Vorläufig letztes Werk aus Gurlitt-Kunstsammlung restituiert

Die Zeichnung „Das Klavierspiel“ von Carl Spitzweg ist als 14. und damit vorläufig letztes als NS-Raubkunst identifiziertes Werk aus dem Kunstfund Gurlitt restituiert worden.

Wie die deutsche Kulturministerin Monika Grütters (CDU) heute in Berlin mitteilte, wurde das Werk auf Wunsch der Erben des im Konzentrationslager Auschwitz ermordeten ehemaligen Eigentümers Henri Hinrichsen an das Auktionshaus Christie’s übergeben.

„Das Klavierspiel“ war 1939 bei dem jüdischen Musikverleger Hinrichsen beschlagnahmt worden. 1940 erwarb der Kunstsammler Hildebrand Gurlitt das Werk, der Kaufpreis wurde auf ein Sperrkonto eingezahlt. 1942 wurde Hinrichsen in Auschwitz ermordet.

Hildebrand Gurlitt war ein auch im Auftrag der Nationalsozialisten tätiger Kunsthändler. Er starb 1956. Spätere Nachforschungen nach den Werken aus seiner Sammlung blieben auch deshalb erfolglos, weil seine Witwe 1966 gegenüber den Behörden log, sämtliche Werke und Geschäftsunterlagen seien 1945 beim Bombenangriff auf Dresden zerstört worden.

Aufsehenerregender Fund

Erst 2012 entdeckten Ermittler nach einer zufälligen Kontrolle bei Gurlitts Sohn Cornelius in dessen Münchner Wohnung die vermeintlich zerstörten Kunstwerke. Insgesamt befanden sich bei diesem über 1.500 Kunstwerke, darunter eine Reihe Meisterwerke.

Der Fund sorgte damals weltweit für Beachtung. Der inzwischen verstorbene Cornelius Gurlitt vermachte die Werke dem Kunstmuseum Bern, das sich seither an der Aufklärung der Herkunft beteiligt. Wie Grütters sagte, wurde „Das Klarvierspiel“ bereits 2015 als NS-Raubkunst identifiziert. Insbesondere wegen der komplexen Erbfolge und der weitverzweigten Familie seien die Modalitäten der Rückgabe erst jetzt endgültig geklärt worden.