Impfdosis von AstraZeneca
Reuters/Fabian Bimmer
Kurz zu AstraZeneca

Ältere haben nun „absoluten Vorrang“

Ältere und Risikopersonen haben nun bei CoV-Impfungen „absoluten Vorrang, und zwar bei allen Impfstoffen“. Das hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitag gesagt, nachdem sich zuvor das Nationale Impfgremium (NIG) für den Impfstoff von AstraZeneca ohne oberes Alterslimit ausgesprochen hatte. „Die Impfkampagne wird damit weiter an Fahrt aufnehmen“, so der grüne Gesundheitsminister Rudi Anschober.

Damit habe man das vereinbart, was am wichtisten sei, sagte Kurz bei einem Pressestatement am Freitag. Darüber hinaus sei man laufend zu logistischen Fragen im Gespräch. Mit allen Bundesländern sei vereinbart, dass entsprechend des Impfplanes voll fokussiert werde auf Menschen über 65 und Risikogruppen. Bereits zugesagte Impftermine mit jüngeren Personen wie etwa Lehrerinnen und Lehrern würden jedoch nicht abgesagt. „Damit werden wir viele Leben retten können“, so Kurz.

Kurz zeigte sich zuversichtlich, dass nach der Neubewertung durch das NIG und unter Einhaltung der zugesagten Liefermengen aller Impfstoffhersteller jeder über 65-Jährige „noch im April seine Impfung erhalten wird“. Damit würden „im Zuge der dritten Welle“ schwere Verläufe verhindert, sagte Kurz. Es könnten jetzt alle drei zugelassenen Impfstoffe für Menschen über 65 Jahren verwendet werden. „Das ist wichtig“, so der Kanzler, denn gerade ältere Menschen seien oft von schweren Verläufen betroffen.

Statement von Kanzler Sebastian Kurz

Anschober erfreut

Man sei dem Ziel, jedem Menschen in Österreich bis zum Sommer einen Impfstoff zur Verfügung zu stellen, ein weiteres Stück näher, sagte auch Anschober in einer Stellungnahme an die APA. Wegen der eingeschränkten Datenlage war in vielen Ländern eine Empfehlung abgegeben worden, vorerst insbesondere Personen unter 65 Jahren zu impfen. So lautete auch die bisherige Empfehlung des NIG.

Aufgrund der nun vorliegenden neuen Daten aus großen Anwendungsstudien, die in den letzten Tagen vorveröffentlicht wurden, ist eine solche Einschränkung nicht mehr notwendig, hieß es nun vonseiten des Gesundheitsministeriums. „Ich freue mich, dass wir jetzt auch für den Impfstoff von AstraZeneca eine klare Empfehlung des Nationalen Impfgremiums vorliegen haben, die wir sofort umsetzen werden.“

NIG-Vorsitzende: Empfehlung adaptiert

Die wissenschaftliche NIG-Vorsitzende Ursula Wiedermann-Schmidt sagte bei dem Pressestatement mit Kurz, aufgrund der neuen Daten sei es zu einer Adaptierung der Empfehlung gekommen. Der Impfstoff wirke auch bei Menschen über 80. „Das ist ja die Aufgabe des Gremiums“, so Wiedermann-Schmidt. „Unsere Dokumente sind sogenannte lebende Dokumente“ – nun liege der Fokus auf älteren Patienten und Hochrisikopatienten mit schweren Grunderkrankungen.

Statement von Ursula Wiedermann- Schmidt

Zur etwaigen Skepsis gegenüber dem vom Konzern AstraZeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelten Vakzin verwies Kurz auf die Worte Wiedermann-Schmidts, die mit Hinweis auf die nun robuste Datenlage bei den Wirksamkeitsstudien deren Unbegründetheit erläuterte. Kurz erklärte sich zudem zum potenziellen Kandidaten für eine Immunisierung mit dem Vakzin: „Sobald ich an der Reihe bin, lass ich mich gerne impfen, um zu zeigen, dass ich dem Impfstoff traue.“

Soll auch gegen Mutanten wirken

Der AstraZeneca-Impfstoff soll nach einer Studie der Universität Oxford auch gegen die aus Brasilien stammende, hochansteckende Mutante des Coronavirus wirksam sein, berichtete eine mit der Untersuchung vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Somit müsste das Vakzin nicht auf die aus der Amazonas-Stadt Manaus stammende Variante abgestimmt werden.

ORF-Experte Mayr zur AstraZeneca-Freigabe

Günther Mayr von der ZIB-Wissenschaftsredaktion kommentiert die Entscheidung des Nationalen Impfgremiums, auch über 65-jährigen sowie Hochrisikopersonen den Impfstoff von AstraZeneca zu verabreichen.

Diese verbreitet sich derzeit weltweit rasch, und sporadische Verdachtsfälle von B.1.1.28 wurden bereits in Österreich vermeldet. Botond Ponner, Medical Director von AstraZeneca Österreich wies in einem Statement gegenüber der APA auf die soliden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes hin: „Er trägt zu einem rascheren flächendeckenden Schutz der österreichischen Bevölkerung bei.“

Umfassende Studie aus USA erwartet

In den kommenden ein, zwei Wochen wird zudem eine große Studie zum AstraZeneca-Impfstoff aus den USA erwartet. Die Daten werden laut dem Pharmakonzern mehr als 30.000 Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen umfassen, wobei 20.000 den AstraZeneca-Impfstoff und 10.000 ein Placebo erhielten. 25 Prozent der Probanden waren älter als 65 Jahre.

Zudem werden aus den weltweiten Studien in mehreren Ländern mit insgesamt 60.000 Probanden unter anderem noch genauere Details zur Wirksamkeit gegen die neuen Virusvarianten erwartet. Erste Daten von wenigen jungen Probanden aus Südafrika hatten auf eine reduzierte Wirksamkeit gegen die dort erstmals aufgetauchte Mutation hingedeutet. AstraZeneca ist jedoch nach wie vor zuversichtlich, dass der Impfstoff bei Menschen, die mit der erstmals in Südafrika aufgetretenen Mutation infiziert werden, vor schweren Erkrankungen, Hospitalisierungen und Todesfällen schützt.

Mehr Verdachtsfälle von Nebenwirkungen gemeldet

Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut, das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, nahm in einem am Donnerstagabend veröffentlichten Sicherheitsbericht zum AstraZeneca-Vakzin Stellung zu den vermehrt gemeldeten Verdachtsfällen von Nebenwirkungen. Die Melderate unerwünschter Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost und grippeähnlicher Beschwerden sei bei AstraZeneca „vergleichsweise höher“, so das Institut.

Daraus könne aber „nicht zwangsläufig auf eine höhere Reaktogenität (Nebenwirkungen, Anm.) des Impfstoffes geschlossen werden“. Diese höhere Melderate könne auch mit der erhöhten medialen Aufmerksamkeit für diesen Impfstoff und den unterschiedlichen Altersgruppen der Geimpften zusammenhängen. Das Paul-Ehrlich-Institut hält den AstraZeneca-Impfstoff für ebenso gut wie die Vakzine von Biontech und Pfizer sowie Moderna.