Eine Million mehr Menschen in Italien in Armut

Die soziale Lage in Italien droht sich wegen der Coronavirus-Krise zu verschlimmern. Nach Angaben des Statistikamts Istat stieg die Zahl der in schwerer Armut lebenden Italienerinnen und Italiener 2020 auf 5,6 Millionen Menschen, eine Million mehr als 2019. 9,4 Prozent der Bevölkerung lebten in Armut, das sei ein Rekord der vergangenen 15 Jahren, teilte Istat heute mit. In Italien leben 60 Millionen Menschen.

Der stärkste Anstieg der schweren Armut betreffe vor allem Norditalien. Hier seien 7,6 Prozent der Familien in Armut, geht aus Istat-Angaben hervor. Familien mit mehr Mitgliedern seien von der Krise am stärksten betroffen. Die Durchschnittsausgaben der italienischen Familien seien auf ein Rekordtief seit 20 Jahren gesunken und lagen 2020 bei 2.328 Euro monatlich. Das waren 9,1 Prozent weniger als 2019.

Verlängerung des Kündigungsverbots angestrebt

Die Regierung um den neuen italienischen Premier Mario Draghi feilt an ihrem ersten Paket mit Stützungsmaßnahmen gegen die Wirtschaftskrise. Kernelement ist die Verlängerung des bis Ende März geltenden Kündigungsverbots bis zum 30. Juni. Premier Draghi will somit in den kommenden Monaten eine Kündigungswelle vermeiden, hieß es in Regierungskreisen

Mit dem Paket plant die Regierung eine radikale Vereinfachung bürokratischer Prozeduren. Vorgesehen sind außerdem Hilfsmaßnahmen für die von der Wirtschaftskrise am stärksten betroffenen Sektoren wie Gastronomie, Tourismus, Kultur und Freizeitindustrie. Der Zugang zu den Hilfsmaßnahmen soll vereinfacht werden.