Kapitol vs. „Black Lives Matter“: Starker Kontrast bei Polizeieinsatz

Nach dem Sturm auf das Kapitol haben sich einige US- und internationale Medien, Politiker und Aktivisten verwundert über den Einsatz der Sicherheitskräfte und der Polizei gezeigt. Vor allem der Vergleich mit den „Black Lives Matter“-Protesten im vergangenen Jahr zeigt zwei sehr unterschiedliche Bilder.

„Der Kontrast zwischen der Reaktion der Exekutive beim Sturm auf das Kapitol am Mittwoch und der Unterdrückung friedlicher Proteste im Sommer ist nicht nur krass – er ist schwarz-weiß“, schrieb etwa „Guardian“-Journalist Julian Borger.

Der Bürgermeister der US-Stadt San Antonio, Julian Castro, schrieb auf Twitter: „Wären das ‚Black Lives Matter‘-Demonstranten oder Proteste für die Rechte von Immigranten gewesen, würden sich ganz andere Bilder zeigen.“

Tränengas und Schlagstöcke bei „Black Lives Matter“-Demos

Der „Guardian“ verweist etwa auf die Proteste nach dem Tod George Floyds Anfang Juni in Washington: Dort hatten Demonstranten, einen Häuserblock vom Weißen Haus entfernt protestiert. Um den Weg für ein medial weit verbreitetes Foto von Donald Trump vor einer Kirche mit einer Bibel frei zu machen, setzte die Polizei Tränengas und Schlagstöcke gegen die Protestierenden ein.

Nur am Tag danach gab es friedliche Proteste vor dem Lincoln Memorial unweit des Kapitols. Dutzende Polizisten und Mitglieder der Nationalgarde positionierten sich in Tarnkleidung vor dem Denkmal und sicherten das Gebäude.

Nationalgarde vor dem Lincon Center Anfang Juni 2020 in Washington
APA/AFP/Getty Images/Win Mcnamee

Im Gegenzug habe es bei den Ausschreitungen gestern vor dem Kapitol nur ein geringes Aufgebot an Sicherheitskräften gegeben. Noch ist nicht klar, warum – immerhin wurde ein Sturm auf das Kongressgebäude im Vorfeld als mögliches Szenario gesehen. Die Menschenmenge konnte das geringe Polizeiaufgebot überwinden und in das Kapitol eindringen.

Polizeiaufgebot erst nach Sturm auf Kapitol ausgeweitet

Erst im Nachhinein wurde Verstärkung angefordert und die Nationalgarde aktiviert, laut „Guardian“ waren ursprünglich nur 340 Wachleute im Dienst.

Polizisten am 6.1.2021 vor dem Kapitol in Washington
AP/Jose Luis Magana

Laut CNN wurde vor dem Kapitol zwar Pfefferspray eingesetzt, auch über den Einsatz von Tränengas wurde berichtet – es ist aber nicht klar, ob von den Protestierenden oder der Polizei, schreibt der US-Sender.

Selfie mit Polizisten sorgte für Wirbel

In Sozialen Netzwerken sorgte unterdessen schon während des gewaltsamen Vordringens in das Kongressgebäude ein Video für Aufregung, das einen Protestierenden zeigt, der offenbar ein Selfie mit einem Polizeibeamten aufnimmt.

Die Tochter von Marthin Luther King, Bernice King, schrieb im Hinblick auf den starken Kontrast beim Vorgehen der Polizei, dass dieser „die Geschichte der rassistischen Vergangenheit und Gegenwart unserer Nation“ erzähle: „Wie können wir verhindern, dass das unsere Zukunft wird?“