Nach Militäreinsatz in Tigray: Warnung vor „Pulverfass“

Nach dem Militäreinsatz der äthiopischen Regierung in der nördlich gelegenen Region Tigray hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) heute vor den humanitären Folgen gewarnt. Die derzeitige Situation beschreibt der MSF-Nothilfekoordinator Ozan Agbas als „Pulverfass, das darauf wartet zu explodieren“.

Camps für Vertriebene seien heillos überfüllt, vielerorts gebe es keine ausreichende Versorgung mit Essen, und die nahende Regenzeit könne den Ausbruch von Krankheiten begünstigen. Bereits jetzt gebe es einige Fälle von Malaria.

MSF bittet um Hilfe

Die Regenzeit werde die Übertragung weiter begünstigen, ebenso den Ausbruch von Cholera und Fällen von akutem Durchfall, zeigte sich Agbas besorgt. Viele Kinder seien mangelernährt und deshalb oft die Ersten, die von diesen Krankheiten betroffen seien.

„Wir bitten andere Organisationen dringend, ihre Hilfe so gut wie möglich und so rasch wie möglich aufzustocken. Wenn wir jetzt reagieren, können wir eine größere Katastrophe abwenden“, betonte Agbas.

Hunderttausende vertrieben und geflüchtet

Die Regierung in Addis Abeba hatte im November eine Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die bis dahin in der gleichnamigen Region an der Macht war und jahrzehntelang das gesamte Land dominiert hatte, zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr Teil der Zentralregierung war. Das volle Ausmaß des Krieges, an dem auch eritreische Truppen beteiligt waren, ist noch nicht bekannt.

Monatelang waren Telefon- und Internetverbindungen gekappt, viele Bewohner und Bewohnerinnen hatten keinen Strom und Wasser. Humanitäre Helfer und Helferinnen schätzen, dass ein Großteil der Bevölkerung in Tigray auf Hilfsmittel angewiesen ist. Hunderttausende wurden vertrieben und flüchteten in andere Städte, Regionen und über die Grenze, etwa Richtung Sudan.