Große Zahl unterschiedlicher Tabletten
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UNO-Bericht

Pandemie ändert Drogenkonsum

Die Coronavirus-Pandemie hat den Drogenkonsum und auch den Vertrieb von Suchtmitteln verändert. Darauf wies der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) der UNO bei der Präsentation seines Jahresberichts am Donnerstag in Wien hin. Die Krise beeinträchtige nicht nur die globalen Lieferketten von Medikamenten, sondern führe neben einer Verknappung mancher Drogen zu höheren Preisen – und steigenden Überdosisraten.

Besonders von der Pandemie betroffen seien Menschen mit psychischen Erkrankungen und Substanzkonsumstörungen, warnte der Kontrollrat. Substanzkonsumstörungen zeichnen sich dadurch aus, dass die Einnahme von Drogen trotz körperlicher, emotionaler und auch sozialer Folgen fortgeführt wird. Im Vordergrund steht also eine körperliche und psychische Abhängigkeit. Mobilitätseinschränkungen und soziale Isolation hätten bei dieser Personengruppe eine größere Belastung verursacht und die Störungen zeitweise verschlimmert.

„In einer Zeit, in der die Ressourcen bereits knapp sind, dürfen Menschen, die von Drogenkonsumstörungen betroffen sind, nicht zurückgelassen werden. Der INCB fordert die Regierungen auf, dafür zu sorgen, dass weiterhin Dienste für Prävention, Behandlung und Rehabilitation bereitgestellt werden“, sagte INCB-Präsident Cornelis de Joncheere.

Substanzkonsumstörungen hätten nicht nur zugenommen, sondern sich verschlimmert, heißt es weiter – viele Menschen hätten aufgrund fehlender Therapiemöglichkeiten mit schweren Entzugserscheinungen zu kämpfen. Die Pandemie habe dem Bericht zufolge zu einer Verschlechterung der generellen Gesundheit von Drogensüchtigen geführt.

Verknappung und höhere Preise

Folgen hatte die Pandemie auch für die Drogenmärkte: Reisebeschränkungen und andere Schutzmaßnahmen hätten die illegalen Drogenmärkte beeinflusst, heißt es weiter. Das hat laut INCB anscheinend zu einer Verknappung einiger Drogen und zu höheren Preisen geführt. Gerade die Verknappung mancher Substanzen wie Heroin habe wiederum dazu geführt, dass Menschen auf andere „gefährliche Substanzen“ umgestiegen seien, heißt es im Bericht.

Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass die Reinheit der lokalen illegalen Drogenlieferungen abgenommen hat und Verfälschungsmittel wie Fentanyl verwendet werden, wodurch die Überdosisraten steigen. Die Zahl der Drogentoten habe 2020 in dem Zusammenhang in einigen Weltregionen, etwa Nordamerika, zugenommen.

Der INCB berichtete überdies von einer Zunahme des Onlinedrogenhandels über verschlüsselte Kommunikation durch das organisierte Verbrechen. Offene Web- und Darknet-Märkte, Soziale Netzwerke und Onlineforen scheinen ebenfalls eine größere Rolle bei der Beschaffung von Drogen durch Nutzerinnen und Nutzer zu spielen. Diese Entwicklung stelle die Strafverfolgungsbehörden vor zusätzliche Herausforderungen.

Sorge über Folgen für Lieferketten von Medikamenten

Der INCB zeigte sich außerdem besorgt über die negativen Auswirkungen der Pandemie auf die globale Lieferkette von Medikamenten. Regierungsmaßnahmen, die die Ausbreitung des Virus eindämmen sollten (Abriegelung, Grenzkontrollen etc.), hätten zu Engpässen bei einigen kontrollierten Substanzen für medizinische und wissenschaftliche Zwecke geführt.

Der INCB empfiehlt den Ländern, ihren prognostizierten Bedarf an Medikamenten, die kontrollierte Substanzen enthalten, zu überprüfen und die administrativen und logistischen Anforderungen zu straffen.

Mehr ältere Menschen suchtanfällig

Der Bericht legte auch einen besonderen Fokus auf den Drogenkonsum älterer Menschen. Mit der Alterung der Weltbevölkerung nehme die Anfälligkeit für Drogenkonsum und -abhängigkeit bei älteren Menschen zu. Der Substanzkonsum und die damit verbundenen Störungen unter der älteren Bevölkerung hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, aber diese Bevölkerungsgruppe werde weitgehend übersehen.

„Die Pandemie hat der Gesundheit und dem Wohlbefinden älterer Menschen stark geschadet. Doch es gibt auch eine versteckte Epidemie“, so de Joncheere mit Verweis auf Suchtanfälligkeit von Menschen über 65.

Afghanistan weiterhin Opium-Hub

Weiters hielt der Kontrollrat fest, dass die Opiumproduktion in Afghanistan auch im Jahr 2019 hoch blieb. In den vergangenen fünf Jahren entfielen fast 84 Prozent der weltweiten Opiumproduktion auf Afghanistan. Darüber hinaus gab es keine Anzeichen für einen Rückgang der Lieferung von Heroin afghanischer Herkunft an die Verbrauchermärkte weltweit. Der INCB zeigte sich besorgt über die sich verschlechternde Drogenkontrollsituation in dem Land.

Der INCB rief die Regierungen dazu auf, die internationalen Drogenkontrollkonventionen unter voller Achtung der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenrechte umzusetzen. Die Ansätze sollten auf den Prinzipien der Verhältnismäßigkeit bei der Festlegung von Reaktionen auf Drogendelikte und der Achtung der Menschenrechte beruhen, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen.