„Presse“: Raiffeisen will Einlagensicherung verlassen

Die Raiffeisen-Bankengruppe verlässt die Einlagensicherung, die nach Bankpleiten in Österreich für Spareinlagen betroffener Kundschaft bis zu 100.000 Euro einspringt. Raiffeisen will nun – wie bereits die Erste Bank und die Sparkassen – eine eigene Sicherung aufziehen, berichtet die „Presse“ (Donnerstag-Ausgabe).

Commerzialbank-Pleite als Anlass

Anlass ist die teure Pleite der Commerzialbank Mattersburg. Nur wenige Wochen nach dem Comerzialbank-Zusammenbruch beschlossen die wichtigsten Akteure bei Raiffeisen, aus der gemeinsamen Einlagensicherung Austria (ESA) auszutreten. „Mattersburg“ hat den Raiffeisen-Sektor rund 220 Mio. Euro gekostet – von den insgesamt 490 Mio. Euro, mit denen die ESA Commerzialbank-Kunden entschädigte.

Nie wieder wollte Raiffeisen für fremde Sparer aufkommen – und hat Ende 2020 deshalb eine eigene Einlagensicherung bei den zuständigen Behörden beantragt. Man habe die entsprechenden Anträge bei den Aufsichtsbehörden bis hin zur EZB eingereicht und warte nun auf die Bescheide. Sollten die Aufseher keine Einwände haben, werde der Raiffeisensektor selbstständig für die rund 88 Mrd. Euro seiner Kundeneinlagen einstehen.

Gegenseitiger Schutz der Raiffeisenbanken

Aktuell musste Raiffeisen nicht nur für die Commerzialbank, sondern auch für die insolvente ehemalige Meinl-Bank (Anglo Austrian Bank) mitzahlen. Bankpleiten innerhalb von Raiffeisen sind in Österreich nahezu ausgeschlossen, da die rund 375 Raiffeisenbanken einen Haftungsverbund bilden und einen gemeinsamen Revisionsverband haben. Sollte es im Sektor doch einmal eine Schieflage geben, würde die betroffene Bank von den anderen Banken im Sektor aufgefangen.

Erste Bank und Sparkassen haben von Anfang an auf eine eigene Einlagensicherung gesetzt. Bei Raiffeisen stand das 2018 auch zur Diskussion, damals war Raiffeisen Oberösterreich dagegen, heute wollten nach Informationen der „Presse“ wiederum einige Kärntner Raikas in der ESA bleiben. Neben Raiffeisen sind in der ESA auch die Volksbanken, Bank Austria, BAWAG, 3-Banken, Hypos und viele kleine selbstständige Kreditinstitute. Die Volksbanken würden es Raiffeisen gerne gleichtun, dürften nach bisherigem Stand aber zu klein dafür sein. Sie wollen nun eine Änderung der Regeln.