Bild zeigt eine eine Stromrechnung am Handy.
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Nach Rekordkälte

Aufruhr wegen Stromrechnungen in Texas

Aufschrei in Texas: Nachdem der Wintersturm mehrere Tage über den zweitgrößten US-Bundesstaat hinweggefegt ist, sitzen zahlreiche texanische Haushalte, die von der Stromversorgung nicht abgeschnitten waren, nun auf teils horrenden Stromrechnungen von mehren tausend Dollar, wie mehrere US-Medien berichteten. Hintergrund ist das deregulierte Stromnetz des Bundesstaates.

Was ging in Texas schief?, fragte sich das US-Magazin „The Atlantic“ in einem Artikel, um gleich selbst die Antwort zu geben. Texas musste scheitern, weil es nicht geplant hat. Texas weigerte sich immer, dem Stromnetz zwischen den Bundesstaaten beizutreten, um Spitzen abzufangen. Der Bundesstaat war von Sturm und Kälte der vergangenen Tage am stärksten betroffen. Mehr als vier Millionen Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Behördenangaben zufolge waren am Sonntag noch immer Haushalte von der Versorgung abgeschnitten.

In Texas wurde auch eine Regulierung der Stromversorgung – etwa bei den Preisen – immer abgelehnt. Man setzt auf den freien Markt, und das ging nun laut US-Medien schief. Jetzt muss die Regierung von Texas Millionen Einwohnern Rede und Antwort stehen, warum das Stromnetz zusammengebrochen ist und dort, wo das nicht der Fall war, die Stromrechnungen teils in ungeahnte Höhen schossen.

Schild vor dem Hauptqartier des Energieversorgers Kinder Morgan Inc.
Reuters/Gary Mcwilliams
Nach dem Zusammenbruch des Stromnetzes schossen die Preise in die Höhe

Das Problem mit der Deregulierung

Wichtig dabei ist für die Bewohner und Bewohnerinnen von Texas auch die Frage, welche Maßnahmen geplant sind, um ein derartiges Desaster künftig auszuschließen – und dabei geht es ums Eingemachte im System der Energieversorgung. Texas hat einen auch für die USA ungewöhnlich stark deregulierten Energiemarkt, der die Endverbraucher unter zahlreichen konkurrierenden Stromversorgern wählen lässt, so die Nachrichtenagentur Reuters. Einige Stromunternehmen geben etwa den Strom gegen eine monatliche Gebühr – teils werden zehn Dollar genannt – zum Großhandelspreis weiter. Die Preise steigen allerdings gleich und direkt bei steigendem Verbrauch, so während der höchst ungewöhnlichen Kältewelle.

Bild zeigt eine Straße bei Stromausfall in Waco, Texas.
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Kaum Licht in einer Straße der texanischen Stadt Waco

Die „Dallas Morning Post“ berichtete unmittelbar vor dem Wintersturm, was auf die Verbraucher und Verbraucherinnen zukommen könnte. Sie schrieb auch, dass ein Anbieter mit Großhandelstarif Tausende seiner Kunden aufforderte, die Stromanbieter vor dem Sturm zu wechseln, um den explosionsartigen Anstieg der Preise zu vermeiden. Doch viele fanden, dass es zu lange dauern würde, den Anbieter zu wechseln, und unterschätzten auch die Dauer und Stärke der Kältewelle, so die Zeitung weiter.

Energiepreise wurden nach Notfalltreffen drastisch erhöht

Im Vorfeld des Wintersturms traf sich in Texas auch das für die Energieversorgung wichtige Electric Reliability Council of Texas (ERCOT), wie die „Washington Post“ schreibt. ERCOT ist für rund 90 Prozent des Strommanagements von Texas zuständig, wie es in der Zeitung weiter heißt. ERCOT habe unterschätzt, wie viel Strom während des Wintersturms gebraucht werde, so die „Washington Post“ weiter. Und da Texas eben nicht in einem Netz mit den anderen US-Bundesstaaten ist, konnte auch kein anderer Bundesstaat „Stromhilfe“ leisten.

Die Zentrale des Electric Reliability Council of Texas (ERCOT) in Taylor.
Reuters/Julia Robinson
Die Zentrale des Electric Reliability Council of Texas (ERCOT) in der Kleinstadt Taylor

Mit der großen Nachfrage ob des verheerenden Wetters konnte schließlich die Versorgung nicht mehr mithalten. Das führte zu einem Treffen der Public Utility Commission (PUC) von Texas. Die PUC reguliert die Versorgungskosten in Texas. Bei dem Notfalltreffen wurden schließlich die Energiepreise Montag letzter Woche erhöht oder eigentlich so gut wie freigegeben, wie die Zeitung weiter schreibt. Noch am selben Tag stieg der Preis für Strom um mehr als 10.000 Prozent, so die „Washington Post“.

Tausende Dollar für einige Tage mit Strom

Als infolge des Extremwetters vielerorts der Strom ausfiel und die Nachfrage das Angebot überstieg, habe das bei betroffenen Kunden zu einem „astronomischen“ Anstieg der Kosten geführt, so auch die „New York Times“. Einige Texaner und Texanerinnen, die noch in der Lage waren, das Licht einzuschalten oder etwa ihren Kühlschrank am Laufen zu halten, sahen sich nach nur fünf Tagen mit Rechnungen in Höhe von 5.000 Dollar konfrontiert, hieß es weiter.

Das geht auch aus Fotos von Rechnungen hervor, die von verärgerten Verbrauchern in Sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden, so Reuters. Ein Mann in einem Vorort der Metropole Dallas habe eine Rechnung von knapp 16.752 Dollar (etwa 13.830 Euro) erhalten, berichtete die „NYT“.

Personen warten in einer Schlange um ihre Propan Kartuschen wieder aufzufüllen.
AP/David J. Phillip
Während des großen Stromausfalls in Texas stellen sich Menschen zum Auffüllen von Propangasflaschen an

Gouverneur sucht nach Lösung

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sucht nun nach Lösungen, die Betroffenen bei den explosionsartig in die Höhe geschossenen Kosten zu unterstützen, wie sein Büro am Sonntag (Ortszeit) mitteilte. Sie sollten Abbott zufolge nicht allein auf den Kosten sitzen bleiben. Der Bundesstaat suche in dem Fall nach Lösungen, kündigte sein Büro an. Bis dahin werde Betroffenen bei Nichtzahlung der Rechnung der Strom nicht abgestellt. Zudem sollten Anbieter zunächst keine weiteren Rechnungen ausstellen.

„Die Rechnung sollte an den Bundesstaat Texas gehen“, sagte der Bürgermeister von Houston, Sylvester Turner, in einem Interview mit CBS News am Sonntag. Die Menschen sollten nicht die Verantwortung tragen müssen, so Turner am Sonntag.

Familie von verstorbenem Buben klagt

Die Familie eines während des Wintersturms verstorbenen elfjährigen Buben reichte unterdessen eine 100-Millionen-Dollar-Klage gegen Energieunternehmen in Texas ein, wie die BBC berichtete. Der Bub war von seiner Mutter in ihrem Wohnwagen leblos gefunden worden. Die Familie geht davon aus, dass der Elfjährige an Unterkühlung starb. Laut Polizei wird das Ergebnis der Autopsie und damit die Feststellung der Todesursache allerdings Wochen dauern.

Die Familie wirft den Energieversorgern vor, „Profit vor das Wohl von Menschen zu stellen" und sich auch auf die Situation nicht vorbereitet zu haben“. In der Klage finde sich auch ERCOT wieder, heißt es weiter.