Surferin und Surfer auf Hawaii
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Nach der CoV-Krise

Reiseziele mit guten Vorsätzen

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der CoV-Zwangspause lässt viele Tourismusdestinationen weltweit an Neustartplänen basteln. Vor allem für Regionen, die wirtschaftlich von Urlauberinnen und Urlaubern abhängig sind, war der Ausfall im letzten Jahr eine wirtschaftliche Katastrophe. Und trotzdem: Nicht überall soll es wieder so werden wie zuvor. In Hawaii und Island denkt man über Konzepte zur Entschleunigung nach, Venedig und Florenz wollen Tatsachen schaffen.

2019 war für viele Länder das Jahr der Tourismusrekorde – auch für den US-Bundesstaat Hawaii, wo 10,4 Millionen Touristinnen und Touristen in einem Jahr registriert wurden. Noch nie zuvor waren so viele Menschen auf den Inseln im Pazifischen Ozean, um dort ihren Urlaub zu verbringen. 2020 brach dort, wie überall weltweit, der Tourismus völlig zusammen.

Nach zwei strengen Lockdowns reicht derzeit für die Einreise ein negativer Test, alternativ kann man seinen Urlaub mit einer zehntägigen Quarantäne beginnen. Mit teilweise extremen Rabatten locken Hotels vor allem ein junges Publikum an: zu Springbreak, den US-Frühjahrsferien, nutzen Zehntausende Amerikanerinnen und Amerikaner die Chance auf Strandurlaub. Wie die „New York Times“ („NYT“) berichtete, hoffen viele Inselbewohnerinnen und -bewohner aber auf lange Sicht auf ein Umdenken.

Große Hoffnungen setzen viele Hawaiianer auf John De Fries, den ersten Vorstand der Tourismusbehörde mit indigener Abstammung. „Wir sind an einem Punkt, an dem es um unser Überleben geht“, so De Fries laut „NYT“. „Wir haben verstanden, dass es außer Geld auch noch andere Währungen gibt. Eine davon ist unsere Umwelt, eine andere das Wohlbefinden unserer Gesellschaft.“ Man müsse den Wert der Traditionen und Bräuche des Landes erkennen und schützen. Schon vor Pandemiebeginn wurde ein Viersäulenplan für mehr Nachhaltigkeit erarbeitet, an dessen Umsetzung man durch die Krise umso ambitionierter gehen will.

Pandemiemaßnahmen gegen Massenaufläufe

Doch auch Cov-Maßnahmen könnten sich für die Zukunft etablieren. In den Naturparks Hawaiis wurden 2020 Regeln eingeführt, um die Besucherströme zu reduzieren und so für Sicherheit während der Pandemie zu sorgen: Weniger Parkplätze und eine Reservierungspflicht für beliebte Ausflugsziele verhindern dort aktuell Menschenaufläufe.

Nun überlegt man nicht nur, diese Einschränkungen beizubehalten, sondern sogar noch auszuweiten. Änderungen beim Reservierungssystem und gestaffelte Eintrittspreise seien in Arbeit, so Curt Cottrell von der Nationalparkverwaltung: „Solche Veränderungen könnten die Erlebnisqualität verbessern. Mit diesen Dingen müssen wir fertig sein, bevor – Gott behüte – die Touristenmassen wieder auf dem Niveau von 2019 sind.“

Pärchen betrachtet von einer Bank aus einen Geyser auf Island
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Islands wilde Naturspektakel lockten vor der Pandemie jährlich mehr Touristen auf die Insel

Island will Urlaubende länger im Land halten

Das Niveau von 2019 war auch in Island eines, das vielen Einheimischen nicht mehr geheuer war. „Die Besucherzuwächse 2019 waren viel zu schnell, und wir waren sehr an der Grenze zu einer nicht mehr nachhaltigen Entwicklung“, erklärte Tryggvi Felixson gegenüber dem Reisemagazin „Conde Nast Traveler“. Billige Flüge machten Island vor dem Coronavirus-Ausbruch zunehmend auch zu einem beliebten Ziel für Kurzurlaube, diesem Trend will man nach der Pandemiepause entgegenwirken. Statt an wenigen Tagen nur die Highlights des Landes zu besichtigen, sollen Touristinnen und Touristen animiert werden, künftig langsamer zu reisen.

„Nicht jeder muss die Ringstraße abfahren“, so Skarphedinn Berg Steinarsson, der Vorsitzende des isländischen Tourismusverbands. „Wir ermutigen Menschen durchs Land zu reisen und im Idealfall länger in den Regionen zu bleiben.“ Die 1.341 Kilometer lange Ringstraße, entlang derer die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Orte der Insel liegen, ist quasi das Pflichtprogramm für Urlaubende und dementsprechend gut befahren. Ende 2020 wurden zur Entzerrung der Ströme zwei weitere Routen erschlossen und präsentiert: der 950 Kilometer lange Westfjords Way und der 260 Kilometer langen Diamonds Circle.

Generell versucht man, mit großen Investitionen in neue Projekte die Touristenströme auszudünnen. Ein 31 Millionen Euro teures Geothermalbad in Reykjavik soll noch in diesem Frühjahr eröffnet werden und als attraktive Alternative für die berühmte – oft überlaufene – Blaue Lagune dienen.

Wenig Freude mit Kreuzfahrtschiffen

Ein besonderes Problem stellte bis zum Beginn der CoV-Krise die boomende Kreuzfahrtbranche in Island dar. Nicht nur, dass die Tagestouristenmassen wenig Geld in die lokalen Kassen bringen, sie essen, trinken und schlafen schließlich an Bord, sie sind auch für die spektakuläre Landschaft der Fjorde eine Gefahr. 2020 erließ Island daher für seine Gewässer ein Verbot für Schiffe mit Schweröl – bei Verstößen drohen den Reedereien empfindliche Geldstrafen. Schon 2019 wurde zudem aufgrund zahlreicher Beschwerden der Bewohnerinnen und Bewohner des Dörfchens Seydisfjördur ein Regelwerk für die Kreuzfahrtgäste erarbeitet: Man solle keine Kinder und nicht durch Fenster in Häuser fotografieren, heißt es darin etwa.

Venedig verbannt die Riesenschiffe

Ähnlich wie in Island sind die Kreuzfahrtschiffe auch in Venedig zu einem Problem geworden. Zumindest im Zentrum – direkt vor dem Markusplatz – werden sie in absehbarer Zeit aber nicht mehr zu sehen sein. Nach Regierungsangaben müssen sie künftig im Industriehafen vor Anker gehen. Der Industriehafen sei eine „vorübergehende“ Lösung, erklärten die Ministerien, die zu Vorschlägen für eine „endgültige Lösung des Problems mit dem Schiffsverkehr in Venedig“ aufriefen.

Vor der Pandemie waren mit den Kreuzfahrtschiffen jedes Jahr Millionen Besucher in die Stadt geströmt. Von den riesigen Schiffen verursachte Wellen schaden den Fundamenten der zum Weltkulturerbe gehörenden Lagunenstadt Venedig und bedrohen das sensible ökologische Gleichgewicht in der Lagune. Darüber hinaus wollen die Bürgermeister von Venedig und Florenz den Tourismusneustart nach der Krise mit Maßnahmen zum Schutz des Handwerks und lokaler Produktionen und einer Neuregelung für die Vermietung von Ferienwohnungen verknüpfen.

Kreuzfahrtschiff bei Sonnenaufgang in Venedig
ORF.at/Carina Kainz
Kreuzfahrtschiffe vor dem Markusplatz – zumindest vorübergehend sind diese Bilder Geschichte

Alte Muster oder neue Wege?

Nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Euromonitor International wird sich der weltweite Tourismus im Idealfall im Jahr 2022 erholt haben. Dann könnten die Reiseausgaben wieder das Vorkrisenniveau erreichen, vorausgesetzt, man bekomme die Pandemie in den Griff. Wird der Urlaub dann ein anderer sein? Nicht unbedingt. Experten rechnen damit, dass die Urlaubenden großteils zu ihren alten Mustern zurückkehren. Für Urlaubsregionen und -orte kann die Krise aber durchaus eine Chance sein, alte Fehlentwicklungen zumindest leicht zu korrigieren.