Hollywood-Schauspielerin Julia Roberts
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Schwierige Einreise

Gestrandete Australier beklagen Promibonus

Schon seit gut einem Jahr ist Australien weitgehend vom Rest der Welt abgeschottet – Zehntausende im Ausland gestrandete Australierinnen und Australier warten nach wie vor darauf, heimkehren zu können. Dass sich dort zuletzt immer mehr Hollywood-Stars tummeln, sorgt bei vielen von ihnen für Unmut.

Ob Zac Efron, Julia Roberts, Natalie Portman oder Matt Damon – die Liste der Hollywood-Stars, die in den letzten Wochen und Monaten nach Australien gereist sind, ist lang. Australien gilt als Insel der Seligen, Coronavirus-Fälle gibt es nur noch sehr wenige. Bars, Nachtclubs und Restaurants haben geöffnet. Einzelne Stars wie Efron ließen sich gar permanent im Land nieder. Das Gros der berühmten Ankömmlinge ist arbeitsbedingt dort.

Während sich australische Staatsbürger um einige wenige Flugtickets bemühen und Geld für den Aufenthalt in australischen Quarantänehotels sparen, versucht die sonst so rigoros gegen das Coronavirus vorgehende australische Regierung nämlich, große Filmproduktionen mit finanziellen Anreizen ins Land zu holen. 400 Mio. australische Dollar werden der „New York Times“ zufolge dafür in die Hand genommen.

„Sie nennen es Aussiewood“

Mit Erfolg: Über 20 internationale Produktionen – von „Thor: Love and Thunder“ über „Three Thousand Years of Longing“ bis hin zu „Joe Exotic“ – befinden sich bereits in Produktion oder sollen noch im kommenden Jahr gedreht werden. „Sie nennen es Aussiewood“, bringt es ein lokaler Entertainment-Reporter gegenüber BBC auf den Punkt.

Vielen der rund 40.000 im Ausland gestrandeten Australierinnen und Australier stößt das sauer auf. „Die Behandlung von reichen oder berühmten im Vergleich mit gewöhnlichen Menschen ist zu 100 Prozent anders“, wird eine Australierin, die sich seit Monaten in Großbritannien aufhält, von der BBC zitiert.

Über ein „Zweiklassensystem“ klagt ein in Peru gestrandeter Australier. Ähnliche Kritik wurde unter Instagram-Postings der Promis laut: „Warum sind reiche Leute in der Lage, nach Australien zu reisen, obwohl deren Grenzen geschlossen sind lmao“, schrieb eine Nutzerin unter ein Bild von Portman vor den Blue Mountains.

Beschwerde bei UNO

Die Einreise ins Heimatland gestaltet sich für Einheimische nämlich ungewöhnlich schwierig: In Facebook-Gruppen wie „Australians Stuck Around the World“ oder „Aussie’s Abandonded Abroad“ – die meisten Gruppen zählen Hunderte oder Tausende Mitglieder – schildern australische Nutzerinnen und Nutzer, dass sie daran gehindert werden, zurückzukehren.

Sie geben einander Tipps – etwa ständig die Koffer gepackt zu haben und das Smartphone anzuhaben, sollte ein Last-Minute-Flug frei werden. Hunderte baten in Posts verzweifelt um Hilfe, weil sie sterbende Angehörige pflegen müssen, weil sie ihre Familie und Freunde nach einem Jahr Trennung vermissen, weil sie ihre Arbeit oder ihre Unterkunft verloren haben.

Die Gruppe „Stranded Australians Abroad“ reichte Ende März gar eine Beschwerde gegen die australische Regierung beim Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen ein, weil es ihnen durch die strengen Einreiseregeln unmöglich sei, heimzukehren.

Wenige Flüge, teure Quarantänehotels

Um Coronavirus-Ausbrüche zu vermeiden, führte die Regierung bereits im Vorjahr eine Obergrenze für Einreisende ein. Diese Obergrenze hat zur Folge, dass internationale Passagierflugzeuge in den meisten Fällen nur 40 Personen transportieren dürfen. Die Entscheidung führte zwangsläufig zu teureren Flugtickets – zudem werden und wurden Business- und First-Class-Passagiere von Airlines bevorzugt.

Zu den Kosten für den Flug kommt auch noch, dass sich jeder, der ins Land einreist, einer zweiwöchigen, selbst bezahlten Hotelquarantäne unterziehen muss. Die Kosten dafür betragen 3.000 australische Dollar pro Person.

Bericht: Sonderbehandlung bei Quarantäne

Auch dass es für eine kleine Gruppe an Menschen – darunter Roberts und Efron – Ausnahmen gibt, „Sydney Morning Herald“ berichtete Mitte März, ließ einmal mehr die Wogen hochgehen. Roberts, Efron und der britische Sänger Ed Sheeran durften die zweiwöchige Quarantäne – anders als gewöhnliche Reisende – in einer privaten Unterkunft verbringen.

Die verpflichtende, zweiwöchige Polizeibewachung der alternativen Unterkunft koste die Stars dem Bericht zufolge bis zu 100.000 australische Dollar. Agenturen, die den Promis bei der Organisation alternativer Quarantänemöglichkeiten helfen, argumentieren, dass dadurch begehrte Plätze in den Quarantänehotels freigemacht werden.

Ministerium: Gestrandete haben „höchste Priorität“

„Australiern im Ausland zu helfen hat höchste Priorität“, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums der BBC. 39.000 Bürgern wurde seit Ausbruch der Pandemie bereits bei der Rückkehr ins Land geholfen, hieß es auch. Eine ORF.at-Anfrage zur Anzahl der in Österreich gestrandeten Australierinnen und Australier bei der Australischen Botschaft in Wien blieb unbeantwortet.

Heftige Kritik am Vorgehen der australischen Regierung gab es bereits rund um die Australian Open Anfang des Jahres: Denn obwohl Canberra aufgrund der Ausbreitung der erstmals in Großbritannien festgestellten Virusvariante B.1.1.7 die Obergrenze für Einreisende im Jänner halbierte, wurden 1.700 Menschen – Tennisspieler, Trainer und andere – für das Tennisturnier ins Land gelassen.

Grenzen bis 17. Juni geschlossen

Anfang März kündigte Australien überdies eine Verlängerung der coronavirusbedingten Grenzschließung um mindestens drei Monate an. Die strikten Grenzkontrollen würden bis mindestens 17. Juni verlängert, erklärte Gesundheitsminister Greg Hunt. Gesundheitsexperten hätten der Regierung zu der verlängerten Grenzschließung geraten, erklärte Hunt.

Australien hat die Ausbreitung des Coronavirus frühzeitig unter Kontrolle bekommen. In dem Land mit seinen 25 Millionen Einwohnern wurden seit Pandemiebeginn insgesamt nur rund 29.300 Infektionsfälle mit dem Covid-19-Erreger registriert. Aufgrund der geringen Infektionszahlen hat das österreichische Außenministerium aktuell auch keine Reisewarnung für Australien ausgesprochen, vor nicht notwendigen Reisen wird aber abgeraten.