten Massentests ab 8. Jänner könnten sich Bewohner von Gebieten mit einer besonders hohen 7-Tage-Inzidenz von einer Quarantäne „freitesten“.

„Eine Pandemie bekommt man nicht mit Zuckerbrot und Peitsche und einer Gutsherrenpolitik nach dem Motto ‚Böse Untertanen gehören bestraft, die braven belohnt‘ in den Griff. Eine Pandemie erfordert einen gut durchdachten Plan und vor allem Kommunikation auf Augenhöhe“, hielt dem NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker entgegen. Es sei nicht zielführend, Menschen mit Geschenken zum nächsten Massentest zu locken. NEOS tritt für einen Ausbau des Testangebots in Betrieben, bei Ärzten, in Apotheken und an zentralen Plätzen – etwa auf Bahnhöfen, in Einkaufsstraßen und auf Marktplätzen – ein.