Intensivmediziner Hasibeder für landesweiten Lockdown

Der Tiroler Intensivmediziner Walter Hasibeder hat sich heute im Ö1-Morgenjournal für eine Ausweitung des Lockdowns auf ganz Österreich ausgesprochen. Dass diese notwendig werde, sei nur „eine Frage der Zeit“, so Hasibeder, Präsident der Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin.

Die Dauer des Lockdowns, der in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland über Ostern geplant ist, werde zudem nicht ausreichen, so Hasibeder. Besser wäre ein harter Lockdown über 14 Tage, „dann gehen die Infektionszahlen auch wirklich wieder hinunter“.

Hasibeder, der auch Intensivmediziner am Krankenhaus St. Vinzenz in Zams ist, sagte, dass alle Intensivfälle auf seiner Station derzeit von der Virusvariante B.1.1.7 verursacht wurden. Diese Mutante, die zuerst in Großbritannien aufgetreten ist, gilt als viel ansteckender und auch gefährlicher für junge Patientinnen und Patienten.

Zudem ging Hasibeder davon aus, dass schon viele Fälle der zweiten Infektionswelle auf diese Virusvarianten zurückzuführen gewesen seien.

Sorge um Nicht-Covid-19-Patienten

„Wir machen uns aber auch große Sorgen um die zahlreichen Nicht-Covid-19-Patientinnen und -Patienten, die von einer Überlastung von Intensivkapazitäten betroffen sind“, sagte Hasibeder weiter.

Ob Akutfälle wie die Folgen eines schweren Unfalls oder einer schweren Infektion oder nicht akut lebensnotwendige, aber medizinisch erforderliche Operationen, die verschoben werden müssen: Immer mehr Menschen könnten und werden von der mehr als angespannten Versorgungslage betroffen sein.

Ohne Pandemie zu 85 bis 90 Prozent ausgelastet

„Um die Konsequenzen solcher Spitzenbelastungen richtig einzuschätzen, muss man sich vor Augen führen, wie Intensivstationen funktionieren“, meinte Klaus Markstaller, bisheriger Präsident der ÖGARI. Auch ganz ohne Zusatzbelastungen wie eine Pandemie seien die Kapazitäten zu etwa 85 bis 90 Prozent ausgelastet. „Oder anders gesagt, wir haben einen Puffer von etwa zehn bis 15 Prozent.“

Geht das Ausmaß der Zusatzbelastung darüber hinaus, würde man sich schrittweise in einen Krisenmodus bewegen. Hasibeder. „So etwas wie freie Intensivbetten gibt es schon zu ‚normalen‘ Zeiten kaum, und schon gar nicht während einer Pandemie.“