Anschober fordert strengere Standards für Putenhaltung

Tierschutzminister Rudolf Anschober (Grüne) hat heute bei einer Pressekonferenz strengere Standards für die Putenhaltung in der EU gefordert. Zwar gibt es auf EU-Ebene genaue Regeln für die Haltung etwa von Legehennen und Schweinen, für Puten gibt es diese jedoch bisher nicht.

Die von Anschober vorgestellte Studie „Anforderungen an eine zeitgemäße tierschutzkonforme Haltung von Mastputen“ soll als Grundlage für eine Debatte auf europäischer Ebene dienen. Die Studie wurde von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Universität Leipzig durchgeführt.

„Im Regierungsprogramm sind eine Reihe von Tierschutzmaßnahmen verankert“, sagte Anschober – und wies auf die wissenschaftliche Basis hin, die Grundlage sein soll. Dabei geht es jedoch nicht nur um die Verhinderung von Tierleid, sondern auch darum, dass bei Putenfleisch der Versorgungsgrad in Österreich bei 42 Prozent liegt – der Export von Standards bei Putenhaltung und Putenmast käme daher Tieren, dem Menschen als Konsumenten und nicht zuletzt den Landwirten zugute. Jedoch, so der Ressortleiter, brauche es erst einen Schulterschluss in Österreich, bevor man sich bei der EU vorstellig machen könne.

Die grüne Europaabgeordnete Sarah Wiener verwies darauf, dass die Bedingungen in einigen EU-Staaten „wirklich grauenhaft“ seien. Dabei sei die Pute kein „Nischenprodukt“, sondern liege in der Liste der meistgehaltenen Tiere EU-weit auf dem dritten Platz: „Jährlich werden 190 Millionen geschlachtet.“

Gruppengröße als wesentlicher Faktor

Studienautorin Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns stellte die fünf zentralen Punkte vor und nannte die Gruppengröße bei der Haltung als primäre Variable. Hier gelte der einfache Grundsatz: Je geringer die Besatzdichte, umso gesünder sei das für das Tier. „Kilogramm pro Quadratmeter“ lautet die Einheit, und auch wenn es in der Literatur auch zehn Kilogramm Pute pro Quadratmeter als Mindestmaß bei Biohaltung gebe, müsste man unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Kriterien bei 40 Kilogramm ansetzen. Dazu braucht das Geflügel Auslaufmöglichkeiten, einen Außenklimabereich und etwa Beschäftigungsmaterialien.

Wesentlich sei auch die Beleuchtung, denn die Vögel sehen besser als Menschen, für eine flimmerfreie Beleuchtung benötigen sie daher eine Frequenz von 150 satt der 60. Zudem brauchen Puten auch einen UV-A-Anteil im Licht, denn auch die Farbwahrnehmung sei beim domestizierten Truthuhn eine bessere.

Europäischer Schnitt weit über heimischem Limit

Österreich sei dabei als Messlatte zu sehen, so Anschober bei der Pressekonferenz. Die Tierschützerinnen und Tierschützer von Vier Pfoten verweisen darauf, dass „die meisten europäischen Stellen“ im Durchschnitt „60 bis 70 kg pro Quadratmeter“ und damit „um die Hälfte mehr Puten, als in Österreich erlaubt sind (maximal 40 kg pro Quadratmeter)“, heißt es in einer Aussendung. „Die Studie weist explizit auf die Bedürfnisse der Puten hin, die in der EU systematisch missachtet werden“, so Veronika Weissenböck von Vier Pfoten.

Umgekehrt heißt es von der Organisation, dass die heimischen Standards durch ausländisches Putenfleisch stark unter Druck gesetzt werden. Sie sprach sich daher für eine entsprechende Kennzeichnungspflicht aus.