Alleinerziehende mit zwei Kindern
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CoV-Krise

Alleinerziehende „große Verliererinnen“

Frauenorganisationen haben bei einer Pressekonferenz am Mittwoch davor gewarnt, dass die Coronavirus-Krise für Frauen nicht zu einer „sozialen Pandemie“ werden dürfe. Besonders von Mehrfachbelastungen betroffen seien Alleinerzieherinnen. Diese seien von der Politik vergessen worden, kritisierten die Initiativen und forderten mehr Unterstützung.

Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Homeoffice, geschlossene Schulen und Betreuungseinrichtungen und Distance-Learning sowie Haushaltsführung – der Alltag birgt derzeit viele Herausforderungen. Besonders hart zu stemmen sind diese für Alleinerzieherinnen: „15 Stunden arbeiten Alleinerzieherinnen in der Coronavirus-Krise täglich. Trotzdem ist von ihnen jede zweite Mutter inzwischen armutsgefährdet“, hieß es in einer Aussendung des Frauenrings.

Zum Leben und zur sozialen Absicherung sind laut Frauenring-Vorsitzender Klaudia Frieben mehrere Maßnahmen dringend nötig. So soll das Arbeitslosengeld auf 70 Prozent angehoben werden und es für Alleinerzieherinnen den Familienbonus in voller Höhe von 1.500 Euro geben. Der Familienhärtefallfonds soll verlängert und die „Sozialhilfe neu“ zurückgenommen werden.

Eine Mutter hilft ihren beiden Kindern bei den Arbeiten im Home Schooling
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„Durch die Schließung von Schulen und öffentlichen Betreuungseinrichtungen sind Alleinerzieherinnen die absoluten Verliererinnen der Krise“, so der Frauenring

CoV-Krise verschärft finanzielle Probleme

Auch brauche es dringend Maßnahmen zur Anhebung der Eigenpension von Frauen wie die „massive Anhebung“ der Kindererziehungszeiten und die kritische Überprüfung der Lebensdurchrechnung, die Frauen sehr benachteilige. „Die Politik hat die Verpflichtung, alle Menschen dabei zu unterstützen, dass sie würdig und selbstbestimmt leben können, und das gerade jetzt, damit die Coronavirus-Krise nicht zur sozialen Pandemie wird“, so die Frauenring-Vorsitzende.

„Alleinerzieherinnen sind die großen Verliererinnen der Krise“, stellte auch Andrea Czak, Obfrau des Vereins Feministische Alleinerzieherinnen (FEM.A), fest. Die Coronavirus-Krise habe die finanziellen Probleme für viele noch verschärft. „Die Regierung bietet hier keine Lösung für unsere Sorgen“, so Czak. Der Verein FEM.A fordert daher u. a. eine Kinderkostenstudie für einen zeitgemäßen Kindesunterhalt und eine staatliche Unterhaltssicherung, wenn der Vater nicht genügend oder gar keinen Unterhalt zahlen kann.

„Existenzielle Zukunftsängste“

Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser, sagte: „Neben den existenziellen Zukunftsängsten kämpfen viele mit Schikanen seitens des gewalttätigen Partners in Verbindung mit Obsorgeregelungen und Besuchskontakten.“ Von den Behörden fühlen sich viele Frauen im Stich gelassen.

Rösslhumer lehnt daher die geplante Doppelresidenzregelung strikt ab, ebenso wie eine automatische gemeinsame Obsorgeregelung. Der Verein AÖF fordert hingegen die Verankerung des Themas Partnergewalt in der Ausbildung der Justiz sowie verpflichtende Weiterbildung für Familienrichter, Gutachter, Kinderbeistände sowie Sozialarbeiter beim Amt für Kinder- und Jugendhilfe.

Appelle von SPÖ und FPÖ

Auch die Opposition richtete Appelle an die Regierung. SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek konstatierte, dass bei der Unterstützung von Frauen „das männlich-dominierte Krisenmanagement rund um Kanzler (Sebastian, Anm.) Kurz“ versage. Die SPÖ-Frauen fordern die Umsetzung der längst versprochenen Unterhaltsgarantie, die Anhebung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent, den Zugang zum Familienhärtefonds für alle sowie eine aktuelle Kinderkostenanalyse. Letztlich ginge es darum, Frauen- und Kinderarmut in Österreich zu verhindern.

Ähnlich äußerte sich die FPÖ. Auch bei Familien und Frauen müsse gelten: „Koste es, was es wolle“. Schließlich bräuchten Familien und Alleinerziehende „rasch und unbürokratisch finanzielle Hilfe“, so FPÖ-Frauensprecherin Rosa Ecker, die den Vorschlag von FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer nach einer Sonderzahlung für Familien mit Kindern und Alleinerziehende unterstützte. Hofer schlug vor, die Familienbeihilfe ein 13. Mal auszubezahlen – Alleinerziehende sollten den doppelten Betrag erhalten.

Grüne: Wichtige Schritte „bereits umgesetzt“

Seitens der Grünen verwies man darauf, dass „wichtige Schritte“ zur Unterstützung von Alleinerziehenden bereits umgesetzt worden seien beziehungsweise sich in Umsetzung befänden. Meri Disoski, Frauensprecherin der Grünen, hob in einer Aussendung etwa die zwei Einmalzahlungen für Arbeitslose in der Höhe von insgesamt 900 Euro sowie die doppelte Familienbeihilfe, die im September ausbezahlt wurde, hervor. Auch würden die Grünen eine „dauerhafte Erhöhung“ des Arbeitslosengeldes anstreben. „Wir müssen alles tun, um eine Verfestigung von Armut, von der Alleinerziehende in überproportionalem Ausmaß betroffen sind, zu verhindern“, so Disoski.

Hinsichtlich der Obsorgeregelungen hieß es in der Aussendung, dass innerfamiliäre Gewalt und Verletzung von Obsorgepflichten eine gemeinsame Obsorge „selbstverständlich" ausschließen. Und weiter: „Dass Partnergewalt und häusliche Gewalt künftig einen größeren Stellenwert in der Ausbildung von Staatsanwältinnen und Staatsanwälten sowie Richtern und Richterinnen bekommen sollen, ist im Regierungsprogramm vereinbart.“

Auch die geforderte Kinderkostenstudie sei bereits im Nationalrat beschlossen worden, an einer Unterhaltsgarantie werde aktuell gerade gearbeitet, und der Zugang zum Unterhaltsvorschuss sei bereits im März erleichtert worden, so Disoski.